Reflexive Verben

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Juni 3

Warum heißt es „Ich wasche mir das Gesicht“ und nicht „Ich wasche mich das Gesicht“? Oder warum sagen wir einerseits1 „Du wäschst dich“, aber andererseits2 „Du wäschst dir das Gesicht“? „Dir“, „dich“, „mir“ oder „mich“? Wie bilde ich reflexive Verben richtig? Das ist oft nicht so leicht. Was reflexive Verben sind und wie du sie richtig benutzt, das erfährst du hier!

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Was sind reflexive Verben?

Im Deutschen gibt es viele reflexive Verben. Ein reflexives Verb ist ein rückbezügliches Verb. Aha. Jetzt bist du nicht wirklich schlauer? Das glaube ich dir, weil unter dem Begriff rückbezüglich kann man sich nicht viel vorstellen. Ich frage mich selber manchmal, warum denn immer alles so kompliziert klingen muss. Also: Das Adjektiv rückbezüglich ist abgeleitet vom Verb zurückbeziehen3. Eine Handlung bezieht sich auf etwas zurück, was vorher gesagt wurde. Es wird eine Verknüpfung4 – ein Rückbezug – zu etwas gebildet, das im Satz bereits genannt wurde.

Damit reflexive Verben vollständig5 sind, brauchen sie ein Reflexivpronomen. Und jetzt kommt das Entscheidende: Dieses Reflexivpronomen bezieht sich zurück auf das Subjekt im Satz:

Ich wasche mich. -> Das Reflexivpronomen mich bezieht sich auf das Subjekt ich

Du wäschst dich. -> Das Reflexivpronomen dich bezieht sich auf das Subjekt du

Reflexive Verben bildest du, indem du das Verb konjugierst (an die Person und Zeit anpasst) und das zum Subjekt passende Reflexivpronomen auswählst. Betrifft das alle reflexive Verben? Deutsch ist manchmal gar nicht so kompliziert, denn: Ja, diese Regel betrifft alle reflexiven Verben!

Da reflexive Verben ein Reflexivpronomen im Akkusativ oder Dativ brauchen, kommt hier eine Übersicht für dich zu den Reflexivpronomen:

Reflexivpronomen
Reflexivpronomen im Akkusativ und Dativ

Das Reflexivpronomen stimmt in den Formen mit den Personalpronomen überein, nur im Dativ und Akkusativ der dritten Person Singular und Plural verwendest du die Form sich. Diese Reflexivpronomen nutzt du also, um reflexive Verben zu bilden: Ich freue mich, er freut sich, wir freuen uns und so weiter… Das reflexive Verb sich freuen bildest du mit dem passenden Reflexivpronomen im Akkusativ. Später schauen wir uns noch mehr Verben an und du lernst, wie du die richtige Wahl6 zwischen Akkusativ oder Dativ triffst!

„Echte“ reflexive Verben

Es gibt „echte“ reflexive Verben. Sie heißen deshalb so, weil sie nur in Verbindung mit einem Reflexivpronomen auftreten können. Das reflexive Verb und das Reflexivpronomen bilden eine Einheit7 und du kannst das Reflexivpronomen auch durch kein anderes Pronomen ersetzen. Solche reflexive Verben sind zum Beispiel:

sich beeilen, sich befinden, sich erholen, sich erkälten, sich verspäten, sich weigern

Es ist nicht richtig, wenn du zum Beispiel das Verb sich beeilen ohne ein Reflexivpronomen verwendest. Du kannst also nicht sagen: Ich beeile. Nein, es muss heißen: Ich beeile mich.

Es gibt auch reflexive Verben, die mit einer bestimmten Präposition verwendet werden. In diesen Fällen solltest du die Präposition immer dazu lernen: Du freust dich auf deinen Urlaub und er interessiert sich für dich.

Beachte auch: Selbst wenn das Verb in deiner Muttersprache nicht reflexiv gebraucht wird, musst du bei echten reflexiven Verben das Reflexivpronomen nutzen!

Was sind unechte reflexive Verben?

Unechte reflexive Verben kannst du auch mit anderen Pronomen oder Nomen verbinden. Ein unechtes reflexives Verb nutzt du entweder reflexiv oder nicht reflexiv – es kommt immer auf den Inhalt deines Satzes an! Das Pronomen muss sich dabei nicht auf das Subjekt im Satz beziehen. Schauen wir uns ein paar Beispiele an. Hier werden die unechten reflexiven Verben (sich) baden und (sich) waschen reflexiv gebraucht:

Ich bade mich und Henrik wäscht sich.

Die Subjekte im Satz (Ich / Henrik) baden und waschen nur sich selbst, deshalb nutzt du ein Reflexivpronomen. Wenn diese Subjekte nun andere Personen oder Sachen waschen, verwendest du diese Verben nicht reflexiv:

Ich bade meinen Hund und Henrik wäscht sein Auto.

Du siehst, es wird kein Reflexivpronomen gebraucht. Die Verben beziehen sich nicht auf die Subjekte im Satz, sondern auf die Objekte (meinen Hund / sein Auto). Die beiden Objekte stehen hier übrigens im Akkusativ, weil du fragen kannst: Wen bade ich und was wäscht Henrik?

Aber Achtung: Im Sinne von „in einem See/Fluss/Meer baden“ ist baden nie reflexiv: Das Kind badet im Meer.

Reflexive Verben: Wann verwende ich das Reflexivpronomen im Akkusativ oder Dativ?

Wenn im Satz nur ein Objekt vorkommt, wird meistens der Akkusativ genutzt:

Ich kämme mich. Wen kämme ich? –> mich (Akkusativ).

Gibt es im Satz noch ein weiteres Objekt, hast du also insgesamt zwei Objekte, verwenden wir das Reflexivpronomen im Dativ:

Ich putze mir die Zähne. Wem putzt du die Zähne? -> mir (Dativ). Ich putze mir was? -> die Zähne (Akkusativ).

Hier steht das Reflexivpronomen im Dativ, weil es im Satz noch einen Akkusativ (die Zähne) gibt. An dieser Stelle ist übrigens meine Frage am Anfang des Artikels beantwortet. Jetzt kannst du erklären, warum es heißt:

Du wäschst dich. -> ein Objekt, Reflexivpronomen im Akkusativ

Du wäschst dir das Gesicht. -> zwei Objekte, Reflexivpronomen im Dativ

Hast du Lust auf eine kleine Übung?

Übung reflexive Verben: Welches Reflexivpronomen passt?

  1. Kann ich mir /mich deine Jacke leihen?
  2. Erinnerst du dir / dich an eine Übung mit dem Thema „reflexive Verben Beispiele”?
  3. Das hat mir / mich gefreut.
  4. Ich habe mir / mich vor den Spiegel gestellt.
  5. Der Dozent bedankt mich / sich bei uns.

Am Ende gibt es natürlich die Lösung!

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Reflexive Verben: Liste zum Lernen

Hier ist eine praktische Übersicht zu reflexiven Verben im Akkusativ:

Sprachniveau A1 – B1: sich duschen, sich waschen, sich anziehen, sich ausziehen, sich baden, sich befinden, sich beschweren (über), sich freuen, sich fühlen, sich informieren, sich interessieren (für), sich kämmen, sich legen, sich rasieren, sich setzen, sich stellen, sich treffen, sich verletzen, sich verabschieden (von), sich vorstellen, sich ändern, sich anmelden, sich anschauen, sich anschnallen, sich ärgern (über), sich bedanken, sich beeilen, sich bewegen, sich bewerben (um/auf), sich entscheiden (für), sich entschuldigen, sich erholen, sich hinlegen, sich hinsetzen, sich irren, sich konzentrieren, sich trennen (von), sich verirren, sich verlieben, sich wohlfühlen

Sprachniveau B2: sich amüsieren, sich anfühlen, sich aufregen, sich auskennen, sich ausruhen, sich ausweisen, sich bedienen, sich beruhigen, sich beschäftigen (mit), sich einschreiben, sich entschließen, sich entwickeln, sich erkälten, sich erkundigen, sich fortbilden, sich fragen, sich fürchten, sich langweilen, sich melden, sich scheiden lassen, sich täuschen, sich übergeben, sich verabreden, sich verändern, sich verfahren, sich verlassen (auf), sich verstecken, sich verteidigen, sich weiterbilden, sich wundern, sich vorbereiten

Das sind reflexive Verben, die du mit dem Dativ verwendest:

sich die Haare bürsten, sich die Haare kämmen, sich etwas anziehen, sich etwas ausziehen, sich etwas putzen, sich wehtun, sich etwas überlegen, sich etwas vorstellen, sich etwas wünschen, sich etwas leisten, sich Zeit nehmen, sich Zeit lassen

Und hier kommt die Lösung zur Übung:

  1. Kann ich mir deine Jacke leihen?
  2. Erinnerst du dich an eine Übung mit dem Thema “reflexive Verben Beispiele”?
  3. Das hat mich gefreut.
  4. Ich habe mich vor den Spiegel gestellt.
  5. Der Dozent bedankt sich bei uns.

Fragen & Antworten:

Wie bilde ich reflexive Verben?

Reflexive Verben bildest du, indem du das Verb konjugierst und das zum Subjekt passende Reflexivpronomen auswählst.

Wie wähle ich das richtige Reflexivpronomen?

Meistens steht das Reflexivpronomen im Akkusativ. Wenn im Satz aber zusätzlich zum Reflexivpronomen noch ein Akkusativobjekt steht, dann steht das Reflexivpronomen im Dativ.

Wo stehen reflexive Verben im Satz?

Im Hauptsatz steht das Reflexivpronomen direkt hinter dem konjugierten Verb: Ich erhole mich oft in den Bergen. Im Nebensatz steht das Reflexivpronomen hinter dem Subjekt: Ich erhole mich, wenn ich mich lang genug ausruhen kann. Oder nach der Konjunktion: Sie weiß, dass sich ihre Freundin für Bücher interessiert.

Wortschatz:

  1. einerseits: auf der einen Seite, zum einen
  2. andererseits: auf der anderen Seite, zum anderen
  3. zurückbeziehen: sich auf etwas Vorheriges beziehen, in Beziehung setzen
  4. Verknüpfung (die): eine Verbindung
  5. vollständig: komplett, es fehlt nichts mehr
  6. Wahl (die): die Auswahl, die Unterscheidung
  7. Einheit (die): ein Ganzes

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Artikel von:

Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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