Was ist der Dativ?

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Oktober 5

Der Dativ ist der dritte Fall im Deutschen und gehört zu den insgesamt vier Fällen. Diese vier Fälle heißen Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Das weißt du bestimmt schon. Aber weißt du auch, wie du den dritten Fall richtig verwendest und erkennst? Das ist oft gar nicht so einfach! Viele Deutschlerner kommen bei den vier Fällen oft durcheinander. Einige dieser Schüler lernen schon seit Jahren Deutsch und sind deshalb sehr frustriert1. Manche ärgern sich im Deutschunterricht regelmäßig über sich selbst, weil sie immer noch unsicher sind, wann sie den Dativ oder einen der anderen deutschen Fälle verwenden müssen. Geht dir das auch so?

Das kann ich gut verstehen! Es ist wirklich nicht einfach, die vier Fälle voneinander zu unterscheiden und die richtigen Verben, Präpositionen oder Pronomen zu verwenden! Deshalb möchte ich dir in diesem Artikel einen guten Überblick über den dritten Fall geben! Du lernst, wie du nach dem Dativ fragen kannst und perfekte Sätze im dritten Fall bildest! Es warten auch viele Verben, Präpositionen und Personalpronomen auf dich, die du mit dem deutschen Dativ nutzt. Los geht’s!

was ist dativ

Der Dativ: Frage richtig!

Beginnen wir erst einmal mit einer kurzen Wiederholung der vier Fälle:

  • Nominativ (1. Fall): Wer oder was? Ich lerne Deutsch. Wer lernt Deutsch? – Ich.
  • Genitiv (2. Fall): Wessen? Das ist die Jacke meines Bruders. Wessen Jacke ist das? – Die (Jacke) meines Bruders.
  • Dativ (3. Fall): Wem? Das Auto gehört mir. Wem gehört das Auto? – Mir.
  • Akkusativ (4. Fall): Wen oder was? Ich esse ein großes Stück Kuchen. Was esse ich? – Ein großes Stück Kuchen.

Lass uns diese Fragewörter genauer anschauen! Du siehst, dass du nach dem Akkusativ mit wen oder was fragen kannst. Die was-Frage bezieht sich dabei auf Sachen und die wen-Frage auf Personen: Sebastian besucht seinen Freund. Wen besucht Sebastian? – Seinen Freund. Der Akkusativ, also der vierte Fall, zeigt damit an, wen oder was eine Handlung2 betrifft. Es geht somit um Personen oder Sachen, mit denen etwas gemacht wird oder die für eine bestimmte Handlung benutzt werden.

Auch der Nominativ hat zwei Fragewörter. Du nutzt das Fragewort wer, wenn du nach Personen fragst. Das Fragewort was verwendest du für Sachen. Übrigens: Hast du gewusst, dass Tiere laut Duden als Sachen gelten? Ein Beispiel: Heute wäre mir fast eine schwarze Katze vor mein Auto gelaufen. Was ist dir heute fast vor dein Auto gelaufen? – Eine schwarze Katze. Jeweils nur ein Fragewort haben die Fälle Genitiv und Dativ. Wie lautet nochmal die Dativ-Frage? Erinnerst du dich noch an das Dativ-Fragewort und das Genitiv-Fragewort? Super! Das solltest du dir gut merken: Nach dem dritten Fall fragst du mit dem Fragewort wem und nach dem Genitiv mit dem Fragewort wessen. Diese Fälle heißen deshalb auch Wem-Fall oder Wessen-Fall.

Sätze mit Dativ: Was ist ein Dativobjekt?

Ein Objekt, das im dritten Fall steht, heißt  „ Dativobjekt” oder auch  „indirektes Objekt”. Das Dativobjekt ist also ein Objekt, das im dritten Fall steht. Was drückt der dritte Fall im deutschen Satz eigentlich aus? Die Funktion des Dativs ist es, einen Empfänger3 von etwas deutlich zu machen. Das ist ein Dativ-Beispiel:

Beispiel: die Dativ-Frage

Ich helfe meiner Schwester. Wem helfe ich? – Meiner Schwester (Dativ).

Hier ist das Dativobjekt meiner Schwester der Empfänger meiner Hilfe. Der dritte Fall besteht aus dem Possessivpronomen meiner und dem Nomen Schwester. Du kannst auch einen Besitzer4 von etwas durch den Dativ ausdrücken: Die Schuhe gehören dir. Wem gehören die Schuhe? – Dir. In diesem Satz zeigt das Personalpronomen dir den Besitzer einer Sache an.

Sätze richtig bilden im Dativ: Artikel

Um den Dativ in einem Satz richtig verwenden zu können, musst du das jeweilige Nomen, das Pronomen, den begleitenden Artikel oder das Adjektiv an den dritten Fall anpassen. Das nennt sich auch deklinieren, wenn du diese Wortarten an den passenden Kasus, Genus und Numerus anpasst. Sehen wir uns zuerst die Formen im dritten Fall mit dem bestimmten und dem unbestimmten Artikel an:

Beispiel: Deklination der Artikel im Dativ

bestimmter Artikel:

  • Ich helfe dem Mann (Maskulinum)
  • Ich helfe der Frau (Femininum)
  • Ich helfe dem Kind (Neutrum)
  • Ich helfe den Eltern (Plural)

unbestimmter Artikel:

  • Ich helfe einem Mann (Maskulinum)
  • Ich helfe einer Frau (Femininum)
  • Ich helfe einem Kind (Neutrum)

Für den unbestimmten Artikel kannst du keinen Plural im dritten Fall bilden. Apropos5 Plural! Es gibt eine Besonderheit im dritten Fall, die wir uns unbedingt anschauen müssen: das Dativ-Plural-n.

Das Dativ-Plural-n

Im Plural hat der wem-Fall eine eigene Endung. Das unterscheidet den dritten Fall von den anderen Fällen im Deutschen. Der Dativ hat die Endung –n im Plural, wenn die Pluralform nicht auf –s oder –n endet:

  • der Tag – die Tage – den Tagen
  • der Tisch – die Tische – den Tischen
  • die Maus – die Mäuse – den Mäusen
  • das Gebirge – die Gebirge – den Gebirgen
  • das Segel – die Segel – den Segeln
  • der Geist – die Geister – den Geistern
  • das Fahrrad – die Fahrräder – den Fahrrädern
  • das Muster – die Muster – den Mustern
  • das Bild – die Bilder – den Bildern

Wenn der Plural auf -s oder -n endet, bekommt der dritte Fall kein Plural-n:

  • der Garten – die Gärten – den Gärten
  • das Auto – die Autos – den Autos
  • die Frau – die Frauen – den Frauen

Bei Maßangaben und Mengenbezeichnungen mit der Endung –el und –er sind in der Form Maskulinum und Neutrum beide Formen richtig: Das Kochen von Nudeln gelingt mit zwei Liter Wasser am besten. Oder: Nudeln werden am besten mit zwei Litern Wasser gekocht. Der fünfte Stock befindet sich in drei Meter Höhe. Oder: In drei Metern Höhe befindet sich der fünfte Stock. In zwei Drittel der Fälle gab es keine Probleme. Oder: In zwei Dritteln der Fälle gab es keine Probleme. Hier kannst du also keine Fehler in der deutschen Grammatik machen! Das ist eine gute Nachricht, oder?

Präpositionen mit Dativ

Wenn es um den Dativ geht, dann ist ein Thema in der deutschen Sprache besonders wichtig: Dativ + Präpositionen! An Präpositionen führt kein Weg vorbei6, wenn du fließend Deutsch sprechen und schreiben möchtest. Das solltest du zunächst wissen: Präpositionen bestimmen, in welchem Fall die folgenden Wörter in einem Satz stehen. Ob der Dativ, der Akkusativ oder der Genitiv verwendet werden muss, wird von der Präposition bestimmt:

  • mit (Dativ): Sie kommt mit dem Bus.
  • ohne (Akkusativ): Sie kommt ohne ihren Freund.
  • statt (Genitiv): Statt des Fahrrads nimmt sie den Bus.

Das sind die wichtigsten Präpositionen, die du mit dem dritten Fall verwendest:

  • ab: Ab Montag werde ich keine Schokolade mehr essen.
  • aus: Was bringt dich aus der Ruhe?
  • außer: Außer uns möchte niemand früh morgens zum Sport gehen.
  • bei: Ich bin gerne bei dir zu Hause!
  • dank: Dank meiner Mutter bin ich sehr ordentlich.
  • entgegen: Entgegen meiner Erwartungen hat es heute nicht geregnet.
  • entsprechend: Ich koche entsprechend den Vorgaben im Kochbuch.
  • gemäß: Gemäß dem neuen Gesetz bekommen wir einen Urlaubstag pro Jahr zusätzlich.
  • gegenüber: Er war dir gegenüber so gemein!
  • laut: Laut meiner Schwester kann man beim Einkaufen viel Geld sparen.
  • mit: Ich fahre mit dem Bus in die Stadt.
  • (mit)samt: Du kannst Äpfel (mit)samt der Schale essen.
  • nach: Ich fahre nach Irland.
  • per: Kannst du mir die Unterlagen bitte per Post schicken?
  • seit: Ich achte auf meine Ernährung seit vielen Wochen.
  • von: Du hast von deinem besten Freund ein Geschenk bekommen.
  • zu: Kommst du heute zu mir?
  • zufolge: Den Politikern zufolge werden die Preise für Lebensmittel immer mehr steigen.
  • zuliebe: Ich gehe nur dir zuliebe heute einkaufen.

Wechselpräpositionen: dritter oder vierter Fall?

Warum machen Präpositionen so vielen Deutschlernen Probleme? Das liegt vor allem daran, dass manche Präpositionen mit unterschiedlichem Kasus verwendet werden können. Diese Präpositionen heißen  „Wechselpräpositionen” und sie fordern entweder den Dativ oder den Akkusativ: an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor und zwischen. Wie kannst du unterscheiden, ob du den Dativ oder den Akkusativ verwenden musst? Das ist ganz einfach. Du verwendest den dritten Fall, wenn du eine Ortsangabe machst und sich etwas an einem Ort befindet. Der Akkusativ bezeichnet eine Ortsveränderung, eine bestimmte Bewegung oder Richtung:

Beispiel: Wechselpräpositionen

Der Stift liegt neben dem Buch. – Wo liegt der Stift? – Neben dem Buch (Dativ).

Sie legt den Stift neben das Buch. – Wohin legt sie den Stift? – Neben das Buch (Akkusativ).

Die Präposition „wegen”: Dativ oder Genitiv?

Manche Präpositionen kannst du sowohl mit dem wem-Fall als auch mit dem Genitiv verwenden. Dazu gehört zum Beispiel die Präposition wegen: Ich bin mit ihm wegen des Geldes befreundet (Genitiv). Oder: Er ist mit mir wegen dem Geld befreundet (Dativ). In der Bedeutung unterscheiden sich diese Präpositionen nicht. Die Bedeutung bleibt also gleich, egal ob du den zweiten oder dritten Fall verwendest. Wegen verwendest du mit dem Dativ eher in der Umgangssprache. Auch bei diesen Präpositionen kannst du zwischen Genitiv – Dativ wählen: dank ihres Einsatzes (Genitiv) – dank ihrem Einsatz (Dativ), statt des Geldes (Genitiv) – statt dem Geld (Dativ), laut ärztlichen Schreibens (Genitiv) – laut ärztlichem Schreiben (Dativ). Zwischen Dativ und Akkusativ kannst du bei dieser Formulierung wählen: ab erstem Mai (Dativ) – ab ersten Mai (Akkusativ).

Dativ: Pronomen

Kennst du die deutschen Personalpronomen? Personalpronomen ersetzen im Satz ein zuvor bereits erwähntes Nomen. Jede Person hat dabei ein eigenes Personalpronomen: ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie. Diese Personalpronomen werden dekliniert, also an den jeweiligen Kasus angepasst. So werden die Personalpronomen an den dritten Fall angepasst:

Personalpronomen im Dativ

ich: Kannst du mir helfen?

du: Ich kann dir helfen.

er/sie/es: Er kann ihm/ihr/ihr helfen.

wir: Wer kann uns helfen?

ihr: Wir können euch helfen.

sie/Sie: Wir helfen ihnen/Ihnen.

Natürlich kannst du auch andere Pronomen im dritten Fall deklinieren. So verwendest du Possessivpronomen im Dativ mit dem Genus Maskulinum (der Freund) und Neutrum (das Kind):

Possessivpronomen im Dativ

Maskulinum und Neutrum

ich: Kannst du meinem Freund/Kind helfen?

du: Ich kann deinem Freund/Kind helfen.

er/sie/es: Er/Sie/Es kann seinem/ihrem/seinem Freund/Kind helfen.

wir: Wer kann unserem Freund/Kind helfen?

ihr: Wir können eurem Freund/Kind helfen.

sie/Sie: Wir helfen ihrem/Ihrem Freund/Kind.


Femininum

ich: Kannst du meiner Schwester helfen?

du: Ich kann deiner Schwester helfen.

er/sie/es: Er/Sie/Es kann seiner/ihrer/seiner Schwester helfen.

wir: Wer kann unserer Schwester helfen?

ihr: Wir können eurer Schwester helfen.

sie/Sie: Wir helfen ihrer/Ihrer Schwester.

Die Formen im Plural werden so dekliniert:

Possessivpronomen im Dativ Plural

ich: Kannst du meinen Eltern helfen?

du: Ich kann deinen Eltern helfen.

er/sie/es: Er/Sie/Es kann seinen/ihren/seinen Eltern helfen.

wir: Wer kann unseren Eltern helfen?

ihr: Wir können euren Eltern helfen.

sie/Sie: Wir helfen ihren/Ihren Eltern.

Hast du Lust auf noch mehr Dativ-Beispiele oder Dativ-Übungen? Dann schau dir den Beitrag Präpositionen mit Dativ an!

Fragen & Antworten

Was ist „Dativ”?

Der Dativ ist der 3. deutsche Fall (Kasus). Er antwortet auf die Frage wem? Ich gebe meiner Schwester Geld. Wem gebe ich Geld? – Meiner Schwester.

Wann verwendet man den Dativ?

Nach bestimmten Verben nutzt du den Dativ: absagen, antworten, begegnen, beitreten, danken, fehlen, folgen, gefallen, gehören, gelingen, genügen, glauben, gratulieren, helfen, passieren, raten, schaden, schmecken, gut tun, vertrauen, widersprechen, zuhören, zustimmen

Welche Präpositionen werden mit Dativ verwendet?

Zu den häufigsten Präpositionen mit Dativ gehören: ab, aus, bei, mit, nach, seit, von, zu. Auch diese Präpositionen stehen mit Dativ: außer, entgegen, entsprechend, gegenüber, gemäß, samt, mitsamt, zuliebe und zufolge.

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Wortschatz

  1. frustriert sein: enttäuscht, deprimiert, entmutigt sein
  2. Handlung (die): bestimmte Tätigkeiten, die ein Mensch macht
  3. Empfänger (der): jemand, der etwas bekommt/entgegennimmt
  4. Besitzer (der): Person, der etwas gehört
  5. apropos: übrigens, nebenbei bemerkt
  6. es führt kein Weg daran vorbei: nicht vermeidbar, ohne Alternative, zwingend

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Artikel von:

Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

  • Liebe Frau Maria,
    ich hoffe, Ihnen geht Ihnen gut. Bei ist alles okay. Ich biete Ihnen können sie ein Video von Passiv und Aktiv.
    Liebe Grüße A..

    • Hey Alasan,

      wir haben uns das Thema notiert. Vielen Dank für deinen Vorschlag.

      Viele Grüße
      Dein Sprachcoach Team
      Aleksandra

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