Der Gedankenstrich

Dein Sprachcoach-Blog

Januar 6

Der Gedankenstrich ist wie das Komma oder der Doppelpunkt ein Satzzeichen. Auch wenn er dem Bindestrich sehr ähnlich sieht, hat er aber seine ganz eigenen Funktionen. Welche das sind, erfährst du hier.

Der Gedankenstrich – die Optik?

Der Gedankenstrich ist ein waagerechter oder senkrechter Strich und doppelt so lang wie der Bindestrich. Vielleicht kennst du ihn bereits als Halbgeviertstrich, Bis-Strich oder Langstrich. Du erkennst ihn daran, dass er für sich allein steht, also nicht einem Wort angehängt ist, wie das folgende Beispiel zeigt:

Armin ging ein Risiko ein – aber alles ging gut.

Wie du siehst, befinden sich vor und nach dem Gedankenstrich Leerzeichen. Dadurch entsteht eine Pause, die man sogar in der gesprochenen Sprache hören kann.

Der Gedankenstrich – die zwei Arten

Es gibt zwei Arten des Gedankenstrichs, und zwar den einfachen und den paarigen Gedankenstrich. Schau dir die folgenden Beispiele an. Siehst du den Unterschied?

Beispiel: Gedankenstriche

1. Meine Schwester hat gestern den Abwasch für mich gemacht – daran könnte ich mich gewöhnen.

2. Anna und Thomas – wer auch sonst – haben sich freiwillig gemeldet.

Richtig. Im ersten Satz befindet sich ein einzelner Gedankenstrich, im zweiten Satz aber tauchen gleich zwei auf. Wann ein oder zwei Gedankenstriche zum Einsatz kommen, hat mit ihrer Funktion zu tun, die durchaus unterschiedlich ist.

Der einfache Gedankenstrich

Der einfache Gedankenstrich erscheint innerhalb eines Satzes einmalig. Er markiert einen Nachtrag, um die darauffolgende Aussage besonders zu betonen oder etwas Unerwartetes anzukündigen.

Dachtest du wirklich, ich ließe dich während der Prüfung abschreiben – Irrtum!

Der paarige Gedankenstrich

Der paarige Gedankenstrich tritt, wie der Name schon sagt, als Paar auf. Im Gegensatz zum einfachen Gedankenstrich markiert er einen Einschub1. Er wird verwendet, um zusätzliche Informationen oder Äußerungen einzufügen oder eine Aussage zu kommentieren.

Gemeinsam ist beiden Varianten aber, dass sie etwas besonders hervorheben.

Dank des Wetters – kalt, aber sonnig – erfreute sich die Veranstaltung vieler Besucher.

Der Gedankenstrich ließe sich auch durch Kommas oder (beim einfachen Gedankenstrich) einen Doppelpunkt ersetzen, dann wäre die Lesart2aber eine andere. Die Aussage wäre in dem Fall weniger stark betont. Wie du siehst, kann der Gedankenstrich also auch als Stilmittel eingesetzt werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzeugen.

Grafik zum Thema Gedankenstriche: In der Mitte eine lächelnde Frau im roten Blazer, die beide Hände ausstreckt. Links steht ‚Der einfache Gedankenstrich – Nachtrag‘, rechts ‚Der paarige Gedankenstrich – Einschub‘. Oben der Titel ‚Gedankenstriche‘, unten das Logo ‚Dein Sprachcoach‘

Der Gedankenstrich in der Literatur

Vielleicht ist es dir beim Lesen bereits aufgefallen: In der Literatur tauchen weitere Funktionen des Gedankenstrichs auf. Gerade Autoren und Autorinnen machen sich die Effekte des Gedankenstrichs für ihre Zwecke zunutze3.

Autoren greifen gern auf den Gedankenstrich zurück, um einen Abbruch einer wörtlichen Rede zu kennzeichnen.

„Ich kann nicht glauben, dass du –“ Plötzlich verstummte sie.

Das geschieht, wenn die Figur abgelenkt wurde oder um Spannung aufrechtzuerhalten.

Auch einen Sprecherwechsel zwischen zwei Figuren kann der Gedankenstrich anzeigen:

„Du hast doch gesagt –“ „Hör auf zu reden!“ unterbrach sie ihn scharf.

Erkennst du den Effekt? Die erste Figur wird von der zweiten unterbrochen. Der Gedankenstrich markiert hier, dass die erste ihren Satz nicht beenden konnte und nun jemand anderes spricht.

Der Gedankenstrich und die Rechtschreibung

Du weißt ja bereits, dass vor und nach dem Gedankenstrich jeweils ein Leerzeichen steht. Es gibt aber noch weitere Regeln zu beachten, wenn man einen Langstrich setzen möchte.

Der Gedankenstrich mit weiteren Satzzeichen

Möchtest du einen ganzen Satz in einen Satz einschieben, ist das mithilfe der paarigen Gedankenstriche durchaus möglich. Schau dir dazu ein Beispiel an:

Boris wusste – wie sollte es auch anders sein? –, dass seine Mutter nicht einverstanden sein würde.

Fällt dir etwas auf? Der eingeschobene Satz behält sein Satzzeichen. Aber Achtung: Das gilt für Frage- und Ausrufezeichen, nicht aber für den Punkt. In dem Fall würde der Einschub ohne Satzzeichen stehen.

Fällt dir noch mehr auf? Richtig. Da es sich um einen Einschub handelt, bleiben auch alle Kommas bestehen. Wichtig zu wissen, ist, dass zwischen Gedankenstrich und Komma kein Leerzeichen kommt – ein Komma schließt ja schließlich immer direkt an ein Wort an. So auch hier.

Aber: Bei Nachträgen steht kein zusätzliches Komma. Dabei wird ja keine zusätzliche Information eingeschoben, sondern drangehängt. Da ersetzt der Gedankenstrich das Komma oder den Doppelpunkt.

Der Gedankenstrich als Ersatz für ein Wort

Der Gedankenstrich ersetzt nicht nur andere Satzzeichen oder markiert besondere Hervorhebungen, du kannst damit sogar Wörter ersetzen, und zwar Von-bis- und Von-nach-Angaben. Schauen wir uns das an Beispielen an:

Beispiel: Verben mit Präfixx

1. Die Sommerferien sind dieses Jahr Juli–August.

Die Sommerferien sind dieses Jahr von Juli bis August.


2. Die Bahnstrecke Kiel–Hamburg ist vorübergehend gesperrt.

Die Bahnstrecke von Kiel nach Hamburg ist vorübergehend gesperrt.

Setze den Gedankenstrich hier aber mit Bedacht4 ein. Je nach Kontext ist es lesefreundlicher, die Wörter auszuschreiben. Geht es um die reine Information, passt der Gedankenstrich oft besser.

Der Gedankenstrich und der Bindestrich

Optisch sind sich die beiden Satzzeichen sehr ähnlich, der Gedankenstrich und der Bindestrich. Dabei haben sie ganz andere Funktionen. Damit du in Zukunft genau weißt, welchen Strich du vor dir hast und welchen du benötigst, schauen wir uns den Bindestrich kurz zum Vergleich an.

Der Bindestrich wird verwendet, um Wörter zusammenzusetzen, zum Beispiel E-Mail, die 30-Jahr-Feier oder die deutsch-französische Freundschaft. Wie du siehst, kann der Bindestrich im Gegensatz zum Gedankenstrich nicht allein stehen. Er ist stets an ein Wort angebunden.

Um Wiederholungen zu vermeiden, kürzen wir häufig Wörter ab, zum Beispiel, wenn vom Gedanken- und Bindestrich die Rede ist. Durch den Bindestrich wird klar, dass hier ein Teil fehlt und das vorausgehende Wort zum darauffolgenden gehört.

Auch zur Silbentrennung wird der Bindestrich verwendet. Passt ein Wort nicht vollständig in eine Zeile, wird die Trennung durch einen Bindestrich markiert und der verbleibende Teil rutscht in die nächste Zeile. Achte aber darauf, dass die Silbentrennung eigenen Regeln folgt und Wörter nicht beliebig getrennt werden dürfen.

Der Gedankenstrich auf der Tastatur

Hast du bereits auf deiner Tastatur nachgesehen, wo du den Gedankenstrich findest? Wundere dich nicht, wenn du ihn noch nicht gefunden hast, es gibt nämlich keine eigene Taste für den Halbgeviertstrich. Je nachdem, welches Betriebssystem du verwendest, gibt es unterschiedliche Tastenkombinationen.

ProgrammTastenkombination Gedankenstrich
WindowsAlt gedrückt halten + 0150 auf dem Ziffernblock eingeben
macOSAlt + Bindestrich
WordStrg + Minuszeichen über den Ziffernblock

Der Gedankenstrich – Übungen

Handelt es sich in den folgenden Sätzen um Binde- oder Gedankenstriche?

  1. Die Bayern-München-Fans jubelten laut nach dem Sieg.
  2. Ich habe Brot gekauft – und das direkt beim Bäcker um die Ecke.
  3. Julia spielt Klavier und Geige – sie ist wirklich sehr musikalisch.
  4. Im Schrank lag mein blau-weiß gestreiftes Sommerkleid.
  5. Wir nehmen den 8-Uhr-Zug nach Hamburg, sonst verpassen wir den ersten Termin.

Setze die fehlenden Gedankenstriche an die richtige Stelle.

  1. Lisa war fest entschlossen sie wollte das Ziel auf jeden Fall erreichen.
  2. Wir fahren nächste Woche nach Italien wenn das Auto vorher durch den TÜV kommt.
  3. Er wollte etwas sagen doch dann schwieg er plötzlich.
  4. Auf dem Tisch lagen mehrere Dinge ein alter Brief, eine zerknitterte Karte und ein Bild.
  5. Das Wetter das war wirklich eine Überraschung machte unsere Pläne zunichte.

Lösungen:

  1. Bindestriche
  2. Gedankenstrich
  3. Gedankenstrich
  4. Bindestrich
  5. Bindestriche
  1. Lisa war fest entschlossen – sie wollte das Ziel auf jeden Fall erreichen.
  2. Wir fahren nächste Woche nach Italien – wenn das Auto vorher durch den TÜV kommt.
  3. Er wollte etwas sagen – doch dann schwieg er plötzlich.
  4. Auf dem Tisch lagen mehrere Dinge – ein alter Brief, eine zerknitterte Karte und ein Bild.
  5. Das Wetter – das war wirklich eine Überraschung – machte unsere Pläne zunichte.

 

Fragen & Antworten:

Was bedeutet Gedankenstrich?

Der Gedankenstrich wird auch Halbgeviertstrich, Bis-Strich oder Langstrich genannt. Der Begriff „Gedankenstrich“ kommt daher, dass er einen Gedanken von einem anderen abtrennt oder in einen einfügt.

Wann wird ein Gedankenstrich verwendet?

Ein Gedankenstrich wird verwendet, um einem Satz einen Nachtrag anzufügen oder für Einschübe.

Welche Wirkung haben Gedankenstriche?

Durch die optische Abgrenzung erhalten die Nachträge oder Einschübe mehr Gewicht und werden besonders hervorgehoben. Dadurch fungiert der Gedankenstrich auch als Stilmittel.

Sind Gedankenstriche wie Bindestriche?

Nein, Gedankenstriche haben eine andere Funktion als Bindestriche. Während Bindestriche Wörter miteinander verbinden, stellt der Gedankenstrich ein Satzzeichen dar und könnte beispielsweise durch ein Komma oder einen Doppelpunkt ersetzt werden.

Sind Gedankenstriche kurz oder lang?

Gedankenstriche sind doppelt so lang wie Bindestriche. Darüber hinaus können sie allein stehen und werden durch Leerzeichen vom vorherigen und darauffolgenden Wort getrennt. Bindestriche sind stets an ein Wort angeschlossen.

Wie setzt man einen Gedankenstrich?

Das kommt ganz auf das Betriebssystem an, das du verwendest. Der Gedankenstrich hat keine eigene Taste und wird bei Windows mit Alt + 0150 auf dem Ziffernblock hervorgerufen, beim macOS mit Alt + Bindestrich und in Word mit Strg + Minuszeichen.

Wortschatz:

  1. Einschub, der: eingefügte zusätzliche Worte, Information ↩︎
  2. Lesart, die: mögliche Bedeutung/Interpretation eines Satzes ↩︎
  3. zunutze machen: etwas bewusst einsetzen, um davon zu profitieren ↩︎
  4. mit Bedacht: überlegt, besonnen ↩︎

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Artikel von:

Daniela Tannebaum

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