Deutsche Lautschrift

Lisa

Juni 8

Das deutsche Alphabet und die deutsche Lautschrift – Was ist überhaupt der Unterschied? Und was solltest du lernen? Etwa gleich beides? Keine Panik! Wie viele Buchstaben das deutsche Alphabet hat, weißt du bestimmt. Es besteht aus den 26 Grundbuchstaben des lateinischen Alphabets (A bis Z). Außerdem gibt es noch die drei Umlaute und das “ß”. Wenn man die dazu zählt, sind es insgesamt also 30 Buchstaben. Das hast du sicher in deiner ersten Deutschstunde gelernt, was auch sinnvoll ist. Schließlich brauchen wir genau diese Buchstaben, um deutsche Wörter und Texte schreiben und lesen zu können. Aber hast du schon mal vom phonetischen Alphabet des Deutschen gehört, der deutschen Lautschrift? Kein Grund zur Sorge, du musst jetzt kein weiteres Alphabet beherrschen lernen. Aber wenn du dich nur ein kleines bisschen mit diesem phonetischen Alphabet und seinen Lautzeichen auskennst, kann dir das eventuell enorm mit der deutschen Aussprache helfen!

Das deutsche Alphabet – ein Schriftsystem

Schauen wir uns das Thema Alphabet noch kurz ein bisschen genauer an. So wirst du besser verstehen, was es mit der deutschen Lautschrift auf sich hat, dem sogenannten phonetischen Alphabet. Weißt du denn, was genau wir eigentlich “Alphabet” nennen? Das ist die Gesamtheit aller Buchstaben einer Sprache, für die eine bestimmte Reihenfolge festgelegt wurde (zum Beispiel A bis Z). Das deutsche Alphabet brauchen wir, um die deutsche Sprache zu verschriftlichen, also zu schreiben. Logisch, oder? Es ist eine Erweiterung des lateinischen Alphabets, im Deutschen haben wir noch ein paar zusätzliche Buchstaben: Ä, Ö, Ü und ß. Die griechische Schrift zum Beispiel ist auch ein Alphabet, vielleicht kennst du sie aus dem Mathe-Unterricht. Buchstaben sind in vielen Sprachen die wichtigsten Zeichen2 der Schrift. Andere Zeichen sind zum Beispiel Satzzeichen wie Punkt und Komma.

Der Begriff “Schrift” steht im Gegensatz zum Sprechen einer Sprache, er beschreibt das Festhalten von Sprache in geschriebener Form. Von “mündlichem” und “schriftlichem” Ausdruck hast du bestimmt schon gehört – für eine Deutschprüfung zum Beispiel solltest du beides trainieren. Du musst Deutsch sowohl sprechen als auch schreiben lernen, um die Sprache in verschiedenen Situationen anwenden zu können.

deutsche lautschrift

Dir ist sicher schon mal aufgefallen, dass es neben dem Deutschen noch zig1 andere Sprachen gibt, die ganz ähnliche alphabetische Schriftzeichen verwenden. Englisch und Französisch zum Beispiel sehen von der Art der Buchstaben her ja nicht viel anders aus als Deutsch. Es gibt aber auch viele Schriftsysteme, deren kleinste Einheit keine alphabetischen Zeichen sind. Das Chinesische zum Beispiel ist keine Buchstabenschrift. Dem lateinischen Alphabet begegnest du jedoch auf der ganzen Welt – es ist am weitesten verbreitet. Sogar die Schriften vieler außereuropäischer Sprachen, wie Türkisch oder Vietnamesisch, verwenden eine Variation3 des lateinischen Schriftsystems. Bestimmt ist dir klar, dass du Wörter in diesen Sprachen aber leider nicht automatisch korrekt aussprechen kannst, nur weil dir das Alphabet bekannt vorkommt.

Die deutsche Aussprache & die deutsche Lautschrift

Ich muss dich leider enttäuschen: Dass du das deutsche Alphabet gelernt hast, heißt nicht mal, dass du direkt alle deutschen Wörter richtig aussprechen kannst! Auch wenn dir das dein erster Deutschlehrer vielleicht weismachen4 wollte, um dich zu beruhigen. Viele DaF-Lehrer sagen es Anfängern fälschlicherweise: “Deutsch wird einfach so geschrieben, wie es gesprochen wird, und so gesprochen, wie es geschrieben steht”. Das wäre schön! Dann hätten nämlich alle Deutschlerner direkt nach dem Einüben des deutschen Alphabets eine perfekte Aussprache. Schließlich wüssten sie bei jedem geschriebenen Wort sofort, welche Laute sie in ihrem Mund produzieren müssen. Aber Buchstabe ist nicht gleich Laut! Viele Deutschlerner gewöhnen sich genau deshalb eine falsche Aussprache an, weil sie versuchen, alles genau Buchstabe für Buchstabe auszusprechen. Du weißt sicher: Das ‘s’ in “Spiel” wird anders ausgesprochen als das in “Maus”. Aber ist dir bewusst, dass das ‘s’ in “Maus” auch nicht das gleiche ‘s’ ist wie in “Sonne”?

Warum gibt es das phonetische Alphabet?

Ein Zeichen der geschrieben Sprache, im Deutschen ein Buchstabe, repräsentiert eben nicht immer dem einen gleichen Laut. Unter Lauten verstehen wir die Zeichen der gesprochenen Sprache (im Gegensatz zu den Zeichen der geschriebenen Sprache: die Schrift). Ein Laut ist ein Geräusch, das für Kommunikation verwendet wird. Mit solchen Sprachlauten beschäftigt sich die Wissenschaft der Phonetik. Dieser Zweig der Sprachwissenschaft untersucht zum Beispiel, wie Laute artikuliert (ausgesprochen) und wahrgenommen (gehört) werden. Wie wir schon festgestellt haben, ist die deutsche Rechtschreibung leider nicht streng phonetisch. Das heißt, die Buchstaben eines Wortes repräsentieren die Lautfolge nicht eindeutig. Daher ist es also manchmal nicht so einfach zu wissen, wie man etwas wirklich aussprechen soll.

Dieses Phänomen kennst du vielleicht schon aus dem Englischen. Da ist es noch viel schwieriger im Deutschen, von der Aussprache auf die korrekte Schreibung zu schließen und umgekehrt. Tatsächlich existiert diesen Problem in quasi5 allen Sprachen: Es ist keine exakte Entsprechung zwischen den Zeichen der Schrift und den Zeichen der gesprochenen Sprache gegeben. Die wenigsten Schriftsysteme sind annähernd phonetisch, wo genau ein geschriebenes Zeichen genau einem gesprochenen Zeichen entspricht. Aus diesem Grund haben Sprachwissenschaftler nicht nur für das Deutsche, sondern für alle Sprachen weltweit eine einheitliche phonetische Lautschrift entwickelt: das Internationale Phonetische Alphabet.

So hilft dir das Internationale Phonetische Alphabet (IPA)

Dieses Internationale Phonetische Alphabet, kurz IPA, bildet die tatsächliche Aussprache von Wörtern möglichst genau ab, und zwar über verschiedene Schriftsysteme hinweg. Mit dem IPA kann man also nicht nur gesprochenes Deutsch durch phonetische Zeichen verschriftlichen, sondern auch Sprachen mit ganz anderem Schriftsystem, wie Arabisch oder Chinesisch. Das geht deshalb, weil für jeden bisher gefundenen Laut der menschlichen Sprachen je ein IPA-Zeichen festgelegt ist. Es gibt eigentlich viele Laute im Deutschen, Arabischen und Chinesischen, die komplett identisch6 sind. Diese Laute werden mit dem IPA dann auch gleich verschriftlicht, obwohl die drei Sprachen normalerweise mit drei ganz unterschiedlichen Schriftsystem geschrieben werden. Das liegt daran, dass das IPA eine phonetische Lautschrift ist, die mit jedem Zeichen genau einen Laut abbildet.

deutsche lautschrift alphabet

Vielleicht bist du dem “International Phonetic Alphabet” schon mal im Englischunterricht begegnet, denn wie gesagt: Die englische Rechtschreibung ist noch deutlich weniger phonetisch als die deutsche. Aber nicht nur Englischlernern können die Aussprachezeichen des IPA helfen, auch dir als Deutschlerner! Du findest die Lautschrift oft in Wörterbüchern in eckigen Klammern […] oder auch wie oben im Bild für die englische Aussprache von “ABC” in Schrägstrichen: /ˌeɪ.biːˈsiː/. Das ist eine große Aussprachehilfe für dich! Weißt du schon, warum? Obwohl du das Wort nicht aus dem Mund eines Muttersprachlers hörst, kannst du mit dem phonetischen Alphabet direkt ablesen, wie es richtig ausgesprochen wird.

Die Lautschrift – eine phonetische Transkription

Mit dem IPA kannst du also phonetisch schreiben, das bedeutet, die tatsächliche Aussprache von Wörtern verschriftlichen. Das wird “transkribieren” genannt. Ein Wort oder ein Text, der in Lautschrift geschrieben ist, heißt daher auch “Transkription”. Es gibt im Internet Lautschrift-Generatoren, mit denen du einzelne Wörter oder sogar ganze Texte in die phonetischen Zeichen des IPA umwandeln kannst. Das sind sozusagen Lautschrift-Übersetzer. Es wird dir sicher gar nicht so schwerfallen, das phonetische Alphabet zu lesen. Die in den IPA-Tabellen aufgelisteten Zeichen basieren nämlich unter anderem auf den Buchstaben des lateinischen und griechischen Alphabets. Viele der Aussprachezeichen sehen deshalb auch den deutschen Buchstaben recht7 ähnlich.

Kannst du zum Beispiel das folgende in Lautschrift geschriebene Wort erkennen? [ˈʃpiːl]- ja genau, das ist unser Wort “Spiel” von oben. Das ‘s’ in “Spiel” wird [ʃ] ausgesprochen. Denselben Laut haben wir auch in diesem Wort: [foˈneːtɪʃ] – das ist die Transkription für “phonetisch”! Die drei Buchstaben ‘sch’ in der deutschen Rechtschreibung stellen nur einen Laut dar, nämlich [ʃ]. Im Wort “Spiel” hatten wir denselben Laut, dort wird er aber in der Kombination ‘sp’ verschriftlicht, nicht mit ‘sch’. Vor allem bei den deutschen Vokalen ist oft das Gegenteil der Fall: Wir haben nur eine einzige Schreibweise, also einen Buchstaben im deutschen Alphabet wie beispielsweise ‘e’. Aber er repräsentiert viele ganz unterschiedliche Laute, muss also je nach Wort unterschiedlich ausgesprochen werden. Genau deswegen bereiten die Vokale den Deutschlernern oft besonders große Schwierigkeiten. Um zu wissen, welche Aussprache nun die richtige ist, hilft dir ein Blick auf die IPA-Tabelle für Deutsch. Dort sind die Zeichen des IPA aufgelistet, die man zum Schreiben aller Laute der deutschen Sprache braucht. Daher wird eine Transkription mit diesen Zeichen auch “deutsche Lautschrift” genannt.

Tabelle des deutschen phonetischen Alphabets

Wir haben uns gerade schon die beiden transkribierten Wörter [ˈʃpiːl] und [foˈneːtɪʃ] angeschaut. Bevor du jetzt das [ʃ] und die anderen Zeichen unten in der Tabelle suchst, musst du noch ein bisschen etwas über die Pünktchen, Striche und Bogen des IPA erfahren. Das phonetische Alphabet besteht nämlich nicht nur aus Zeichen für die Aussprache von Vokalen und Konsonanten in Wörtern, sondern zum Beispiel auch aus Zeichen für die Betonung. Der Strich, der bei [ˈʃpiːl] und [foˈneːtɪʃ] wie ein Apostroph aussieht, steht für die Hauptbetonung eines Wortes, der Wortakzent. Bei “Spiel” ist das einfach, denn dieses Wort hat nur eine Silbe. Bei “phonetisch” ist die Betonung allerdings auf der zweiten Silbe, daher steht das “Apostroph” vor der zweiten Silbe.

In zusammengesetzten Wörtern gibt es abgesehen von der Hauptbetonung auch noch eine Nebenbetonung. Sie wird durch ein untenstehendes Apostroph angezeigt, das aussieht wie ein Komma: [ˈʃpiːlˌpla​t͡s] – das ist der Spielplatz! Der Bogen über [ts] beschreibt eine Doppelartikulation, das heißt, zwei Laute werden möglichst gleichzeitig, also ganz schnell hintereinander ausgesprochen. Im Wort “Pflanze” hast du gleich zwei Bögen –[ˈp͡flan​t͡sə]. Du hast dich vielleicht schon die ganze Zeit gefragt, was denn die “Doppelpunkte” bedeuten (es sind eigentlich zwei kleine Dreiecke). Die verraten dir eine lange Aussprache. Das ‘ie’ in “Spielplatz” wird also lang gesprochen, [iː], genauso wie das ‘e’ in “phonetisch”, [eː]. Aber such doch mal in der deutschen Lautschrift-Tabelle, wie viele Laute es für den Buchstaben ‘e’ im Deutschen gibt. Im nächsten Abschnitt findest du dann die Lösung.

deutsche lautschrift tabelle

Muss ich die deutsche Lautschrift lernen?

Wenn du richtig mitgezählt hast, stellst du fest, dass das ganz schön viele Laute für den Buchstaben ‘e’ sind. Nämlich drei an der Zahl: [ə], [ɛ] und [e] – die letzten beiden gibt es auch noch in den langen Versionen [ɛː] und [eː]. Fühlst du dich jetzt ein bisschen erschlagen8? Das ist verständlich. Schließlich ist es nicht leicht, sofort die Unterschiede zwischen den einzelnen Zeichen erkennen, geschweige denn lesen zu können. Du brauchst die Lautschrift aber auf keinen Fall auswendig zu lernen. Die Tabelle sollte dir eher einen Überblick über die ganzen Laute im Deutschen geben. Nicht nur bei ‘e’ ist es so, dass für einen deutschen Buchstaben je nach Wort verschiedene Laute möglich sind. Vielleicht war dir das vor dem Lesen dieses Artikels gar nicht so bewusst?

Und vielleicht tust du dich gerade deshalb so schwer mit der deutschen Aussprache. Hier bei DeinSprachcoach findest du Hilfe nicht nur in Form von Artikeln zum Thema. Denn obwohl dir zum Beispiel das Erlernen der Lautschrift helfen kann, musst du für eine gute Aussprache vor allem eines: Üben, üben, üben! Und das kannst du besonders gut in Marias Crashkurs. Denn zum Crashkurs gibt es auch viele Hörübungen, mit denen du deine Ohren trainieren kannst. Am wichtigsten ist nämlich nicht das Lesen der Lautschrift, sondern das Erkennen der verschiedenen Laute beim Hören. Nur wenn du die Laute beim Hören unterscheiden kannst, wird es auch leichter, eigene Fehler herauszuhören und zu verbessern. Um Ausspracheprofi zu werden, musst du im ersten Schritt also deine Ohren aktivieren. Lehn dich doch erstmal zurück und hör ganz genau hin: Wie klingen die deutschen Laute aus dem Mund von Muttersprachlern? Genaue Tipps für eine deutlichere deutsche Aussprache findest du auch im Artikel Aussprache verbessern.

frau lernt deutsche lautschrift

Fragen & Antworten:

Was ist die deutsche Lautschrift?

Die deutsche Lautschrift ist ein phonetisches Alphabet. Mit diesem kann man alle Laute der deutschen Sprache, also die genaue Aussprache, schreiben und ablesen.

Muss man als Deutschlerner auch die deutsche Lautschrift können?

Du musst die deutsche Lautschrift nicht unbedingt können. Wenn du aber weißt, wie man sie liest, kann dir das mit der deutschen Aussprache helfen.

Wortschatz:

  1. zig: eine nicht genau genannte, aber hohe Zahl
  2. Zeichen (das): hier: ein Symbol (oder andere grafische Einheit), für das eine Bedeutung festgelegt wurde und dadurch Informationen vermittelt
  3. Variation (die): eine Abänderung, Abwandlung von etwas
  4. weismachen: (jemanden) etwas Unwahres glauben machen, (jemanden) etwas einreden
  5. quasi: sozusagen, mehr oder weniger, gewissermaßen
  6. identisch: völlig gleich
  7. recht: hier: ziemlich
  8. erschlagen: hier: (sich) überfordert, erdrückt fühlen

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Artikel von:

Lisa

In Süddeutschland aufgewachsen, bin ich mit 22 nach Taiwan gezogen, um Deutschlehrerin und Übersetzerin zu werden. Ich brenne für Sprachen und Outdoor-Abenteuer.

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