Das Dativobjekt im Deutschen

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September 8

Kennst du die vier Fälle im Deutschen? Richtig! Das sind Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Deutschlerner haben vor allem mit dem Dativ und dem Akkusativ einige Schwierigkeiten. Deshalb befassen wir uns in diesem Artikel mit einem dieser vier Fälle: dem Dativ. Ein Objekt, das im deutschen Satz im Dativ steht, heißt auch Dativobjekt. Wie fragt man nach dem Dativobjekt? Das klären wir hier! Es warten auch viele Verben auf dich, die den Dativ im deutschen Satz verlangen!

Was ist ein Dativobjekt? Frage richtig!  

Der Dativ ist laut Duden der dritte von insgesamt vier Fällen der deutschen Sprache. Kommst du oft mit diesen vier Fällen durcheinander? Kein Problem! Hier kommt ein Überblick zu den vier Fällen des Deutschen:

  • Nominativ (1.Fall): Wer oder was? Ich habe eine Schwester. Wer hat eine Schwester? – Ich.
  • Genitiv (2. Fall): Wessen? Das ist der Hund meines Bruders. Wessen Hund ist das? – Der (Hund) meines Bruders.
  • Dativ (3. Fall): Wem? Die Tasche gehört mir. Wem gehört die Tasche? – Mir.
  • Akkusativ (4. Fall): Wen oder was? Dieter besucht seinen Freund. Wen besucht Dieter? – Seinen Freund.

„Wie kann ich das Akkusativobjekt und Dativobjekt unterscheiden?“ Das ist eine sehr beliebte Frage unter Deutschlernern! Wie du im Beispielsatz von oben erkennen kannst, fragst du nach dem Akkusativ mit wen oder was. Die wen-Frage bezieht sich dabei auf Personen und die was-Frage auf Sachen: Tina sammelt Bücher. Was sammelt Tina? – Bücher. Der vierte Fall zeigt damit an, wen oder was eine Handlung1 betrifft. Es geht also um Personen oder Sachen, mit denen etwas gemacht wird oder die für eine bestimmte Handlung benutzt werden. Die Frage nach dem Dativ enthält nur ein Fragewort. Merke dir: Nach dem Dativ fragst du mit dem Fragewort wem. Er heißt deshalb auch Wem-Fall.

Was ist ein Dativobjekt?

Wir konzentrieren uns nun auf den Begriff „Dativobjekt”. Ein Objekt, das im Dativ steht, heißt Dativobjekt oder auch indirektes Objekt. Das Dativobjekt ist also ein Objekt, das im dritten Fall steht. Für den Anfang schauen wir uns am besten ein paar Sätze mit Dativobjekt an. Du siehst, dass Dativobjekte aus einem einzigen Wort bestehen können:

Beispiel: Dativobjekt aus einem Wort

Ich helfe Tina. (Wem helfe ich? Dativobjekt als Nomen)

Das Fahrrad gehört dir. (Wem gehört das Fahrrad? Dativobjekt als Personalpronomen

Die Funktion des Dativs besteht darin, einen Empfänger2 oder Besitzer3 von etwas deutlich zu machen. Im ersten Beispielsatz ist Tina der Empfänger meiner Hilfe und Tina steht im Dativ. Im zweiten Beispielsatz zeigt das Personalpronomen dir als Dativobjekt den Besitzer einer Sache an. Ein Dativobjekt kann auch aus mehreren Wörtern gebildet werden:

Beispiel: Dativobjekt aus mehreren Wörtern

Tom vertraut seinem Freund. (Wem vertraut Tom? Dativobjekt aus Possessivpronomen seinem” + Nomen Freund”)

Lena verzeiht ihrer besten Freundin immer wieder. (Wem verzeiht Lena immer wieder? Dativobjekt aus Possessivpronomen ihrer” + Attribut besten” + Nomen Freundin”)

Es können sogar ganze Sätze ein einziges Dativobjekt bilden: Erzähl deine Lügen doch, wem auch immer du willst. Wo ist hier das Dativobjekt? Das ist nicht ganz einfach, aber es gibt einen tollen4 Trick: Wende die Ersatzprobe an und ersetze ein Objekt einfach durch ein anderes Wort: Erzähl deine Geschichten doch ihm. Somit ist klar, dass der ganze Satzteil „wem auch immer du willst“ im Dativ steht, weil diese Wörter durch ein einziges Wort ersetzt werden können und du fragen kannst: Erzähl deine Geschichte doch wem? – Ihm.

Verben mit Dativobjekt

Konzentrieren wir uns nun auf deutsche Verben. Das Dativobjekt ist eine Satzergänzung, die das Verb um eine wichtige Information ergänzt5. Wenn ein Verb ein Dativobjekt fordert, dann nennt sich das Dativobjekt auch Ergänzung. Was heißt hier fordern? Das bedeutet, dass das Verb bestimmt, ob ein Dativobjekt im Satz stehen muss. Deshalb ist es auch wichtig, die entsprechenden Ergänzungen zu den deutschen Verben immer dazuzulernen. Nur so weißt du, ob ein gewisses Verb das Dativobjekt verlangt oder nicht. Es gibt nämlich leider keine einheitliche Regel, welche deutschen Verben das Dativobjekt fordern. Aber es gibt eine Tendenz6, nach der du dich richten kannst.

Es gibt zum Beispiel sogenannte intransitive Verben. Das sind alle Verben, die eine Ergänzung im Dativ fordern und keine Akkusativergänzung haben. Und auch Verben des Nehmens und Gebens sowie Verben der Mitteilung verlangen den Dativ. Diese Verben schauen wir uns jetzt der Reihe nach genauer an. Lass uns mit den intransitiven Verben beginnen!

Intransitive Verben

Intransitive Verben verwendest du im deutschen Satz ohne ein Akkusativobjekt. Diese Verben können also nicht mit einem Akkusativobjekt vorkommen. Sie können in einem Satz aber mit anderen Objekten stehen, zum Beispiel mit einem einem Dativobjekt, Genitivobjekt oder Präpositionalobjekt. Das sind einige dieser Verben, die eine Ergänzung im Dativ fordern:

  • absagen: Leider muss ich dir morgen absagen.
  • antworten: Bitte antworte mir bis nächsten Montag.
  • begegnen: Ich bin heute einem interessanten Menschen begegnet.
  • beitreten: Möchtest du unserer Gruppe beitreten?
  • danken: Ich danke Ihnen für dieses tolle Geschenk.
  • fehlen: Mir fehlt heute die Energie zum Sport.
  • folgen: Bitte folgen Sie dem Weg.
  • gefallen: Die neue Jacke gefällt meiner Schwester sehr gut.
  • gehören: Wem gehören diese Schuhe unter dem Tisch?
  • gelingen: Ich gebe mir immer viel Mühe mit dem Kochen, aber es gelingt mir nie.
  • genügen: Ein Urlaub pro Jahr genügt mir.
  • glauben: Warum glaubst du mir nicht nicht?
  • gratulieren: Marie gratuliert ihrem Bruder zum Geburtstag.

Lust auf noch mehr intransitive Verben?

  • helfen: Der Arzt hilft dem Patienten.
  • passieren: Zum Glück ist Ihnen bei dem Unfall nichts passiert.
  • raten: Ich rate dir ab, fremden Menschen zu schnell zu vertrauen.
  • schaden: Zu viel Zucker schadet der Gesundheit.
  • schmecken: Schokolade schmeckt mir am besten.
  • gut tun: Welche schönen Dinge tun dir gut?
  • vertrauen: Ich möchte ihm vertrauen, aber ich kann es noch nicht.
  • widersprechen: Der Mitarbeiter widerspricht seinem Chef.
  • zuhören: Die Schüler hören dem Deutschlehrer zu.
  • zustimmen: Kannst du mir bei diesem Thema zustimmen?

Wie kannst du dir diese intransitiven Verben am leichtesten merken? Ganz einfach! Viele dieser Verben, die du mit einem Dativobjekt bildest, gehören zu zwei großen Gruppen von deutschen Verben. Das sind Verben des Gebens und Nehmens sowie Verben des Mitteilens. Zu den Verben des Gebens und Nehmens gehören zum Beispiel bringen oder schenken: Ich bringe dir Abendessen mit und du schenkst mir dafür deine Schokolade. Zu den Verben des Mitteilens zählen unter anderem erklären oder antworten: Du erklärst mir den Unterschied von dass und das und ich antworte dir dann auf deine Frage.

Sätze mit Akkusativobjekt + Dativobjekt

In deutschen Sätzen tritt das Dativobjekt sehr oft zusammen mit dem Akkusativobjekt auf:

Beispiel: Dativobjekt + Akkusativobjekt

Ich gebe ihm einen Gutschein.

Wem gebe ich einen Gutschein? Ihm (Dativobjekt).

Wen oder was gebe ich ihm? Einen Gutschein (Akkusativobjekt).

Die Kombination Dativobjekt + Akkusativobjekt ist typisch für Verben des Gebens und Nehmens, wie zum Beispiel bringen, geben, leihen, schenken oder schicken. Solche Verben legen fest, dass es mindestens zwei Personen geben muss. Eine Person übergibt etwas, die andere Person empfängt etwas. Auch Verben der Mitteilung stehen oft mit Akkusativ- und Dativobjekt, wie beispielsweise empfehlen, erklären, sagen oder zeigen: Ich zeige dir meine Wohnung.

Der freie Dativ

Wenn in Sätzen Dativobjekte nicht zwingend notwendig sind, dann handelt es sich um den sogenannten freien Dativ. Diese Dativobjekte können also im Satz weggelassen werden. Es sind damit keine notwendigen Ergänzungen, sondern nur zusätzliche Angaben: Ich stricke meiner Schwester einen Schal. Wem stricke ich einen Schal? – Meiner Schwester. Du kannst auch sagen: Ich stricke einen Schal. Auch ohne Objekt im Dativ ist dieser Satz vollständig, denn er besteht aus einem Subjekt, einem Prädikat und einem Akkusativobjekt. Meiner Schwester ist somit eine zusätzliche, aber nicht zwingend notwendige Angabe.

Fragen & Antworten

Wie frage ich nach dem Dativobjekt?

Die Frage nach dem Dativobjekt lautet „wem?“.

Was sind intransitive Verben?

Intransitive Verben verwendest du im deutschen Satz ohne ein Akkusativobjekt.

Was ist ein freier Dativ?

Der freie Dativ ist ein Dativobjekt, das im Satz weggelassen werden kann, also nicht unbedingt notwendig ist.

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Wortschatz

  1. Handlung (die): bestimmte Tätigkeiten, die ein Mensch macht.
  2. Empfänger (der): jemand, der etwas bekommt/entgegennimmt
  3. Besitzer (der): Person, der etwas gehört
  4. toll: super, sehr gut
  5. ergänzen: hinzufügen
  6. Tendenz (die): eine bestimmte Richtung/Struktur

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Artikel von:

Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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