Zustandspassiv im Deutschen

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August 1

Was ist ein Zustandspassiv? Diese Frage hört man auch von Menschen, die perfektes Deutsch sprechen. Denn sie verwenden es oft unbewusst. Du willst es auch können? Dann erfahre hier, was mit dem Zustandspassiv gemeint ist!

Was ist Passiv?

Bevor du erfährst, was sich hinter dem Begriff „Zustandspassiv“ verbirgt, sollten wir als Erstes die Grundlage klären. Dazu gehört der Begriff „Passiv“, dessen Bedeutung sehr wichtig ist, um das Zustandspassiv verstehen zu können.

Wichtig zu wissen ist, dass es beim Passiv irrelevant ist, wer oder was in einem Satz eine Handlung ausführt. Im Fokus steht nicht der Handelnde, sondern die Handlung1 selbst. Ein Beispiel dazu:

Das Fenster wird geschlossen. In diesem Satz wird eine Handlung beschrieben – das Schließen eines Fensters – wer sie aber ausführt, ist nicht aufgeführt.

Neben einer Handlung kann mit dem Passiv aber auch ein Zustand ausgedrückt werden. Deshalb unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Passivformen: Es gibt Vorgangspassiv und Zustandspassiv.

Hast du eine Vermutung, in welcher Passivform das Beispiel mit dem Fenster formuliert wurde? Ja, ganz genau! In diesem Satz handelt es sich um das Vorgangspassiv. Mit dem Vorgangspassiv wird ein Vorgang beziehungsweise eine Handlung beschrieben.

Nun lass uns endlich herausfinden, was man unter dem eigentlichen Thema dieses Artikels versteht und was das Zustandspassiv ist.

Was ist das Zustandspassiv?

Wahrscheinlich kannst du dir bereits denken, was mit dem Zustandspassiv gemeint ist. Deshalb kannst du jetzt deine Ideen mit unserer Erklärung vergleichen, ob du mit deinen Vermutungen richtig liegst!

Das Zustandspassiv beschreibt im Gegensatz zum Vorgangspassiv keine Handlung, sondern einen Zustand oder ein Ergebnis einer abgeschlossenen Handlung. Hört sich das kompliziert an? Kein Problem: Lass uns die Bedeutung an einem Beispielsatz genauer anschauen.

Stell dir vor: Du hast wochenlang ein spannendes Buch gelesen und nun bist du endlich am Ende des Buches angekommen. Das Buch ist also bereits gelesen. Die Handlung (das Lesen) wurde somit abgeschlossen. Deshalb ist der Satz „Das Buch ist schon gelesen“ im Zustandspassiv formuliert.

Nun denke an den Prozess des Lesens. Das Buch wird gelesen – Das ist keine abgeschlossene Handlung, du befindest dich beim Lesen. Also wird mit diesem Satz das Vorgangspassiv ausgedrückt.

Um das Zustandspassiv zu identifizieren, hilft dir folgende Frage, mit der wir diese Passivform erfragen können: „Wie ist der Zustand?“ Im Gegensatz dazu können wir mit dem Vorgangspassiv die Frage „Was passiert?“ beantworten.

Mit dieser Frage können wir auch unseren Beispielsatz erfragen: Wie ist der Zustand?Das Buch ist (bereits) gelesen.

Zustandspassiv: Bildung

Die Bildung des Zustandspassivs ist absolut unkompliziert. Dabei musst du dir einfach nur merken, dass das Zustandspassiv mit dem Hilfsverb sein + Partizip II gebildet wird. Übrigens, aus diesem Grund gibt es noch eine andere Bezeichnung für das Zustandspassiv, nämlich „sein-Passiv“.

Lass uns kurz wiederholen, was man unter dem Partizip II versteht. Damit ist die Konjugationsart der Verben gemeint. Also die Art und Weise, wie sich ein Verb verändert. Und ein Verb im Partizip II hat in der Regel die Vorsilbe ge- und endet mit der Endung -t (regelmäßige Verben) oder -en (unregelmäßige Verben).

Hier sind ein paar Verben, die im Partizip II stehen: gesucht, genannt, gebrannt, gelaufen, geschlafen, gesungen.

Nun zurück zum Zustandspassiv. Grundsätzlich kann das Zustandspassiv in fast allen Zeitformen verwendet werden. Das Hilfsverb sein muss aber zum Glück nicht in jeder Zeitform neu konjugiert werden, sondern nur in Präsens, Präteritum und Futur.

In dieser Tabelle haben wir für dich das Hilfsverb sein je nach Zeitform konjugiert:

Abgesehen davon2 gibt es noch eine weitere Besonderheit, nämlich das Zustandspassiv mit Modalverben. Dabei bleibt die Bildung vom Zustandspassiv fast gleich. Nur das Hilfsverb sein wird in diesem Fall nicht konjugiert, sondern tritt als Infinitiv auf.

Zustandspassiv mit Modalverben bilden

Modalverb + Partizip II + Infinitiv von sein

Beispiel: Das Fenster muss geschlossen sein!

Zustandspassiv: Beispiele

Lust auf ein paar Beispiele? Sehr gerne! Diese findest du unten: Die Sätze sind im Zustandspassiv in verschiedenen Zeitformen formuliert.

  • Präsens: Das Geschirr ist abgewaschen.
  • Präteritum: Das Geschirr war abgewaschen.
  • Perfekt: Das Geschirr ist abgewaschen gewesen.
  • Plusquamperfekt: Das Geschirr war abgewaschen gewesen.
  • Futur II: Das Geschirr wird abgewaschen sein.

Wie du siehst, kommt im Zustandspassiv-Präteritum das Hilfsverb sein und das Partizip II. Im Zustandspassiv-Perfekt und -Plusquamperfekt kommt noch das Verb gewesen hinzu. Die Zeitform Futur II beschreibt eine in der Zukunft abgeschlossene Handlung und das Hilfsverb sein kommt in diesem Fall zweimal vor: in konjugierter Form als wird und in der Grundform als sein.

Nun kommen ein paar Beispiele für Zustandspassiv mit einigen Modalverben:

  • Handys müssen ausgeschaltet sein.
  • Das Auto kann repariert sein.
  • Gurken sollen gekauft sein.
  • Der Laden darf offen sein.

Zustandspassiv: Übungen

Welche Sätze sind im Zustandspassiv formuliert?

  1. Das Paket ist abgeholt.
  2. Klaus wird operiert.
  3. Das Auto war gereinigt.
  4. Der Zug wurde repariert.

Lösungen

  1. Das Paket ist abgeholt. (Zustandspassiv)
  2. Klaus wird operiert. (Vorgangspassiv)
  3. Das Auto war gereinigt. (Zustandspassiv)
  4. Der Zug wurde repariert. (Vorgangspassiv)

Fragen & Antworten:

Was ist Zustandspassiv?

Das Zustandspassiv beschreibt im Gegensatz zum Vorgangspassiv keine Handlung, sondern einen Zustand oder ein Ergebnis einer abgeschlossenen Handlung.

Wie bildet man das Zustandspassiv?

Für die Bildung des Zustandspassivs braucht man das Hilfsverb sein + Partizip II. Übrigens, aus diesem Grund gibt es noch eine andere Bezeichnung für das Zustandspassiv, nämlich „sein-Passiv“.

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Wortschatz:

  1. Handlung (die): eine Tätigkeit
  2. abgesehen von … : außer

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Artikel von:

Aleksandra

Hinter dem Polarkreis aufgewachsen und Lehrerin aus Leidenschaft. Ich liebe Deutsch und die Berge!

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