Unbestimmte Artikel: ein, eine, ein

Lisa

August 26

Die Artikel spielen in der deutschen Sprache eine essenzielle Rolle – so auch unbestimmte Artikel. Ohne sie ist es fast gar nicht möglich, einen korrekten Satz zu bilden! Leider ist die Verwendung der bestimmten und unbestimmten Artikel im Deutschen ziemlich kompliziert. Viele Deutschlerner sind deswegen völlig frustriert und denken, dass sie die deutschen Artikel niemals beherrschen werden. Aber so eine negative Einstellung1 brauchst du gar nicht zu haben. Mit der richtigen Erklärung und genügend Übung kannst auch du zum Artikel-Profi werden! In diesem Beitrag erfährst du alles, was du über unbestimmte Artikel wissen musst.

Was ist ein Artikel?

Hast du schon unseren Blogbeitrag über die bestimmten Artikel – der, die, das angesehen? Wenn nicht, kann ich ihn dir wärmstens empfehlen! Zu dem Thema deutsche Artikel haben wir eine ganze Reihe an Blogbeiträgen, um Licht ins Dunkel zu bringen2. Du musst die Beiträge nicht unbedingt nach einer festen Reihenfolge lesen. Um die unbestimmten Artikel ein, eine, ein besser zu verstehen, fängst du aber idealerweise mit dem Beitrag zu der, die, das an. Dort erfährst du, dass die Artikel eine eigene Wortart bilden. Diese Wortart der Artikel hängt ganz eng mit einer anderen Wortart zusammen: den Nomen. Auch unbestimmte Artikel stehen immer vor einem Nomen. Sie werden deshalb auch Nomenbegleiter genannt.

Unbestimmte Artikel

Wie bestimmte Artikel hängen auch unbestimmte Artikel vom grammatischen Geschlecht (Genus) des Nomens ab. Um das Genus eines Nomens zu kennen, müssen wir der, die, das immer zusammen mit dem Nomen lernen. Denn leider können wir nicht am Nomen erkennen, mit welchem der drei Begleitern es steht. Aber ein paar Orientierungshilfen zum Artikellernen gibt es zum Glück schon. Diese findest du im Blogbeitrag “Merkregeln zum Artikellernen“.

Hier sind Beispiele für die drei verschiedenen Geschlechter:

  • männlich („maskulin“): der Tisch
  • weiblich („feminin“): die Lampe
  • sächlich („neutral“): das Sofa

Wenn du den bestimmten Artikel eines Nomens fleißig gelernt hast, dann kannst du sofort ableiten, welchen unbestimmten Artikel das Nomen hat.

  • der: ein Tisch
  • die: eine Lampe
  • das: ein Sofa

Es gibt also drei unbestimmte Artikel: ein, eine und ein. Männliche und sächliche Nomen haben also den gleichen unbestimmten Artikel ein. Bei weiblichen Nomen musst du daran denken, ein -e anzuhängen. Das kannst du dir dadurch merken, dass auch der bestimmte Artikel die auf ein -e endet (auch wenn das -e hier nicht gesprochen wird).

Verwendung: Unbestimmte Artikel und bestimmte Artikel im Vergleich

Wie unterscheiden sich unbestimmte Artikel von den bestimmten Artikeln? Wenn du den Blogbeitrag zu der, die, das schon gelesen hast, weißt du sicher, dass wir mit bestimmten Artikeln auf etwas verweisen3, das uns bekannt ist. Wir und unsere Gesprächspartner wissen genau, wen oder was wir meinen.

Sagst du zum Beispiel “Das ist das Buch”, dann sollte dein Gesprächspartner wissen, von welchem Buch du sprichst. Es könnte zum Beispiel genau das Buch sein, von dem du gestern versprochen hast, dass du es deinem Gesprächspartner ausleihen wirst. Wenn du aber unbestimmte Artikel benutzt, hier wäre es “Das ist ein Buch”, dann stellst du den Gegenstand zum ersten Mal vor. Dein Gesprächspartner könnte zum Beispiel gefragt haben: “Was liegt da auf dem Tisch?”, dann kannst du antworten: “Da liegt ein Buch”. Ihr sprecht das Buch auf dem Tisch zum ersten Mal an. Redest du jetzt aber weiter über dieses Buch, das du gerade vorgestellt hast, brauchst du den bestimmten Artikel ‘das’. Denn jetzt weiß man schon, über welches Buch genau du sprichst: “Da liegt ein Buch. Das Buch ist wirklich spannend. Ich habe es erst gestern gekauft, aber schon fast fertig gelesen!”

unbestimmter artikel buch
Das ist ein leeres Buch. Das Buch liegt auf einem Tisch. Der Tisch ist aus Holz.

Unbestimmte Artikel werden zur Einführung verwendet

Diese Reihenfolge aus “Zuerst unbestimmte Artikel zur Einführung, dann bestimmte Artikel zur weiteren Information” findet man auch typischerweise in Geschichten. Das sieht dann zum Beispiel so aus: “Es war einmal, vor langer langer Zeit, eine Prinzessin. Die Prinzessin lebte in einem fernen Land. In dem fernen Land gab es…” – Klingt nach einem magischen Märchen, oder? Egal, ob du Kinder hast oder nicht – versuche doch mal, das Märchen in einem Kommentar unter diesem Blogbeitrag ein bisschen weiterzuschreiben. Achte dabei auf die richtige Verwendung der Artikel! 🙂

Ein, eine, ein sind also unbestimmte Artikel. Wir verwenden sie, wenn wir …

  • von etwas sprechen, das uns unbekannt ist und daher noch keinen Namen hat
  • etwas zum ersten Mal ansprechen und damit einführen oder vorstellen

Ein(e) oder eins? Unbestimmte Artikel versus Zahlwort

Die unbestimmten Artikel ein, eine, ein sind eng mit dem Zahlwort eins verwandt. Da kommt es manchmal zu Verwechslungen. Aber es ist eigentlich gar nicht so schwer, Artikel und Zahlwort voneinander zu unterscheiden. Erinnerst du dich noch daran, dass Artikel auch “Nomenbegleiter genannt werden”? Ganz einfach: Unbestimmte Artikel stehen immer vor einem Nomen. Das Zahlwort eins steht aber nur ganz allein oder in Aufzählungen (wie eins, zwei, drei…).

Unbestimmte Artikel: Deklination von ein, eine, ein

Alle Artikel im Deutschen – auch unbestimmte Artikel – sind eigentlich dazu da, um uns die Zusammenhänge in einem Satz zu erklären. Denn die Artikel zeigen uns den grammatischen Fall an, den sogenannten Kasus. Im Deutschen haben wir vier Kasus, die „vier Fälle“: Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Die Artikel müssen wir je nach Kasus richtig deklinieren4, also abändern. Das ist ganz schön nervig und gewöhnungsbedürftig. Aber eigentlich helfen uns die Artikel dabei, den Inhalt von Sätzen zu verstehen.

Die deklinierten Artikel lassen und die Zusammenhänge im Satz verstehen

Wenn wir zum Beispiel sagen: „Ein Mann kauft einem Hund einen Knochen“, dann wissen wir dank der Artikel sofort, wer etwas kauft (Nominativ: ein Mann), was gekauft wird (Akkusativ: einen Knochen) und für wen (Dativ: einem Hund). Wenn wir nur *“Mann kauft Hund Knochen“ sagen würden, dann ist es nicht so eindeutig. Wird vielleicht ein Hund UND ein Knochen gekauft?

In unserem Beispiel „Ein Mann kauft einem Hund einen Knochen“ wissen wir auch, dass wir über einen uns unbekannten Mann, Hund und Knochen sprechen. Denn wir haben unbestimmte Artikel benutzt. Nehmen wir an, du kennst den Mann in diesem Bild nicht:

unbestimmte artikel lernen mann
Bei einer Bildbeschreibung solltest du immer die unbestimmten Artikel verwenden, wenn du Dinge und Personen einführst.

In der Deutschprüfung könntest du dieses Bild zum Beispiel so beschreiben: “Ein Mann möchte in einem Geschäft Knochen kaufen. Wahrscheinlich für seinen Hund.” Du siehst diesen Mann zum ersten Mal und musst daher unbestimmte Artikel zur Einführung benutzen. Genauso beim Geschäft: Du weißt nicht, in welchem Geschäft er einkauft. Jetzt hast du den Mann und das Geschäft aber schon eingeführt. Wenn du jetzt das Bild weiter beschreibst und noch mehr Informationen gibst, brauchst du bestimmte Artikel. Wir haben also wieder die Reihenfolge aus zuerst unbestimmte Artikel zur Einführung, dann bestimmte Artikel zur weiteren Information: “Der Mann sieht glücklich aus. Er trägt einen grauen Pullover. Ich finde, der Pullover ist ein bisschen altmodisch…”

Schauen wir uns jetzt an, wie die Deklination der unbestimmten Artikel in den vier Fällen funktioniert!

Ein, eine, ein – Unbestimmte Artikel im Nominativ

Den Nominativ verwenden wir für das Subjekt eines Satzes (wenn du dich mit den Satzgliedern wie dem Subjekt nicht auskennst, dann lies doch mal den Beitrag zum deutschen Satzbau). Nach dem Subjekt können wir so fragen: „Wer (oder was) macht (etwas)?“ oder auch “Wer oder was ist das?” – Schauen wir uns eine Beispielfrage an. Stell dir vor, du bist im Supermarkt und hast die deutschen Wörter für einige Lebensmittel vergessen. Du fragst:

Was ist das?

Und so verwenden wir unbestimmte Artikel dekliniert in der Antwort:
  • Das ist ein Apfel.
  • Das ist eine Tomate.
  • Das ist ein Brötchen.
  • Das sind Nüsse.

Ist dir etwas aufgefallen? Im Plural gibt es keinen unbestimmten Artikel. Wir sagen also im Singular: Das ist eine Nuss; aber im Plural: Das sind _ Nüsse. Wenn wir über etwas Unbestimmtes im Plural sprechen, dann steht hier der sogenannte Nullartikel, der “leere” Artikel. Erfahre im Blogbeitrag “Nullartikel“, wann wir ihn noch verwenden.

Eines, einer, eines – Unbestimmte Artikel im Genitiv

Den Genitiv benutzen wir häufig in gehobener, formeller oder schriftlicher Sprache. Meistens benutzen wir den Genitiv, um Besitz und Zugehörigkeit auszudrücken. Hier fragen wir „Wessen?“ – Stell dir vor, wir wollen den Besitzer eines Koffers finden. Wir öffnen den Koffer und können wahrscheinlich an der Kleidung erkennen, was für einer Person er gehört.

Wessen Koffer ist das?

Und so verwenden wir unbestimmte Artikel dekliniert in der Antwort:

Das ist der Koffer…

  • eines Mannes.
  • einer Frau.
  • eines Kindes.

Hast du etwas bemerkt? Es verändern sich nicht nur die unbestimmten Artikel ein, eine, ein, bei männlichen und sächlichen Nomen müssen wir auch noch die Endung -(e)s an das Nomen anhängen. Außerdem ist im Genitiv kein Plural mit leerem Artikel möglich. Hier müssen wir dann auf den Dativ ausweichen (siehe nächster Abschnitt).

Einem, einer, einem – Unbestimmte Artikel im Dativ

Den Dativ verwenden wir für das indirekte Objekt eines Satzes. Wir fragen nach dem Dativ mit „Wem (oder was)?“ – Zum Beispiel: “Wem spendest du das Geld?” – “Einer Hilfsorganisation”. Aber auch einige Präpositionen und Verben verlangen den Dativ. Ein Beispiel für ein Verb ist „gehören“: Anstatt formell zu fragen „Wessen Koffer ist das?“, können wir es mit dem Dativ informeller formulieren:

Wem gehört der Koffer?

Und so verwenden wir unbestimmte Artikel dekliniert in der Antwort:
  • Einem Mann.
  • Einer Frau.
  • Einem Kind.
  • Kindern.

Ist dir aufgefallen, dass die unbestimmten Artikel für weibliche Nomen wie „die Frau“ im Dativ und Genitiv gleich dekliniert werden (> einer Frau)? Und ich hoffe, du hast nicht übersehen, dass wir beim Dativ im Plural ein -n an die Nomen anhängen müssen (Kinder > Kindern). Viele Nomen enden im Plural aber sowieso auf –en!

Einen, eine, ein – Unbestimmte Artikel im Akkusativ

Den Akkusativ brauchen wir für das direkte Objekt eines Satzes. Nach dem direkten Objekt fragen wir so: „Wen oder was?“ – Wenn wir nach einer Sache fragen, sieht das zum Beispiel so aus: „Was kaufst du?“ – „Einen Stift / Eine Tasche / Ein Buch / Stifte“. Fragen wir nach einer Person, sieht es so aus:

Wen siehst du auf diesem Bild?

Und so verwenden wir unbestimmte Artikel dekliniert in der Antwort:
  • Einen Mann.
  • Eine Frau.
  • Ein Kind.
  • Kinder.

Beim Akkusativ haben wir am wenigsten Veränderung. Nur bei männlichen Nomen wie „der Mann“ müssen wir daran denken, den unbestimmten Artikel umzuformen. Sehr viele Verben verlangen ein direktes Objekt und damit den Akkusativ. Dazu kannst du mehr im Blogbeitrag über den Akkusativ erfahren.

Fazit: Üben, üben, üben!

Jetzt hast du einen guten Überblick zur Verwendung der unbestimmten Artikel ein, eine, ein und mit ein wenig Übung bist du auf dem besten Weg, zum Profi zu werden! Es gibt etwa spezielle Artikel-Trainer in Buchform aber auch online, mit denen du in verschiedenen Übungen die Regeln zur Verwendung und Deklination der unbestimmten Artikel trainieren kannst. So kannst du dich nach und nach daran gewöhnen, wie unbestimmte Artikel im Deutschen richtig benutzt werden. Übung macht den Meister!5

Unbestimmte Artikel – Fragen & Antworten:

Wann verwenden wir die unbestimmten Artikel “ein, eine, ein”?

“Ein, eine, ein” gehören zur Wortart der Artikel, die “Nomenbegleiter”. Sie stehen immer vor den Nomen. “Ein, eine, ein” zeigen Unbestimmtheit an. Das heißt, wir benutzen sie, wenn wir über etwas sprechen, das uns unbekannt oder neu ist, also wenn wir zum ersten Mal etwas ansprechen und es damit vorstellen.

Wie viele unbestimmte Artikel gibt es?

Es gibt drei unbestimmte Artikel: Ein, eine und ein. Der männliche und sächliche sind also gleich. Achtung, im Plural gibt es keinen unbestimmten Artikel: Da steht ein Baum – Da stehen Bäume.

Warum verändern sich die Artikel in den verschiedenen Fällen?

Der Kasus, also der Fall -– Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ -– wird im Deutschen hauptsächlich über die Deklination der Artikel angezeigt. Das heißt, dass wir die Artikel in den verschiedenen Fällen angleichen müssen, um eine korrekte grammatische Struktur in unseren Sätzen zu haben und so die Zusammenhänge richtig zu verstehen.

unbestimmte artikel faq

Unbestimmte Artikel – dein Wortschatz:

  1. Einstellung (die): hier: die Geisteshaltung, das innere Verhältnis zu einer Sache, die Herangehensweise an eine Sache, Denk- oder Betrachtungsweise
  2. Licht ins Dunkel bringen: Redewendung: eine Sache, Angelegenheit aufklären
  3. verweisen: hier: auf etwas hinweisen
  4. deklinieren: ein Nomen, Adjektiv usw. in seinen grammatischen Formen abändern
  5. Übung macht den Meister: eine Redewendung, die bedeutet, dass man sich durch viel üben verbessern kann und etwas schließlich auch perfekt kann

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Lisa

In Süddeutschland aufgewachsen, bin ich mit 22 nach Taiwan gezogen, um Deutschlehrerin und Übersetzerin zu werden. Ich brenne für Sprachen und Outdoor-Abenteuer.

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