Man oder Mann?

Fabienne

August 31

“O Mann, das kann man doch nicht machen!

Hören sich für dich die beiden Wörter man oder Mann in diesem Satz gleich an? Dann hast du mit der Aussprache alles richtig gemacht. Die kleinen deutschen Wörter man oder Mann hören sich tatsächlich im Deutschen genau gleich an! Es gibt aber einen wichtigen Unterschied in der Bedeutung und auch die Schreibweise ist anders. Ich erkläre dir alles Wichtige, damit du auf die Frage “man oder Mann?” immer die richtige Antwort hast.

Wie schreibe ich die Wörter richtig: man oder Mann?

Die Frage “man oder Mann?” ist ein echter Dauerbrenner1 auf dem Gebiet der deutschen Rechtschreibung. Es sind sich sogar viele deutsche Muttersprachler unsicher, wann welche Schreibweise – Mann oder man – richtig ist. Damit du mit deinen Deutschkenntnissen so richtig glänzen2 kannst, klären wir erst einmal die Bedeutung von man oder Mann. Dafür müssen wir uns anschauen, zu welchen Wortarten die beiden Wörter gehören.

Das Nomen Mann

Das Wort Mann ist ein deutsches Nomen im Maskulinum und bezeichnet eine männliche Person. Du weißt bestimmt schon, dass Nomen im Deutschen großgeschrieben und in den vier Fällen dekliniert werden:

Der Mann (Nominativ) geht in den Supermarkt.

Lisa hört den Mann (Akkusativ) singen.

Anna gibt ihrem Ehemann (Dativ) einen Tipp.

Ich finde die Jacke des Mannes (Genitiv) sehr schön …

Der Plural von Mann ist Männer und du bildest ihn mit dem Umlaut ä.

man oder mann
In Wirklichkeit sehen natürlich nicht alle Männer so aus …

Das Indefinitpronomen man

Man ist ein unpersönliches Pronomen – auch Indefinitpronomen genannt. Das kleine deutsche Wort man hat verschiedene Bedeutungen. Du verwendest es, wenn du allgemein über einen oder mehrere Menschen sprichst:

Lass uns auf den Berg gehen, von dort oben hat man eine herrliche3 Aussicht. (Das meint, dass jede Person von dort eine herrliche Aussicht hat.)

Man vermutet, dass dieses Jahr eine Überraschung kommen wird. (Es wird vermutet, dass dieses Jahr eine Überraschung kommen wird.)

Du kannst auch über allgemeine Regeln oder Gewohnheiten sprechen:

Das sagt man so.

In der Bedeutung von ich oder wir kann man gebraucht werden, wenn der Sprecher nicht selbst im Mittelpunkt sein möchte, sondern für eine Allgemeinheit sprechen will:

Man versteht ja sein eigenes Wort nicht, hier ist es viel zu laut!

Man steht aus grammatischer Sicht im Nominativ Singular Maskulinum und wird klein geschrieben. Es sei denn natürlich, es steht am Satzanfang:

Man (Nominativ) macht so etwas nicht!

Die konjugierte Form des Verbs nach man steht immer in der dritten Person Singular. Das heißt, du musst an den Verbstamm ein -t anhängen: machen – macht.

Der Akkusativ wird durch einen und der Dativ durch einem ausgedrückt:

So etwas ärgert einen (Akkusativ).

So etwas kann einem (Dativ) auf die Nerven gehen4.

Vor allem die Umformung des Wortes man in den Akkusativ und Dativ fällt vielen Deutschlernern schwer, weil es diese Unterscheidung in vielen Sprachen überhaupt nicht gibt.

Einen Satz im Passiv kannst du im Deutschen durch einen Satz im Aktiv ersetzen. Dafür muss im Aktiv das Wort man eingefügt werden:

Eine zerknitterte5 Bluse muss gebügelt werden (Passiv).

Eine zerknitterte Bluse muss man bügeln (Aktiv).

Mann-oh-Mann
Manchmal kommt man im Deutschunterricht ganz schön ins Schwitzen, wenn man nicht für den anstehenden Test gelernt hat!

Warum schreiben die Deutschen zwei gleich klingende Wörter unterschiedlich?

Die regelhafte Schreibweise findest du im Wort Mann wieder. Im Deutschen verdoppelst du nämlich nach einem kurz gesprochenen Vokal in der Regel den folgenden Konsonanten (lies dazu mehr im Artikel zur Aussprache). Es gibt allerdings auch viele Funktionswörter im Deutschen, die nicht regelhaft geschrieben werden. Funktionswörter sind Wörter, die nur im Satzzusammenhang eine Bedeutung haben. Das sind Wörter wie Pronomen, Konjunktionen oder Präpositionen.

Denk zum Beispiel einmal an die Präposition an. Du sprichst das a kurz aus, folglich müsste eigentlich ein Doppelkonsonant folgen. Nach dieser Regel müsstest du das Wort so schreiben: *ann. Auch das Wort man zählt zu diesen Funktionswörtern und die Schreibweise mit dem einfachen Konsonanten n lässt sich nicht mit den Grundregeln der deutschen Rechtschreibung erklären. Die richtige Schreibweise des Wortes man musst du dir also einfach merken.

Man oder Mann in der Alltagssprache

Interessant ist für dich natürlich die Frage, in welchen Situationen die beiden Wörter im Deutschen oft gebraucht werden. Da du nun den Unterschied der beiden Wörter aus grammatischer Sicht kennst, kannst du bestimmt beurteilen, ob die folgende Schreibweise richtig ist. Stell dir diese Situation vor: Andreas wartet zu Hause ungeduldig auf seine Freundin Katharina. Als Katharina zur Tür hereinkommt sagt er:

Mann, du bist zu spät! Es ist schon 17 Uhr und wir hatten doch um 15 Uhr einen Termin!

ein Paar streitet sich
Mann, oh Mann – dieses Paar streitet sich gerade!

Was denkst du, ist in diesem Satz alles richtig geschrieben? Heißt es man oder Mann am Satzanfang? Es heißt Mann. Lass dich nicht auf eine falsche Fährte locken6, indem du denkst, dass Katharina als Frau nicht mit dem Wort Mann angesprochen werden kann. Es geht bei diesem Satz nämlich NICHT darum, Katharina direkt anzusprechen. Es spielt keine Rolle, ob die Person, mit der Andreas hier spricht, männlich oder weiblich ist. Mann wird hier als Interjektion gebraucht ohne persönlichen Bezug. Eine Interjektion ist ein Ausruf und drückt bestimmte Empfindungen und Gefühle aus. Durch diese Interjektion drückt Andreas seinen Ärger über Katharina aus, weil Katharina zu spät ist. Ein weiteres ähnliches Beispiel ist:

Mein lieber Mann! Du hast aber eine schöne Wohnung!

Dieser Satz drückt Erstaunen oder Bewunderung aus – also etwas Gutes!

Mannomann, Mann o Mann, manno oder menno

Im Deutschen ist auch die Interjektion Mannomann gebräuchlich. Du kannst sagen:

Mannomann, Katharina, du bist zu spät!

Richtig ist auch die Schreibweise Mann, o Mann. Man o man wäre falsch, denn das Indefinitpronomen man kann nicht als Interjektion gebraucht werden. Im Deutschen kannst du auch zum Beispiel sagen:

Mann, Mann, Mann, das ist aber heute wieder ein Stress!

Ähnliche Formen im Deutschen sind zum Beispiel manno oder menno. Du drückst damit aus, dass du dich über etwas ärgerst oder fast am Verzweifeln bist. Hast du schon einmal ein Regal mit sehr vielen Schubladen7 selbst aufgebaut? Das braucht manchmal mehrere Versuche, bis du ein halbwegs8 akzeptables Ergebnis bekommst. In so einer Situation kannst du sagen:

Menno, das klappt nicht!

Ach, manno – das funktioniert nicht!

Oh Mann, das bringt nichts!

Mensch, das wird nichts!

Was bringt dich zum Verzweifeln? Schreib es in die Kommentare! Die Frage man oder Mann ist es hoffentlich nicht mehr!

Man oder Mann – Fragen & Antworten:

Was ist der Unterschied zwischen Mann und man?

Mann ist ein Nomen und bezeichnet eine männliche Person, man ist ein Indefinitpronomen und wird verwendet für allgemeine Aussagen zu Personen, Regeln oder Gewohnheiten.

Meint Mann immer eine männliche Person?

Nein! Das Wort Mann kann auch eine Interjektion sein. Eine Interjektion ist ein Ausruf und drückt bestimmte Gefühle und Empfindungen aus: Ach Mann! oder Ach Mensch! sind Beispiele für eine solche Interjektion, wenn sich jemand ärgert.

Warum schreibe ich das Wort man mit nur einem n, obwohl ich den Vokal a kurz spreche?

Normalerweise folgt im Deutschen nach einem kurzen Vokal ein Doppelkonsonant. Funktionswörter wie man werden oft nicht regelhaft geschrieben. Hier hilft nur: gut lernen!

man oder mann

Man oder Mann – dein Wortschatz:

  1. Dauerbrenner (der): etwas, das lange anhält. Hier: eine Frage, die oft gestellt wird
  2. glänzen: hier: durch Wissen beeindrucken
  3. herrlich: wunderschön, wunderbar, großartig
  4. auf die Nerven gehen: deutsche Redewendung: stören, belästigen, nerven
  5. zerknittert: faltig, zusammengedrückt
  6. jemanden auf eine falsche Fährte locken: jemanden täuschen
  7. Schublade (die): Kasten in einem Möbelstück, der herausziehbar ist
  8. halbwegs: einigermaßen


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Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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