Das Passiv im Deutschen

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Oktober 5

So ein bisschen Passiv ist ganz in Ordnung: Du kannst dich entspannt zurücklehnen und relaxen, zum Beispiel wenn du pünktlich bezahlt wurdest, dir ein Kaffee serviert wird oder dir gerade dein Essen gekocht wird. Ist dir was aufgefallen? In allen drei Situationen wurde das Passiv benutzt (sogar in diesem Satz hier)! Warum brauchst du das Passiv? Die Tatsache, dass dein Chef dich nicht persönlich bezahlt oder der Kellner, der dir einen Kaffee serviert, ein Jura-Diplom hat, ist hier uninteressant. Nicht die Person ist wichtig, sondern die Aktion oder besser gesagt die Handlung, aber auch das Resultat, also der Zustand! Was ist das Passiv genau? Wie wird es gebildet und welche Formen kann es haben? Mehr dazu in diesem Artikel!

Wie kann ich Aktiv und Passiv unterscheiden?

Wir benutzen beim Reden oft einen Aktivsatz. Passivsätze sind allerdings keine Seltenheit1. Wie schon in der Einleitung erwähnt, brauchen wir die Passiv-Form, um einen Prozess zu beschreiben. Meistens passiert etwas mit einem Objekt (Handlung). Zum Beispiel: Pakete werden verschickt. Ein Kunde wird angerufen. Oder: Die Blumen werden gegossen. Die Objekte üben keine wirkliche Kontrolle über die Situation aus, deshalb stehen sie im Passiv. Aktiv und Passiv unterscheiden – geht ganz einfach! Beispiele für einen Aktivsatz und einen Passivsatz sollen dir helfen, das Passiv besser zu verstehen.

Aktivsatz: Ein Deutscher trinkt im Jahr circa 92 Liter Bier.
Passivsatz: In Deutschland werden im Jahr 92 Liter Bier getrunken.

Aktivsatz: Die Deutschen schmeißen rund 12 Millionen Lebensmittel pro Jahr weg.
Passivsatz: In Deutschland werden rund 12 Millionen Lebensmittel pro Jahr weggeschmissen.

Bei der Unterscheidung zwischen Aktiv/Passiv ist also der Kontext entscheidend. Was steht im Fokus? In unserem Aktivsatz ist es „der Deutsche“, der so viel Bier trinkt. Beim Passivsatz steht die Handlung im Fokus: Lebensmittel werden weggeschmissen, und dann auch noch so viele, was für ein Schock! Das Gleiche (die gleiche Handlung) könnte sich auch in Italien abspielen2. Es wäre immer noch furchtbar! Entscheidend ist also nicht wer, sondern was passiert (Handlung).

passivsatz beispiel
Was ist der Unterschied zwischen AKTIV und PASSIV im Deutschen?

Wie wird das Passiv gebildet?

Das Passiv wird mit werden und sein gebildet! Denke daran, dass du dein erstes Verb im Satz natürlich entsprechend deklinieren musst! Also musst du überlegen: Habe ich hier einen Singular oder einen Plural etc.? Dann brauchst du noch das Partizip 2 des Verbs deiner Handlung. Je nachdem, ob du einen Vorgang oder einen Zustand hast (Definition zu: Vorgangspassiv & Zustandspassiv siehe unten), sieht das Ganze dann so aus:

a.) Der Kaffee wird getrunken. (wird + Partizip 2 von „trinken“ = Vorgangspassiv)
b.) Der Kaffee ist bezahlt. (ist + Partizip 2 von „zahlen“ = Zustandspassiv)

Schön wäre es natürlich, wenn das alles so bleibt, aber da gibt’s ja noch die ganzen Zeitformen und die Modalverben etc. Keine Panik! Wir wollen dir im Folgenden das Passiv in den gebräuchlichsten Zeitformen zeigen.

Passivformen (Vorgangspassiv)

Wie schon erwähnt, musst du bei einem Passivsatz wissen, ob es um einen Vorgang oder einen Zustand geht. Das soll dich aber nicht verrückt machen, denn: Das Vorgangspassiv ist die Form, in der du am ehesten3 Passiv-Sätze bilden wirst! Nehmen wir mal an, dein Auto ist kaputt. Diese Beispiele im Vorgangspassiv passen alle zu dieser Situation, es sind die Formen des Passivs in der deutschen Sprache, die du am meisten brauchen wirst:

  1. Passiv Präsens: Das Auto wird repariert.
  2. Passiv Präteritum: Das Auto wurde gestern repariert.
  3. Passiv Perfekt: Das Auto ist gestern repariert worden.
  4. Passiv (mit Modalverben): Das Auto muss repariert werden. (Es ist kaputt)
  5. Passiv Futur 1: Das Auto wird repariert werden.

    Im Gegensatz zu Aktivsätzen, in denen wir vor allem beim Sprechen das Perfekt benutzen, scheint beim Passiv das Präteritum auf den ersten Blick einfacher! Für einen Deutschlerner, der es gewohnt ist, im Perfekt zu sprechen, kann das zunächst irritierend wirken. Es wird jedoch tatsächlich viel häufiger benutzt und klingt beim Sprechen etwas natürlicher. Wenn du trotzdem lieber das Perfekt benutzten möchtest, viel Spaß, hahaha! Wichtig ist, dass du dir vorher überlegst, worauf der Fokus in deinem Satz ausgerichtet werden soll. Deshalb schaue dir auf jeden Fall noch das Zustandspassiv weiter unten im Artikel an! Das Perfekt Passiv zu benutzen, hat aber auch Vorteile. Du musst nie überlegen, ob du sein oder haben brauchst, wie beim normalen Perfekt, im Perfekt Passiv sind es immer das Verb sein und das Wort „worden“! Gar nicht so kompliziert, oder?

Merke dir für die Passivbildung beim Vorgangspassiv folgende Formeln:

Präsens: wird + Partizip 2
Präteritum: wurde + Partizip 2
Perfekt: ist + Partizip 2 + „worden“
Modalverben: muss, kann, soll etc. + Partizip 2 + werden (das Modalverb wird konjugiert)
Futur 1: wird/werden + Partizip 2 + werden

Versuche mal diese Übung: Aktiv in Passiv umwandeln! Hier ein paar Beispielsätze im Aktiv: a.) Ich schicke das Paket. b.) Ich habe gestern das Paket verschickt. Findest du die Passiv-Formen in den verschiedenen Zeiten? Welche Form findest du schwierig?

Vorgangspassiv und Zustandspassiv

Wann brauche ich welche Passiv-Form? Kurz gesagt: Das Vorgangspassiv brauchst du dann, wenn der Prozess im Fokus steht. Das Zustandspassiv brauchst du, wenn dir das Ergebnis wichtig ist. Die Aktion ist also schon beendet.

a.) Vorgangspassiv: Das Auto wird repariert. (Prozess = Reparation in diesem Moment)
b.) Zustandspassiv: Das Auto ist repariert. (Ergebnis = Das Auto ist fertig repariert, funktioniert)

Wichtig ist, wie gesagt, vor allem das Vorgangspassiv, da es viel häufiger benutzt wird! Auch wenn du das Zustandspassiv seltener brauchen wirst, wollen wir dir noch sagen, wie du es bildest. Auch wenn du schon komplette Tabellen mit allen Zeitformen für den Zustandspassiv gesehen hast, es gibt nur drei Zeitformen, die du wirklich gebrauchen wirst, das ist: Präsens, Präteritum und Futur 1. Das Zustandspassiv in weiteren Zeitformen zu bilden, ist möglich, macht jedoch oft keinen Sinn und fügt einem Satz keine neue Idee hinzu. Für unser Beispiel mit dem Auto kannst du das Zustandspassiv so benutzen:

Präsens: Das Auto ist repariert.
Präteritum: Das Auto war repariert.
Futur 1: Das Auto wird repariert sein.

Wie du siehst, kann man das Passiv meistern. Man braucht es immer dann, wenn Objekte manipuliert werden. Die Person (kann auch ein Tier sein, alles, was lebendig ist) ist beim Passiv nicht im Fokus. Willst du sie trotzdem erwähnen, kannst du sie als Extra-Information mit „von“ einleiten. Zum Beispiel: „Das Auto ist von dem Mechaniker repariert worden.“ Willst du noch eine Ursache oder ein Mittel hinzufügen? Dann kannst du das mit „durch“ machen. Also: „Das Auto wurde durch einen Unfall zerstört.“ Hast du noch Fragen? Schreibe uns in den Kommentaren!

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Das Passiv im Deutschen – dein Wortschatz

  1. keine Seltenheit sein: ist die Verneinung von selten und bedeutet also „oft“, so wie bei „nicht schlecht“ = „gut“!
  2. sich abspielen: Synonym für „etwas was passiert“
  3. am ehesten: hier ist gemeint „am häufigsten“

Das Passiv im Deutschen – häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Passiv?

Passiv brauchen wir, wenn mit Objekten etwas passiert oder passiert ist, aber die Person nicht unbedingt genannt wird, die handelt. Hier kann ein Prozess/Handlung oder Zustand gemeint sein, zum Beispiel: Die Haare werden frisiert. (im Aktiv: Der Friseur frisiert die Haare).

Aktiv und Passiv unterscheiden, aber wie?

Bei Aktivsätzen steht die Person, die handelt im Fokus, z.B. Er verschickt das Paket. Für den Prozess (Vorgang) oder das Ergebnis (Zustand), der im Fokus steht, brauchen wir die Passiv Form: Das Paket wird verschickt. Oder: Das Paket ist verschickt/ ist verschickt worden.

Vorgangspassiv und Zustandspassiv, was ist der Unterschied?

Wir benutzen im Deutschen vor allem das Vorgangspassiv. Zum Beispiel „Das Auto wird repariert.“ (Vorgangspassiv) Das Zustandspassiv zum gleichen Beispiel lautet: „Das Auto ist repariert.“


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Artikel von:

Isabella

Aktuell in Südfrankreich lebend zwischen Lavendelfeldern und Olivenbäumen gebe ich Deutschlernern und Bloglesern weltweit meine Leidenschaft für den Reichtum der deutschen Sprache weiter. Auch als digitale Nomadin denke und fühle ich in meiner Muttersprache.

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