Wörtermerken

Fabienne

Juni 8

“Mir fällt nicht mehr ein, was ich einkaufen wollte. Ich kann mir nichts merken!” Kommt dir das bekannt vor? Ich habe eine gute Nachricht für dich. Diese Sätze gehören ab heute der Vergangenheit an. Ich zeige dir, wie du dir am besten Wörter merken kannst. Das ist manchmal eine echte Herausforderung. Erst recht, wenn es sich um komplizierte deutsche Wörter handelt. Sie wollen einfach nicht in deinen Kopf! Was kannst du tun, damit du dir Wörter leichter merken kannst?

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Wie wir uns neue Wörter merken können

Wenn du dir neue Wörter merken willst, müssen in deinem Gehirn Verbindungen aus Nerven entstehen. Das gelingt mit Gedächtnistraining. Wir können uns viele Wörter merken, wenn starke Nervenverbindungen entstehen. Merkst du dir zum Beispiel Farben oder Bilder zu neuen Wörtern dazu, entstehen viele von solchen wichtigen Verbindungen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg und funktioniert auch bei komplizierten Wörtern. Dabei ist es völlig normal, wenn wir einmal ein gelerntes Wort wieder vergessen. Das kommt vor. Es ist noch kein Grund zum Verzweifeln.

In unserem Gehirn werden Sinneseindrücke1 gesammelt. Lesen wir zum Beispiel etwas, entscheidet unser Gehirn, ob es etwas Wichtiges ist. Wichtige Informationen merken wir uns, unwichtige vergessen wir. Das ist eine Schutzfunktion deines Gehirns. Stell dir vor, du würdest dir alles merken, was du liest, siehst oder hörst. Dein Gehirn wäre andauernd mit nutzlosen oder störenden Informationen beschäftigt. So könntest du dich nicht konzentrieren.

Schaffst du es, dass dein Gehirn eine Information als wichtig erkennt, wirst du sie dir besser merken. So erklärt es sich auch, dass du dir in der Regel Wörter leichter merken kannst, die für deinen Alltag oder deinen Beruf wichtig sind. Das klappt natürlich nicht bei jedem Wort. Nicht immer ist dir sofort beim Lernen klar, wie nützlich dir das Wort sein kann. Das Ziel ist es also, dass Wörter zunächst eine Bedeutung für dich bekommen. Diese Bedeutung bekommen Begriffe dann, wenn du dich intensiv mit ihnen beschäftigst. Und genau dabei unterstützen dich die folgenden Techniken.

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Wörtermerken: das Fitnessstudio für dein Gedächtnis

Wörter sind die Basis für das Sprechen einer Sprache. Und auch für das Lernen einer neuen Sprache. Nicht nur für das Lernen von Vokabeln kannst du die Techniken einsetzen. Du kannst sie auch im Alltag gebrauchen. Denk zum Beispiel einmal an die Dinge, die du einkaufen willst. Es ist schon praktisch, wenn du nicht mehr vom Einkaufszettel oder der Notizfunktion in deinem Smartphone abhängig bist. Dein Gedächtnis kannst du wie in einem Fitnessstudio trainieren. Nur eben nicht mit Gewichten. Übst du regelmäßig, wirst du deine Leistung verbessern. Um deine Merkfähigkeit2 zu trainieren, brauchst du eine gute Technik. Mit welcher Technik merkst du dir Begriffe am besten? Jeder lernt anders. Du allein entscheidest daher, wie du dir am besten Wörter merken kannst.

Wörtermerken mit Bildern

Das Wörtermerken funktioniert gut mit Bildern. Du denkst dir beim Lernen zum jeweiligen Wort ein Bild dazu. Je konkreter die Bilder, desto besser. Oder du druckst dir ein Bild aus und klebst es auf eine Karteikarte neben das Wort. So lernst du das Wort zusammen mit dem Bild. Beides wird nun in deinem Gedächtnis fest abgespeichert. Indem du beim Lernen das jeweilige Wort mit dem Bild verbindest, wirst du dich gut daran erinnern können.

Manche Methoden gehen sogar noch weiter. Dein Gedächtnis trainieren kannst du auch mit einem eigenen Bild. Du kannst zum Begriff ein Bild malen oder eine Zeichnung anfertigen. Keine Sorge! Solange du selbst erkennst, was du darstellen möchtest, ist der Zweck erfüllt. Du bist dadurch gezwungen, dich mit der Bedeutung des Wortes auseinanderzusetzen. So lernst du den Begriff nicht einfach auswendig. Du suchst nach einer Möglichkeit, den Begriff bildlich darzustellen. Dafür musst du dir Gedanken machen und das sorgt dafür, dass der Begriff gut in deinem Gedächtnis gespeichert wird. 

Mit der Hilfe von Bildern kannst du dir auch leichter Nachnamen von Personen merken. Du suchst nach einem Bild, das zum jeweiligen Namen passt. Heißt zum Beispiel eine Person “Herr Fischer”, dann stellst du dir vor, dass dieser Herr einen Fisch in der Hand hat. Das funktioniert natürlich nicht bei allen Namen. Es kann auch helfen, sich die Situation, in der man die Person kennengelernt hat, so konkret wie möglich vorzustellen.

Wörtermerken durch Schreiben

Es muss nicht immer gleich eine Zeichnung zum Wort sein. Merken kannst du dir Begriffe auch, indem du sie einfach aufschreibst. Durch deine Schrift gestaltest du das Wort wie ein Bild und es prägt sich gut ein. Hast du schon einmal von der Lernmethode “Dosendiktat“ gehört? Alle Begriffe, die du dir merken möchtest, schreibst du auf Kärtchen. Dann legst du sie in eine Dose. Du ziehst ein Kärtchen. Jetzt musst du dir den Begriff merken und legst das Kärtchen umgedreht auf den Tisch. Du schreibst nun den Begriff auf und kontrollierst, ob er richtig geschrieben ist. Wenn ja, legst du es zur Seite. Wenn nicht, steckst du es zurück in die Dose. Du machst das solange, bis die Dose mit allen Wörtern leer ist. Du prüfst also selbst, welche Wörter du dir gut merken kannst. Noch dazu übst du, wie du Wörter richtig schreiben musst.

Wörtermerken mit der Methode der Orte

Willst du dir Wörter merken, dann verbinde Begriffe mit bestimmten Orten. Die Orte müssen dir gut bekannt sein. Wähle zum Beispiel Orte aus deiner Wohnung. Du suchst dir bestimmte Punkte im Raum aus. Für den Anfang solltest du nicht mehr als 10 Punkte wählen. Sonst kommst du vielleicht durcheinander. Diese ausgesuchten Punkte läufst du in Gedanken immer in der gleichen Reihenfolge ab. Die Wörter, die du dir merken willst, verbindest du jetzt mit den Punkten im Raum. Ich möchte mir den Begriff Haferflocken merken. Dafür suche ich mir einen Ort aus, an dem mein Schuhregal steht. Ich bilde jetzt eine Geschichte mit dem Wortpaar “Haferflocken” und “Schuhregal”. Diese Geschichte könnte in etwa so aussehen: “Ich habe riesigen Hunger! Aber die Haferflocken erwachen zum Leben und verstecken sich vor mir in den Schuhen. Na toll…”

Möchtest du dich an den Begriff “Haferflocken” erinnern, denke an deine Geschichte. Umso lebendiger und detaillierter deine Geschichte wird, desto leichter kannst du dir Wörter merken. Diese Methode wird auch Routenmethode genannt. Bestimmte Orte verbindest du zu einer Route3. Mit der Zeit kannst du immer mehr Routen anlegen und dir somit immer neue Begriffe zu den Orten merken. Es eignen sich dafür auch die Wege zur Arbeit, zur Schule, zum Park oder die Wohnungen von Freunden.

Wörtermerken mit der Schlüsselwortmethode

Finde zum Begriff, den du dir merken möchtest, ein ähnlich klingendes Wort. Das ähnliche Wort darf dabei aus deiner Muttersprache sein. Nach diesem Schritt verbindest du die beiden Wörter noch mit einem Bild. Das englische Wort “mice” bedeutet “Mäuse”. Die Aussprache zum deutschen Wort “Mais” ist ähnlich. Stell dir zum Beispiel vor, wie Mäuse an einem Maiskolben knabbern4. Wenn du dich das nächste Mal fragst, wie “Mäuse” auf Englisch heißt, denk einfach an dieses Bild. Mit großer Wahrscheinlichkeit fällt dir der gesuchte Begriff sofort wieder ein. Es ist sehr aufwendig nach Wörtern zu suchen, die sich reimen. Gerade deshalb ist die Methode auch so nützlich. Du machst dir viele Gedanken zum jeweiligen Wort und speicherst es in deinem Gedächtnis dadurch gut ab.

Wörtermerken allein durch Wiederholung?

Wiederholst du neue Begriffe nach zwei Tagen, kannst du sie dir am besten merken. Lege dazu am besten Karteikarten an. Auf die Vorderseite schreibst du den Begriff, den du dir merken möchtest. Auf die Rückseite notierst du dir die Übersetzung. Mit der Hilfe dieser Karteikarten kannst du die Begriffe aussortieren, die du dir bereits merken kannst. Wörter, die du dir noch nicht merken kannst, wiederholst du erneut. Aber Vorsicht! Wiederholst du Wörter nur, ohne sie zu verwenden, ist das keine gute Technik. Daher gilt:

Merke dir Wörter in ganzen Sätzen. Es ist nicht besonders nützlich, lange Wortlisten auswendig zu lernen. Versuche, Begriffe in einen Zusammenhang zu bringen. Bilde Beispielsätze mit dem jeweiligen Wort. So verstehst du, wie du das Wort im Kontext richtig gebrauchst. Besonders lustige Sätze kannst du dir vielleicht am besten merken.

Wörtermerken mit noch mehr Tricks

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Lerne Artikel mit Farben. Unterschiedliche Farben helfen dir, dass du dir deutsche Artikel leichter merken kannst. Schreibe Wörter mit dem Artikel “der“ zum Beispiel in Blau. Rot nutzt du für Begriffe mit dem Artikel “die“ und Grün für Wörter mit dem Artikel “das“. So siehst du auf einen Blick, welchen Artikel du den Wörtern zuordnen musst. Durch die unterschiedlichen Farben kannst du sie dir in deinem Gedächtnis gut einprägen.

Sprich Wörter laut aus. Wichtig ist hierbei, dass du neue Begriffe nicht einfach vor dich hin murmelst5. Achte auf eine deutliche Aussprache. Das Nachsprechen allein sorgt aber nicht für eine gute Behaltensleistung6. Am besten verwendest du die Begriffe in Gesprächen. Je häufiger du sie aussprichst und verwendest, desto mehr Bedeutung bekommen sie für dich. Und das sorgt dafür, dass sie lange in deinem Gedächtnis bleiben.

Suche zum jeweiligen Wort verwandte Wörter. Du kannst eine Mindmap7 erstellen, in die du Synonyme für das Wort einträgst. Allein durch die Suche nach passenden Wörtern und das Gestalten der Mindmap lernst du das Wort und seine Bedeutung gut kennen. Auch arbeitest du zusätzlich daran, dich abwechslungsreich auszudrücken. So vergrößerst du deinen Wortschatz.

Deine Gefühle beeinflussen, wie gut du dir Wörter merken kannst. Wörter kannst du dir leichter merken, wenn du sie mit Gefühlen verbindest. Dabei macht es keinen Unterschied, ob das gute oder schlechte Emotionen sind. Die Gefühle, die du mit den Begriffen verbindest, sollten stark sein und für dich eine große Bedeutung haben. Verbinde ein Wort zum Beispiel mit einer Erinnerung aus deiner Kindheit. Denkst du an diese Erinnerung, fällt dir der Begriff leichter ein.

Bist du jetzt bereit für dein Gedächtnistraining?

Oder möchtest du nun auch noch dein Hörverstehen verbessern und erfahren, was es mit der Lautschrift (Phonetik) auf sich hat? Dann entdecke jetzt unseren neuen Blog, in dem sich alles um die deutsche Sprache und praktische Tipps für den Alltag dreht.

Fragen & Antworten:

Wie merken wir uns Wörter?

Wenn du dir Wörter merken willst, müssen in deinem Gehirn Verbindungen aus Nerven entstehen. Merkst du dir zum Beispiel Farben oder Bilder zu neuen Wörtern dazu, entstehen viele solcher Verbindungen. Das sorgt dafür, dass die Wörter gut in deinem Gedächtnis gespeichert werden.

Was ist die Schlüsselwortmethode?

Finde zum Begriff, den du dir merken möchtest, ein ähnlich klingendes Wort. Stell dir dann noch ein passendes Bild dazu vor: Englisch “mice” – Deutsch “Mais”. Mäuse knabbern an einem Maiskolben. Wenn du an dieses Bild denkst, fällt dir der Begriff schnell wieder ein.

Was ist die Routenmethode?

Willst du dir Wörter merken, verbinde Begriffe mit bestimmten Orten. Die Orte läufst du in Gedanken in der gleichen Reihenfolge ab. So entsteht eine Route. Gut geeignet sind dafür zum Beispiel Orte in deiner Wohnung. Denk dir jetzt eine Geschichte aus, die den jeweiligen Begriff mit einem Ort verbindet. Möchtest du dich an den Begriff erinnern, denk an deine Geschichte.

Wie nützlich ist Wiederholung beim Lernen von Wörtern?

Wenn du dir Wörter merken möchtest, solltest du die Wörter nicht einfach auswendig lernen oder nur mit Karteikarten wiederholen. Verwende die Wörter auch in Beispielsätzen. So lernst du, wie du die Wörter nutzen kannst. Dadurch werden sie in deinem Gedächtnis besser gespeichert.

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Wortschatz:

  1. Sinneseindruck (der): eine Wahrnehmung, z.B. etwas hören oder sehen
  2. Merkfähigkeit (die): Fähigkeit, sich an etwas erinnern zu können
  3. Route (die): eine festgelegte Strecke
  4. knabbern: an etwas nagen; hier: Mäuse nagen an Futter
  5. murmeln: leise und undeutlich sprechen
  6. Behaltensleistung (die): Fähigkeit, etwas im Gedächtnis speichern und abrufen können
  7. Mindmap (die): grafische Darstellung aus Wörtern, die z.B. mit Linien verbunden werden

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Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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