Sagt man Brezen oder Brezel?

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Januar 3

„Brezen“ oder „Brezel“ ? Das ist hier die Frage! Diese deutsche Erfindung wird nicht nur hierzulande, sondern auch in Österreich und in der Schweiz unheimlich gern gegessen. Selbst die US-Amerikaner lieben diesen deutschen Snack „Oh yeah, Pretzels“ – wie sie zu sagen pflegen. Je weiter weg vom Mittelpunkt des Brezel-Universums, desto wilder werden die sprachlich gebrauchten Varianten dieser kulinarischen Tradition made in Germany.

brezel oder breze
Sagt man „Brezel“ oder „Brezen“ – darum streiten sich die Bayern und die Schwaben.

Aber bleiben wir mal kurz auf deutschem Territorium. Jeder Deutschlerner, der schon einmal in München beim Bäcker war, kennt das wahrscheinlich – man bestellt dieses himmlische Laugengebäck mit einem kurzen, präzisen Satz: „Eine Brezel bitte!“. Kaum ahnend, dass man etwas falsch gemacht hat, bekommt man von der Backwarenverkäuferin statt eines netten Lächelns ein nervöses Augenzucken. Oder schlimmer noch: der Kunde, der nach dir dran ist, klopft dir höflich auf die Schulter, um dich schnellstens zu korrigieren: „Sie meinen a Brezn!“, und auf einmal wird herzhaft1 gelacht.

Die richtige Aussprache dieses traditionsreichen Gebäcks ist nicht nur ein Problem für Deutschlerner, sondern genau genommen auch eine Falle für jeden erfahrungslosen Touristen. Was sagt man denn nun: „Brezel“ oder „Brezen“? Bei der Beantwortung dieser Frage tut sich sogar der liebe Duden schwer. Nennt er doch nicht einmal eine geeignete Pluralform für die zwei Varianten im Titel unseres Artikels (der Zusatz „Bretzel“ als schweizerische Variante machts nicht einfacher – sorry, Duden!).

Um die Verwirrung aufzuklären, müssen wir in der Geschichte dieser Bäckertradition forschen. Was die Herkunft des Laugenkringels angeht, konkurrieren zwei verschiedene Völker um den Anspruch2, die eigentlichen Erfinder der „Breze(l/n)“zu sein: die Schwaben und die Bayern. Genau in diesem Streit liegt die Antwort auf unsere Frage!

Die Bayern sagen „Brezen“ (Brezn)

Die bayerische Legende besagt, dass die Breze (eigentlich sagen die Bayern immer „Brezn“) auf einen kleinen Unfall in einer Münchner Bäckerei im 19. Jahrhundert zurückzuführen ist. Der an den Königshof liefernde Bäcker vertauschte Zuckerwasser mit der zur Backblechreinigung vorgesehenen Natronlauge, die den Brezen beim Backen so eine schöne dunkle Farbe gibt, taddaaaa – die Brezn war geboren!

Die Schwaben sagen „Brezel“ (Brezl)

Auch die schwäbische Version von der Erfindung der „Brezel“ (oder „Brezl“, wie sie es sagen) ist äußerst spannend. Ein zu Tode bestrafter schwäbischer Bäcker aus dem Mittelalter hatte nur eine Chance zur Begnadigung: ein Brot zu backen, durch das die Sonne dreimal scheint. Inspiriert von seiner Frau, die wahrscheinlich gerade die Arme verschränkte, weil sie bei sich dachte: „Um Gottes willen, wie soll denn das funktionieren?“, rief der clevere Bäcker schließlich: „Das ist es!“. Die Brezelform mit den dünnen, ineinander verschlungenen Ärmchen war erfunden und das Leben des Bäckers gerettet. Übrigens beanspruchen3 auch die Elsässer diese ungefähre Version als Erfinder der Brezel, denn auch die Franzosen lieben sie.

Dialekt versus Grammatik & Rechtschreibung

Wem es noch nicht aufgefallen ist: in diesem Artikel haben sich verschiedene Schreibweisen sowohl der schwäbischen als auch der bayerischen Variante reingeschmuggelt. Auf Bayerisch sagt man „Brezen“, aber würde ein Bayer seine Bestellung in reinem Dialekt aufsagen, würde er nur sagen: „I hätt gern a Brezn!“. Auch der Schwabe würde „Brezel“ auf „Brezl“ abkürzen. Woran liegt das? Auch wenn es schon immer geschriebene, süddeutsche Poesie und Lyrik gab, so entfaltet der Dialekt doch vor allem bei gesprochener Sprache seinen vollen Charme. Und beim Sprechen wird gern einmal alles Überflüssige an Vokalen weggelassen und gekürzt, wo es nur geht! Deshalb die diversen Formen dieses Wortes …

So ähnlich verhält es sich beim verzweifelten Versuch, die grammatikalische Korrektheit bei Singular und Plural zu bestimmen. Gefühlt würde man im Bayerischen eine einzelne Laugenkreation als „Breze“ für den richtigen Singular nennen. Aber im Sprachgebrauch wird auch an dieser Stelle einfach eine „Brezn“ bestellt und somit scheint der Singular mit dem Plural identisch. Solltest du jetzt immer noch Schwierigkeiten haben, die verschiedenen Versionen auseinanderzuhalten? Dann haben wir einen goldenen Tipp für dich, den wir wirklich selten geben. Aber dieses Mal wird er dich definitiv glücklicher machen als eine lange Diskussion über richtig oder falsch: Essen statt reden! Ach übrigens, wenn du noch mehr Ideen brauchst, um ein gutes deutsches Frühstück zu bestellen, dann schau dir am besten dieses kurze Video von DeinSprachcoach an. Guten Appetit.

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Brezen oder Brezel – dein Wortschatz

  1. herzhaft: oft für Essen benutzt, hier aber im Sinne von kräftig oder stark verwendet
  2. etw. in Anspruch nehmen: auf sich anwenden (hier für das Recht als Erfinder/Eigentümer, wie beim „copyright“)
  3. beanspruchen: Verb für „etw. in Anspruch nehmen“

Brezen oder Brezel – häufig gestellte Fragen

Heißt es Breze oder Brezel?

Beides ist korrekt, „Breze“ oder „Brezen“ („Brezn“) ist die bayerische Variante und „Brezel“ die schwäbische.

Unterschied Brezel und Brezen?

Die Schwaben als auch die Bayern behaupten, sie wären die Erfinder des Laugengebäcks. Die Entstehungsgeschichte ist nicht hundertprozentig belegt, geht jedoch in beiden Fällen auf einen Unfall in der Backstube zurück, bei dem das Gebäck aus Versehen in eine mit Natron angereicherte Reinigungsflüssigkeit fiel. Nach dem Backen war man vom Ergebnis begeistert, woraufhin die Brezel beziehungsweise „Brezen“ (in Bayern) entstand.

Was schmeckt besser, süße oder salzige Brezen?

Traditionell sind Brezen salzig und werden manchmal mit Butter und Schnittlauch serviert. Süße Brezen werden eher im Ausland hergestellt und sind in Deutschland eine Seltenheit. Geschmacklich lässt es sich wohl darüber streiten, was besser ist, so ähnlich wie bei süßem und salzigem Popcorn.


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Artikel von:

Isabella

Aktuell in Südfrankreich lebend zwischen Lavendelfeldern und Olivenbäumen gebe ich Deutschlernern und Bloglesern weltweit meine Leidenschaft für den Reichtum der deutschen Sprache weiter. Auch als digitale Nomadin denke und fühle ich in meiner Muttersprache.

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