Fragewörter im Deutschen

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August 3

Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“ So beginnt das Lied der Sesamstraße (englisch: Sesame Street), eine auch in Deutschland sehr bekannte Serie für Kinder. Wir machen es jetzt genauso und stellen auch viele Fragen. Damit das Fragenstellen perfekt klappt1, lernst du in diesem Artikel die wichtigsten Fragewörter und ihre Besonderheiten kennen.

Wann verwendest du Fragewörter?

Im Deutschen nutzt du Fragewörter, um Fragen zu stellen. Klar, das ist logisch. Um richtige Fragen zu formulieren, gibt es zwei Möglichkeiten. Du kannst entweder eine Frage stellen, die mit „ja“ oder „nein“ beantwortet wird oder du fragst nach mehr Informationen und verwendest die sogenannten „W-Fragen“. Schauen wir uns den Unterschied genauer an!

Ja-/Nein-Fragen

Ja-/Nein-Fragen gehören zu den Fragesätzen. Das sind Fragen, auf die du nur mit „ja“ oder „nein“ antworten kannst. Du musst wissen, dass solche Fragesätze keine Fragewörter benötigen:

Beispiel: Fragen ohne Fragewörter

Möchtest du mich heiraten?

Habt ihr heute schon Deutsch gelernt?

Telefonieren Sie gerade?

Auf alle drei Fragen kannst du nur mit „ja“ oder „nein“ antworten. Diese Art von Fragesätzen nennt man auch Entscheidungsfragen, weil mit der Antwort auf diese Fragen eine Entscheidung ausgedrückt wird. Es gibt nur zwei Antwortmöglichkeiten auf Ja-/Nein-Fragen. Du telefonierst zum Beispiel gerade oder du telefonierst im Moment nicht. Es gibt also keine andere sinnvolle Antwort. Du kannst dir bestimmt vorstellen, dass ein Gespräch mit Ja-/Nein-Fragen relativ kurz wird. Dein Gesprächspartner wird auf Ja-/Nein-Fragen nur sehr knapp2 antworten. Viele Informationen oder Details bekommst du bei dieser Fragetechnik nicht. Möchtest du ein ausführlicheres3 Gespräch führen, solltest du andere Fragen stellen. Und dafür benötigst du einige Fragewörter. Welche sind das?

Die W-Fragewörter: Wie viele W-Fragen gibt es?

Hast du schon einmal von dem Begriff „W-Fragen” gehört? Das sind Fragewörter, die mit dem Buchstaben w beginnen. Werden W-Fragen benutzt, muss der Gesprächspartner in seiner Antwort viel mehr Informationen ergänzen. Die sieben sehr häufig benutzten W-Fragewörter im Deutschen sind:

  • Wer? Frage nach einer Person: Wer hat dich angerufen?
  • Was? Frage nach einer Sache oder etwas Abstraktem4: Was möchtest du essen? Was machst du?
  • Wann? Frage nach einem Zeitpunkt oder Zeitraum: Wann fährst du in den Urlaub?
  • Wo? Frage nach einem Ort: Wo kommst du her?
  • Warum? Frage nach einem Grund, einer Ursache: Warum bist du zu spät?
  • Wie? Frage nach einer Art und Weise: Wie bist du in die Stadt gekommen?
  • Wozu? Frage nach einem Zweck: Wozu benötigst du so viele Schuhe?
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Fragewörter: Fälle im Überblick

Zwei dieser W-Fragen kennst du bereits von den vier Fällen im Deutschen. Hast du eine Idee, welche ich meine? Super! Die Fragewörter „wer“ und „was“ verwendest du, um nach dem Nominativ zu fragen. Weißt du noch, wie die Fragen zu den anderen Fällen lauten? Wie fragt man nach dem Dativobjekt nochmal? Und wie fragt man nach dem Akkusativ? Damit du bei den vier Fällen nicht durcheinander kommst, habe ich hier die Fragewörter für alle vier Kasusformen zur Wiederholung für dich:

  • Fragewort 1. Fall Nominativ: Wer oder was? Ich habe einen Hund. Wer hat einen Hund? – Ich.
  • Fragewort 2. Fall Genitiv: Wessen? Das ist der Hund meiner Schwester. Wessen Hund ist das? – Der Hund meiner Schwester.
  • Fragewort 3. Fall Dativ: Wem? Die Katze gehört mir. Wem gehört die Katze? – Mir.
  • Fragewort 4. Fall Akkusativ: Wen oder was? Daniel besucht seine Freundin. Wen besucht Daniel? – Seine Freundin.

Du siehst, dass das Nominativ-Fragewort und das Akkusativ-Fragewort jeweils nicht alleine steht. Hier musst du nämlich unterscheiden, ob du nach einer Person (wer? wen?) oder nach einer Sache fragst (was?). Beim Genitiv-Fragewort und Dativ-Fragewort gibt es nur eine Möglichkeit, hier triffst du keine Unterscheidung. Manche Fragewörter kombinierst du übrigens mit Präpositionen: Mit wem telefonierst du? Auf wen wartest du? Im Artikel Verben mit Präpositionen erfährst du dazu mehr!

Noch mehr deutsche Fragewörter

Hast du Lust auf noch mehr Fragewörter? Perfekt, denn es gibt noch viel mehr davon:

  • Woher? Frage von welchem Ort etwas oder jemand kommt: Woher kommst du?
  • Wohin? Frage zu welchem Ort sich etwas oder jemand bewegt: Wohin gehen wir?

Es gibt auch einige alternative Fragewörter für „warum”. Diese Fragewörter nutzt du, um Gründe oder Ursachen für etwas zu erfragen:

  • Weshalb? Weshalb hast du mich nicht zurückgerufen?
  • Weswegen? Weswegen machst du das?
  • Wieso? Wieso kennst du den Unterschied von „das und dass“ noch nicht?

Fragewörter können auch entstehen, wenn du sie mit Präpositionen oder Adverbien kombinierst:

  • wo + Präposition: Woran denkst du? Wovon sprichst du? Worauf freust du dich?
  • wie + Adverb: Wie lange dauert es, bis du neue deutsche Wörter in Gesprächen verwendest? Wie oft liest du auf Deutsch?

Fragewort + Präposition

Wenn die Präposition mit einem Vokal beginnt, dann wird zwischen das „wo“ und die Präposition ein „r“ gestellt:

wo + r + an = woran

wo + r + über = worüber

Welche Fragewörter werden dekliniert?

Zum Thema „Fragewörter Deutsch” gehört es auch dazu, dass wir uns ein paar schwierigere Fragewörter anschauen. Warum gibt es bestimmte Fragewörter, die du nicht so einfach verwenden kannst? Das liegt daran, dass bestimmte Fragewörter dekliniert werden. Sie werden also an den jeweiligen Kasus, Numerus und Genus eines Substantivs angepasst. Drei besondere Fragewörter solltest du unbedingt kennen:

  • wer/was” wird mit Ausnahme des Genitivs wie der bestimmte Artikel dekliniert: Wir haben deine Schwester gesehen. Wen habt ihr gesehen?
  • welcher/welche/welches: Durch diese Fragewörter fragst du nach Personen oder Sachen innerhalb einer Gruppe. Sie werden wie ein Adjektiv ohne Artikel dekliniert: Fettiges Essen ist ungesund. Welches Essen ist ungesund? Ich habe grüne und rote Äpfel. Welche möchtest du lieber?
  • Was für ein…? Durch diese Wortgruppe fragst du nach bestimmten Eigenschaften von Personen oder Sachen. Hier deklinierst du nur den unbestimmten Artikel: Was für eine Farbe ist das? In was für einen Film möchtest du gehen? Da der unbestimmte Artikel keine Pluralform hat, wird der Plural ohne den unbestimmten Artikel gebildet: Was für deutsche Filme kennst du?

Fragewörter in der Praxis

Fragewörter verwendest du nicht nur, um ein perfektes Gespräch auf Deutsch zu führen. Sie können sogar Leben retten! Wenn du zum Beispiel den deutschen Notruf5 wählen musst, bekommst du diese Fragen gestellt: Wo ist das Ereignis? Wer ruft an? Was ist geschehen? Wie viele Betroffene6? Du solltest auf jeden Fall in der Lage sein, diese Fragen richtig zu beantworten.

Auch zum effektiven Lesen eines deutschen Textes helfen dir Fragewörter weiter. Damit du alle wichtigen Informationen von einem Text herausfinden kannst, orientierst du dich am besten an den bekannten W-Fragen. Lies den jeweiligen Text mindestens zweimal durch und markiere die Antworten auf alle W-Fragen. Für jede W-Frage kannst du eine andere Farbe benutzen, so behältst du den Überblick. Diese Methode bietet sich vor allem für sachliche Texte, zum Beispiel Nachrichten, an.

Fragen & Antworten:

Was sind W-Fragewörter?

Fragewörter verwendest du, um W-Fragen zu bilden. Die sieben sehr häufig benutzten W-Fragewörter im Deutschen sind: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wozu?

Wie verwende ich Fragewörter?

Die meisten Fragewörter nutzt du im Satz, ohne dass du sie verändern musst. Einige der Fragepronomen werden jedoch nach Fällen dekliniert: „welcher/welche/welches“, „wer“/„was“ und „was für ein/eine“. Das Fragewort steht im Fragesatz immer an erster Stelle.

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Wortschatz:

  1. klappen: funktionieren, gelingen
  2. knapp: kurz
  3. ausführlich: viel, umfangreich, ausgiebig
  4. abstrakt: begrifflich, theoretisch, gedacht, kein Gegenstand
  5. Notruf (der): ein SOS-Ruf, Hilferuf bei Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei
  6. Betroffene (der): ein Beteiligter, hier: Unfallopfer

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Artikel von:

Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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