Das Perfekt: Grammatik auf einen Blick!

Fabienne

Juni 13

Welche Zeitform ist „Perfekt” und was heißt „Perfekt”? Wann verwende ich das Perfekt im Deutschen? Warum heißt es zum Beispiel „ich bin gegangen“, aber „ich habe gelernt“? Wie funktioniert das nochmal mit den Hilfsverben „haben“ und „sein“? Das sind viele Fragen, auf die du hier die Antworten bekommst! Wir erklären dir alles, was du zum Perfekt wissen musst!

Wo bist du zur Schule gegangen? Hast du schon einmal in der Natur gelernt?

Was ist „Perfekt“ für eine Zeitform?

Das Perfekt heißt auch „vollendete Gegenwart”. Klingt kompliziert, oder? Vollendet meint so etwas wie abgeschlossen. Die Zeitform Perfekt bezieht sich also auf Handlungen, die abgeschlossen sind. Und wann ist eine Handlung abgeschlossen? Genau! Wenn sie in der Vergangenheit passiert ist! Viel einfacher gesagt ist das Perfekt also eine Zeitform der Vergangenheit! Es genügt, wenn du weißt, dass wir das Perfekt für Handlungen nutzen, die in der Vergangenheit erst vor kurzer Zeit passiert sind. Das Perfekt ist damit eine Zeit der Vergangenheit, die einen Gegenwartsbezug hat und deshalb nennt sie sich vollendete Gegenwart.

Und das ist auch noch ein ganz wichtiger Punkt: Die Zeitform Perfekt verwendest du vor allem in der gesprochenen Sprache, also zum Beispiel in Gesprächen. Das ist ein zentraler Unterschied der Zeitformen Perfekt – Präteritum. Das Präteritum findest du vor allem in der Schriftsprache und du hörst es in Nachrichten. Wenn sich Muttersprachler unterhalten, dann würde niemand sagen:

Ich ging heute morgen zur Arbeit und auf dem Weg dorthin sah ich eine schwarze Katze.

Diesen Satz würdest du eher in der geschriebenen Sprache verwenden. Wenn du erzählen möchtest, was du vor Kurzem gemacht hast, dann sprichst du im Perfekt und sagst zum Beispiel:

Ich bin heute morgen zur Arbeit gegangen und auf dem Weg dorthin habe ich eine schwarze Katze gesehen.

Schau dir nun genauer an, wie du die Zeitform Perfekt bilden kannst:

Das Perfekt: Vergangenheit bilden mit „sein” oder „haben” + Partizip 2

Für die Bildung des Perfekts brauchst du die Hilfsverben sein oder haben. Wichtig ist, dass du die Formen von sein und haben im Präsens verwendest. Das Hilfsverb wird konjugiert, das heißt in der Form an die Person und den Numerus des Vollverbs1 angepasst. Hier siehst du die Formen der Hilfsverben im Präsens:

ich bin, du bist, er/sie/es ist, wir sind, ihr seid, sie/Sie sind

ich habe, du hast, er/sie/es hat, wir haben, ihr habt, sie/Sie haben

Ein Beispielsatz:

Ich bin in die Stadt gelaufen und dann habe ich dich in einem Cafe gesehen

… du bist mit dem Roller gefahren und hast dich mit einer Freundin getroffen.

Hilfs- und Vollverben unterscheiden

Du erkennst an diesem Beispielsatz, dass an der zweiten Stelle im Satz das konjugierte Hilfsverb steht (bin – habe). Das Vollverb essen stellst du im Partizip 2 an den Schluss des Satzes (gelaufen – gesehen). Alle Zeitformen – außer das Präsens und das Präteritum – sind aus einem Hilfsverb und einem Vollverb zusammengesetzt. Diese Verbformen, so auch das Perfekt, sind daher mehrteilige Verben, weil sie aus mindestens zwei Teilen bestehen. Die meisten deutschen Verben sind Vollverben. Diese Vollverben beschreiben

  • eine Handlung: Peter schwimmt.
  • ein Geschehen: Es schneit.
  • einen Zustand: Peter schläft.

Wenn du dir unsicher bist, ob es sich um ein Vollverb handelt, dann hilft dir folgender Trick: Wenn du Sätze im Perfekt zum Beispiel ins Präteritum umformst, dann bleibt nur das Vollverb übrig. Die mehrteilige Verbform wird durch eine einfache Verbform ersetzt:

Mein Freund ist vor zwei Minuten gegangen. – Mein Freund ging vor zwei Minuten.

Deine Vergesslichkeit2 hat mich oft geärgert. – Deine Vergesslichkeit ärgerte mich oft.

Achtung! Verwechsle Hilfsverben zur Bildung von bestimmten Zeitformen nicht mit Vollverben! In diesen Sätzen hat das Verb die Funktion eines Vollverbs:

Sie hat Geld und er ist schlau.

Nun zurück zum Perfekt. Bei der Bildung der Perfekt-Zeitform müssen wir vor allem zwei Dinge beachten. Erstens: Wir müssen uns entscheiden, ob wir das Hilfsverb mit sein oder haben bilden. Zweitens: Wir müssen das Vollverb in das sogenannte Partizip 2 setzen. Für die richtige Perfektform solltest du dich mit diesen beiden Schritten gut auskennen. Zuerst schauen wir uns an, wie du das Partizip 2 bildest:

Das Partizip 2: Wie bilde ich es bei regelmäßigen Verben?

Für regelmäßige Verben benötigst du folgendes Schema3ge + Verbstamm + (e)t. Hier ein Beispiel:

Ich lerne heute neue deutsche Redewendungen (Präsens).

Ich habe heute neue deutsche Redewendungen gelernt (Perfekt).

Was ist hier passiert? Ganz einfach: Das Vollverb lernen hat den Verbstamm lern-. Den Verbstamm findest du heraus, wenn du vom Infinitiv (der Grundform) die Endung –en abtrennst. Vor diesen Verbstamm setzt du die Vorsilbe ge-. Und am Ende fügst du noch den Buchstaben t hinzu. Bei Verbstämmen, die auf d oder t enden, brauchst du zusätzlich noch ein e vor diesem t:

Ich arbeite heute sehr lange.

Ich habe heute sehr lange gearbeitet.

Unregelmäßige Verben im Perfekt

Wie bildest du das Partizip 2 bei unregelmäßigen Verben? Das ist ein bisschen schwieriger, denn unregelmäßige Verben können im Deutschen ganz schön4 gemein sein! Es gibt nämlich keine feste Regel, wie sich der Vokal bei unregelmäßigen Verben verändert, wenn wir das jeweilige Verb in verschiedene Zeitformen setzen. Hier führt kein Weg daran vorbei, diese unregelmäßigen Verben gut zu lernen! Das Partizip 2 der unregelmäßigen Verben musst du also auswendig lernen!

Es gibt ungefähr 200 unregelmäßige Verben im Deutschen. In diesem Artikel kann ich zwar nicht alle dieser 200 Verben mit Beispielen auflisten, aber ich kann dir einen guten Tipp geben, wie du den richtigen Verbstamm für das Präteritum herausfindest. So kannst du bei unregelmäßigen Verben das Präteritum üben: Du orientierst dich einfach an der bekannten Tabelle, in der die drei Verbformen „Infinitiv – Präteritum – Partizip 2″ aufgelistet sind. Zum Beispiel:

helfen – half – geholfen

sprechen – sprach – gesprochen

lesen – las – gelesen

laufen – lief – gelaufen

bringen – brachte – gebracht

Versuch doch mal mit dem Verb schlafen jeweils einen Satz im Präsens, im Präteritum und im Perfekt zu bilden. Beim Perfekt helfe ich dir noch mit der Wahl des richtigen Hilfsverbs: Du brauchst eine Form von haben. Meine drei Sätze, die mir dazu spontan einfallen, lauten so:

Ich schlafe am besten bei offenem Fenster (Präsens). Henrik schlief heute sehr lange (Präteritum). Wie lange hast du heute geschlafen (Perfekt)?

Hättest du in der Perfekt-Zeitform das Hilfsverb haben passend zum Verb schlafen richtig gewählt? Super! Wenn nicht, dann ist das kein Problem. Denn jetzt kümmern wir uns um die Frage, wie du das richtige Hilfsverb mit dem Perfekt verwendest.

Das Perfekt: Bildung mit haben oder sein?

Das wird dich bestimmt schon einmal beruhigen: Die meisten Verben bilden das Perfekt mit dem Hilfsverb haben. Eine bestimmte Gruppe von Verben bilden das Perfekt allerdings mit sein. In diesem Fall geht es um die Gruppe von sogenannten „Bewegungsverben”. Was sind das für Verben?

Bewegungsverben

Das sind Verben, die eine Bewegung von einem Ort zu einem anderen Ort ausdrücken, wie zum Beispiel gehen, kommen, laufen, fliegen oder fahren:

Ich bin heute zum Sport gegangen. Du bist sehr spät nach Hause gekommen. Er ist zur Arbeit gelaufen. Wir sind in den Urlaub geflogen. Ihr seid ans Meer gefahren.

Wenn das Verb mit einem Akkusativobjekt verwendet wird, dann bildest du das Perfekt mit haben:

Thomas ist nach Thailand geflogen. (Er hat sich selbst nach Thailand „bewegt“)

Thomas hat das Flugzeug nach Thailand geflogen. (Er „bewegt“ das Flugzeug – Akkusativobjekt – nach Thailand)

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Verben der Zustandsveränderung und „sein”, „werden”, „bleiben”

Das Perfekt mit sein bilden auch Verben, die den Übergang5 von einem Zustand in einen anderen Zustand bezeichnen. Ein Beispiel:

Meine Schlüssel sind verschwunden.

Stell dir vor, du hattest deine Schlüssel gestern noch in der Hand. Gestern waren die Schlüssel also noch da, das ist der alte Zustand. Du hast nun vergessen, wo du die Schlüssel hingelegt hast. Im neuen Zustand sind die Schlüssel nicht mehr da, mit anderen Worten verschwunden. Das Verb verschwinden bezieht sich auf eine Zustandsänderung, weil eine Sache oder eine Person vorher vorhanden gewesen sein muss. Erst wenn etwas da war, kann es später auch verschwinden. Andere Beispiele sind einschlafen, aufwachen, aufstehen, explodieren, aufblühen, verblühen, wachsen, sterben, umfallen, verschwinden oder gefrieren. Diese Verben stehen immer ohne Akkusativobjekt.

Und es gibt noch andere Verben, die das Perfekt mit sein bilden. Diese Verben sind:

  • sein: Ich bin in Thailand gewesen.
  • werden: Er ist Lehrer geworden.
  • bleiben: Wir sind im Hotel geblieben.

Andere Verben sind: passieren, geschehen, vorkommen, gelingen, misslingen, glücken, missglücken, begegnen, scheitern. Auch diese Verben verwendest du ohne Akkusativobjekt.

Das Perfekt in der Praxis

In der Umgangssprache nutzt du mit der Ausnahme von wenigen Verben fast nur das Perfekt. Welche Ausnahmen sind das? Es geht vor allem um die Verben sein, haben und werden. Du würdest eher das Präteritum verwenden und sagen:

Letztes Jahr war ich in Thailand. (statt: Letztes Jahr bin ich in Thailand gewesen.)

 Ich hatte viel Stress. (statt: Ich habe viel Stress gehabt.)

Als Kind wollte ich Lehrerin werden. (statt: Als Kind habe ich Lehrerin werden wollen.)

Übrigens gibt es bei bestimmten Verben interessante regionale Unterschiede. Während man im Norden sagt Ich habe gelegen/gestanden/gesessen, heißt es in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz Ich bin gelegen/gestanden/gesessen.

Reflexive Verben werden im Perfekt auch mit haben gebildet: „Ich habe mich verliebt!”

Hast du eine Idee, wie du bei trennbaren Verben das Perfekt bildest? Bei trennbaren Verben bildest du das Partizip II so: Präfix + ge– + Verb. Hier ist ein Beispielsatz:

Ich habe mit einem neuen Thema weitergemacht.

Versuch doch mal, einen Satz mit anderen trennbaren Verben zu bilden! Bei Fragen steht das Partizip 2 übrigens wieder sonst auch am Ende des Satzes:

Mit welchem Thema hast du weitergemacht?

Neben der Vergangenheit kann sich das Perfekt auch auf Zukünftiges beziehen. Es wird in diesem Fall vor allem dann verwendet, wenn in der Zukunft etwas abgeschlossen sein wird. Die Zeitangabe sollte sich auf die Zukunft beziehen:

Nächstes Jahr habe ich endlich alle B2-Prüfungen abgeschlossen.

Fragen & Antworten:

Was ist Perfekt?

Perfekt ist eine Zeitform der Vergangenheit. Sie nennt sich auch vollendete Gegenwart.

Wie bilde ich das Perfekt?

Du benötigst das Hilfsverb von sein oder haben und setzt das Vollverb in das Partizip 2.

Wann verwende ich das Perfekt?

Diese Zeitform nutzt du im Deutschen vor allem in Gesprächen und in der Umgangssprache.

Wortschatz:

  1. Vollverb (das): beschreiben eine Handlung, einen Vorgang oder einen Zustand. Sie können allein das Prädikat bilden.
  2. Vergesslichkeit (die): das Vergesslichsein, ein schwaches Gedächtnis haben
  3. Schema (das): ein Plan/Muster/Konzept
  4. ganz schön: sehr
  5. Übergang (der): ein Wechsel

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Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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