Modalverben – Sätze mit richtiger Bedeutung formulieren!

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Juli 25

Endlich ist es so weit – in diesem Artikel geht es um Modalverben. Diese Verben gehören zu den Wörtern, die die deutschsprachigen Kinder zu Beginn ihres Spracherwerbs1 lernen und die Deutschlerner bereits auf dem Anfangsniveau kennenlernen. Warum die Modalverben so wichtig sind, erfährst du in diesem Artikel. Also, lehne dich zurück2 und sei bereit, dein Wissen zu erweitern!

Was sind Modalverben?

Um zu verstehen, was Modalverben sind, ist es viel einfacher, sich ihre Funktion anzuschauen. Modalverben sind dazu da, um den Hintergrund einer Aussage zu vermitteln. Hört sich nicht so eindeutig an? Verstehe. Wie wär’s mit dieser Erklärung: Modalverben verleihen einer Aussage oder einem Satz eine besondere Bedeutung. Genauer gesagt nicht eine, sondern mehrere Bedeutungen. Und diese Bedeutungen unterscheiden sich je nach Modalverben, die man verwendet. Gemeint sind nicht irgendwelche Bedeutungen, sondern ganz bestimmte: unter anderem ein Verbot, eine Erlaubnis oder ein Wunsch.

Im Deutschen gibt es 7 Modalverben und ich wette3, du hast von ihnen schon gehört: dürfen, können, mögen, wollen, brauchen, sollen, müssen. Warum sind eigentlich diese Verben modal? Die Antwort ist ganz offensichtlich: Weil man mit diesen Verben eine Modalität, also eine bestimmte Bedeutung, ausdrückt. Übrigens, die Modalverben werden meisten mit einem weiteren Vollverb im Infinitiv, also in seiner Grundform, gebraucht, zum Beispiel: Ich muss gehen; Ich kann die schreiben. In diesem Fall treten die Modalverben als modale Hilfsverben auf. Was sind Hilfsverben? Diese Verben benötigen wir, um eine Zeitform zu bilden (Ich habe gestern gelernt) oder um eine zusammengesetzte Form eines Verbs zu bilden (Ich kann das nicht machen).

Möchtest du nun erfahren, welches Modalverb welche Bedeutung hat und dir ein paar Modalverben-Beispiele anschauen? Dann bleib dabei, denn genau darum geht es im nächsten Abschnitt!

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Gibt es etwas, was du dir ganz doll wünschst oder was du unbedingt haben willst?

Modalverben und ihre Bedeutungen

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Abschnitt dieses Artikels, denn hier wird die wichtigste Frage beantwortet: Was bedeutet jedes einzelne Modalverb? Lass uns nicht um den heißen Brei reden4 und direkt loslegen!

müssen

Müssen: Mit diesem Verb wird eine Aufforderung oder eine Notwendigkeit kommuniziert. Dieses Modalverb wird vor allem dann verwendet, wenn Vorschriften5 oder Regeln zu befolgen sind oder etwas ganz dringend und nötig zu erledigen ist. Wenn man dieses Modalverb nutzt, dann ist die Ablehnung oder das Ausweichen einer Aufgabe nicht gewünscht. Meistens werden Aufforderungen mit muss im beruflichen, behördlichen oder schulischen Kontext verwendet. Wird mit diesem Wort eine Notwendigkeit ausgedrückt, so sollte man in diesem Fall davon absehen, eine Aussage mit muss zu ignorieren oder abzulehnen. In diesem Fall muss man mit negativen Folgen rechnen, die manchmal das Leben schwerer machen können. Ein paar Beispiele dazu:

  • Um in Deutschland bleiben zu können, musst du einen Aufenthaltstitel haben. – Diesen Satz mit muss kennt einfach jeder Deutschlerner, der mal vorhatte, in Deutschland zu bleiben. Und du weißt ja – diese Regel ist unumgänglich6, wenn man in Deutschland länger leben möchte.
  • Du musst die Hausaufgabe bis morgen machen. – Diesen Satz kennt einfach jeder! Damit ist gemeint, dass die Hausaufgabe auf jeden Fall bis morgen gemacht werden MUSS, sonst folgt wahrscheinlich eine Konsequenz… Und hier sind noch mehr Beispiele mit müssen:
  • Der Vertrag muss bis morgen unterschrieben werden.
  • Sie muss das Geld bis 16 Uhr überwiesen haben.

sollen & wollen

Dieses Modalverb hat eine ähnliche Bedeutung wie müssen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass sollen eine sozusagen „sanftere“ Bedeutung als müssen hat. Mit sollen ist zwar auch eine Aufforderung gemeint, jedoch darf die aufgeforderte Person selbst entscheiden, ob sie die Aufforderung wahrnehmen möchte oder nicht. Ein paar Beispiele dazu:

  • Du sollst die Schränke sauber machen. – In diesem Fall kannst du auch ruhig „nein“ sagen, da du dazu nicht verpflichtet bist, die Schränke zu putzen. Diese Aufforderung, fast eine Bitte, hört sich im Vergleich zu müssen nicht so bestimmend an: Du musst die Schränke sauber machen.
  • Mila, du sollst dieses Jobangebot annehmen! – In diesem Kontext wird das Modalverb sollst fast im Sinne von einer Empfehlung verwendet. Die Entscheidung liegt bei dir, dieser Empfehlung zu folgen oder nicht.

wollen

wollen: Mit diesem Modalverb können wir unsere Wünsche zum Ausdruck bringen. Aber Achtung: Wir verwenden dieses Verb, wenn unsere Wünsche sehr stark sind und wir uns in unserem Vorhaben absolut sicher sind. Wird dieses Verb im Präsens verwendet, so kann dieses Verb eine negative Wirkung auf die Hörer haben sodass der Satz unhöflich rüberkommt. Wenn man einen Satz mit will sagt, kann er ganz schnell egoistisch wirken. Ein Beispiel dazu:

  • Ich will einen Stück Kuchen. – Stell dir vor, du bist in einem Restaurant und möchtest einen Stück Kuchen bestellen. Wenn du diesen Beispielsatz sagst, wirkt deine Äußerung ziemlich unhöflich. Was kann man alternativ sagen? Dazu kommen wir gleich!
  • Viel angebrachter wäre eine Äußerung mit wollen, wenn du unbedingt etwas willst und bist bereit, dieses „etwas“ zu erreichen: Ich kündige morgen. Ich will meinen Job wechseln!

können & brauchen

Können: Damit bringen wir eine Möglichkeit oder eine Fähigkeit zum Ausdruck. Hier sind ein paar Beispiele:

  • Ich kann Lisa beim Aufräumen helfen. – Das kann in diesem Satz drückt eine Möglichkeit aus: Man kann Lisa helfen oder auch nicht.
  • Du kannst in den Urlaub fahren, wenn du mit der Arbeit fertig bist. – In diesem Fall wird mit “können” ebenfalls eine Möglichkeit ausgedrückt: Es ist möglich, in den Urlaub zu fahren, aber nur wenn die Arbeit erledigt ist.
  • Lina kann schon bis zwanzig zählen! – Hier ist mit können definitiv eine Fähigkeit gemeint, nämlich die Fähigkeit des Zählens.

Brauchen: Dieses Verb kann als ein Vollverb oder als ein Modalverb auftreten. Dementsprechend hat dieses Verb verschiedene Bedeutungen. Als Vollverb bedeutet das Verb „benötigen“. Du kannst das Vollverb dann sagen, wenn dir zum Beispiel etwas fehlt: Ich ziehe um, deshalb brauche ich ein neues Bett, einen Schreibtisch und einen neuen Schrank.

Als Modalverb wird dieses Wort zusammen mit einer Verneinung7 im Sinne von müssen verwendet, zum Beispiel:

  • Du brauchst nichts zu kaufen, ich habe alles da. – Diesen Satz kann man auch mit müssen sagen: Du musst nichts kaufen, ich habe alles da.
  • Du brauchst mir nicht zu helfen.
  • Du brauchst mich nicht nach Hause zu fahren.
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Kannst du ein Musikinstrument spielen?

mögen & dürfen

Fangen wir mal mit dem Modalverb mögen an. Dieses Verb kann auch wie das Verb brauchen verschiedene Bedeutungen haben. Einerseits sagt man das Verb, um eine Sympathie zu etwas auszudrücken oder anders gesagt, wenn dir etwas gefällt:

  • Ich mag diese Schuhe!
  • Er mag Würstchen.

Andererseits kann mit diesem Verb aber auch eine Bitte oder ein Wunsch, etwas zu tun, ausgedrückt werden. Damit du es dir besser merken kannst: In diesem Fall wird das Wort mögen im Sinne von können verwendet:

  • Magst du mir meine Tasche bringen? = Kannst du mir meine Tasche bringen?
  • Magst du deine Tante anrufen? = Kannst du deine Tante anrufen?

Das Verb dürfen drückt ein Erlaubnis aus. Hier sind ein paar Beispiele:

  • Maria darf bei ihrer Freundin übernachten.
  • Ich darf mir nach der Schule ein Eis kaufen.

Konjugation8 Modalverben

Lass uns nun darüber reden, wie die Modalverben konjugiert werden. In diesem Abschnitt schauen wir uns die am häufigsten gebrauchten Konjugationsformen der Modalverben an: im Präsens und im Präteritum. Zunächst zum Präsens. Sind Modalverben Hilfsverben, so werden sie nach Person und Numerus konjugiert:

modalverben konjugation präsens
So konjugiert man Modalverben im Präsens.

Ich hoffe, dir ist in dieser Tabelle etwas aufgefallen (wenn nicht, ist das überhaupt nicht schlimm!): Die Modalverben dürfen, können, mögen, wollen, können und müssen verändern in der 1., 2., 3. Person im Singular ihren Stammvokal, zum Beispiel: ich darf, du kannst, er mag, sie will, ich kann.

Modalverben im Präteritum fügt man ein -t- nach dem Wortstamm und eine Personalendung hinzu. Außerdem verändert sich bei manchen Modalverben der Stammvokal:

modalverben im präteritum liste
Konjugation der Modalverben im Präteritum.

Du fragst dich bestimmt, warum es keine Präteritum-Formen für das Modalverb müssen gibt? Weil dieses Wort in der Vergangenheit nicht verwendet wird. Stattdessen benutzt man das Modalverb wollen: Gestern wollte er nach Spanien fahren, heute möchte er aber nach Griechenland.

Ist dir in den Tabellen von oben etwas aufgefallen? Zum Beispiel, dass die Formen der Modalverben in der 1. Person Singular (ich) und 3. Person Singular (er, sie, es) gleich sind? Außerdem sind die Formen der 1. Person Plural (wir) und der 3. Person Plural (Sie/sie) identisch. Wenn man das weiß, dann fällt es einem viel einfacher, sich die komplexen Tabellen mit den Konjugationsformen der Modalverben zu merken!

Ich hoffe, du kannst nun die Frage „Was sind Modalverben?“ beantworten, ohne lange darüber nachzudenken! Fallen dir ein paar Sätze mit Modalverben ein? Dann schreibe sie gerne in die Kommentare!

Fragen & Antworten

Welche Modalverben gibt es im Deutschen?

Zu den Modalverben zählen Verben dürfen, können, mögen, wollen, brauchen, sollen, müssen

Was bedeutet „Modalverb“?

Mit einem Modalverb bekommt eine Aussage eine bestimmte Bedeutung

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Wortschatz

  1. Spracherwerb: Erlernen einer Sprache
  2. sich zurücklehnen: sich entspannen
  3. wetten: eine Abmachung zwischen Personen, bei der diejenigen, die recht haben, eine Belohnung bekommen
  4. um den heißen Brei reden: über etwas lange reden
  5. Vorschriften: Regeln
  6. unumgänglich: wenn etwas auf jeden Fall erledigt werden muss
  7. Verneinung: Ablehnung
  8. Konjugation: Veränderung der Verben

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Artikel von:

Aleksandra

Hinter dem Polarkreis aufgewachsen und Lehrerin aus Leidenschaft. Ich liebe Deutsch und die Berge!

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