Nullartikel: Wann verwenden wir im Deutschen keinen Artikel?

Lisa

August 26

Falls du schon unsere Blogbeiträge zu den bestimmten und unbestimmten Artikeln gelesen hast, brummt1 dir sicher schon der Kopf. Deutsche Artikel sind wirklich nicht einfach! Besonders die Regeln der Deklination von der, die, das und ein, eine, ein bereiten vielen Deutschlernern Kopfschmerzen. Aber wusstest du, dass wir manchmal gar keine Artikel brauchen? Ja, du hast richtig gehört: Es gibt nicht nur die unbestimmten und bestimmten Artikel, sondern auch die sogenannten Nullartikel.

Wann benutzt man Nullartikel? Einen möglichen Gebrauch des Nullartikels kennst du bestimmt schon:

Wir müssen sagen “Dort steht ein Baum”, aber “Dort stehen _ Bäume”. Wenn wir also im Singular einen unbestimmten Artikel haben, steht im Plural der Nullartikel. Du musst verstehen, in welchen weiteren Fällen Nomen ohne Artikel stehen. Denn dieser “Nullartikel – Plural unbestimmt” aus unserem Beispiel “Dort stehen Bäume” ist nicht die einzige Verwendung des Nullartikels. Es gibt noch einige weitere Situationen, wo Nomen ohne ihren Begleiter stehen, wir also den leeren Nullartikel benötigen. In diesem Blogbeitrag findest du Erklärungen und Beispiele zum Nullartikel. Los geht’s! 🙂

Nullartikel bei Namen

Bei diesem Fall gibt es manchmal ein bisschen Verwirrung. Brauchen wir einen Artikel bei Namen? Die einzig richtige Antwort ist: Nein. Wir brauchen hier in aller Regel den Nullartikel! Das sind zum Beispiel Firmennamen, Eigennamen sowie Anreden und Titel: “Er arbeitet bei Starbucks“, “Luisa ist die Schwester von Sandra“, “Herr Roth hat heute frei”, “Professorin Meier unterrichtet Algebra”.

In der österreichischen Hauptstadt Wien solltest du nicht nach Starbucks, sondern nach den schönen traditionellen Kaffeehäusern Ausschau halten.

Es kann aber sein, dass du trotzdem manchmal einen Artikel hörst. Denn in der Umgangssprache und einigen Dialekten benutzen manche Leute den bestimmten Artikel vor Eigennamen (“Die Luisa ist die Schwester von der Sandra”). Das ist aber nicht standardsprachlich und kann manchmal unhöflich klingen, also Vorsicht!

Der Nullartikel steht auch bei den Namen von Festen, wie: “Was machst du an Weihnachten?” , “An Ostern besuche ich immer meine Familie”. Was ist dein Lieblingsfest in Deutschland?

Vorsicht: Nullartikel oder bestimmter Artikel?

Was du bei der Verwendung des Nullartikels aber unbedingt beachten musst: Er wird immer im allgemeinen Kontext gebraucht, in der Sprachwissenschaft sagen wir auch “ohne nähere Bestimmung“. Was heißt denn das? Ohne nähere Bestimmung bedeutet, dass du nicht näher auf Details eingehst und nichts konkretisierst2.

Wenn du zum Beispiel deine deutsche Freundin Hannah mit “Das ist Hannah” vorstellst, dann brauchen wir nicht zu konkretisieren, welche Hannah das ist. Wir können sie ja sehen! Aber was ist, wenn du mehrere Freundinnen hast, die Hannah heißen? In Deutschland ist Hannah schließlich einer der beliebtesten Mädchennamen. Und vielleicht haben all diese Hannahs keinen Spitznamen – da kommt es leicht zu Verwechslungen! Das heißt, du musst deinen Freunden klarmachen, welche Hannah du genau meinst. Zum Beispiel: “Das ist die Sandra, die ich im Studium kennengelernt habe”. Hier hast du eine Konkretisierung mit einem Relativsatz im Satzbau.

Wir hatten oben ein Beispiel für den Nullartikel im Satz “Er arbeitet bei Starbucks“. Wenn wir jetzt aber fragen: “Bei welchem Starbucks?”, dann können wir das beispielsweise durch Adjektive und/oder Adverbiale konkretisieren. Nämlich so: “Er arbeitet bei dem schönen Starbucks in der Friedensstraße“. Hier geben wir die konkrete Information, welche Starbucks-Filiale wir meinen: die schöne (Adjektiv) in der Friedensstraße (Adverbial).

Nullartikel bei Ortsnamen

Normalerweise benötigen wir bei Namen für Orte wie etwa Städte, Länder und Kontinente auch keinen Artikel: “Er studiert in Aachen“, “Sie kommt aus Spanien“, “Warst du schon mal in Asien?”. Aber achte auf diese Ausnahmen: Es gibt ein paar Länder, die einen Artikel haben, wie etwa der Iran, der Irak, die Schweiz, die Ukraine, die Niederlande (Plural) oder die USA (Plural). Hier musst du dann mit den Wechselpräpositionen aufpassen: “Ich komme aus den Niederlanden (Dativ)” – “Ich fahre in die Niederlande (Akkusativ)”. Bei den meisten Ländern steht aber der Nullartikel! Hat dein Heimatland einen Artikel?

nullartikel keinen artikel setzen
Das schöne Heidelberg im Herbst. Warst du schon mal in dieser romantischen Stadt? Sie liegt am Fluss Neckar und nur weniger als 100 Kilometer südlich von Frankfurt.

Auch hier gilt wieder: Möchtest du einen Ort konkretisieren, zum Beispiel mit Adjektiven, dann brauchen wir immer den bestimmten Artikel. Abgesehen von den oben genannten Ausnahmen (der Iran und so weiter) ist das bei allen anderen Ländern, Städten und Kontinenten immer der sächliche Artikel ‘das’. Zum Beispiel: das antike Griechenland, das sonnige Spanien, das schöne Heidelberg, das ferne Asien. Und vergiss nicht, dass wir bei Namen von Gebirgen, Gewässern, Plätzen und Straßen immer den bestimmten Artikel benötigen, egal ob mit oder ohne Konkretisierung! Zum Beispiel die (schönen) Alpen, der (kalte) Rhein, der (berühmte) Marienplatz, die (teure) Königsallee…

Verbindungen mit sein & werden sowie Zeitangaben bei Nullartikeln

Hier geht es zum Beispiel um Berufe: “Meine Frau ist Mechatronikerin”, “Er möchte Lehrer werden“. Auch nach ‘arbeiten als‘ brauchen wir keinen Artikel: “Sie arbeitet als Köchin”. Das gilt ebenso bei Nationalitäten und Herkunftsangaben: “Er ist Österreicher”, “Sie ist Berlinerin”. Aber es gibt noch andere Verbindungen mit sein oder werden, wie “Sie ist/wird Mutter von Zwillingen”. Gerade beim Fall “Berufe” passieren oft Fehler, weil viele Deutschlerner hier einen Artikel aus dem Englischen (“I am a teacher”) gewohnt sind. Auch wenn die Verwendung der Artikel in beiden Sprachen sehr ähnlich ist, gibt es doch kleine Unterschiede!

Möchtest du mit Adjektiven konkretisieren, brauchst du aber wieder einen Artikel. Zum Beispiel: “Er möchte ein guter Vater sein”, “Sie ist eine fantastische Köchin”, oder im Superlativ: “Er möchte der beste Lehrer der Schule werden”.

Bei Zeitangaben ohne Präposition wie “Nächste Woche hat er Urlaub”, “Sie haben letztes Jahr geheiratet” oder “Anfang/Mitte/Ende Januar bin ich wieder in Berlin” benötigen wir auch keinen Artikel. Gibt es aber eine Präposition, dann brauchen wir den bestimmten Artikel: “Ab dem 15. Juni bin ich im Urlaub”.

Nullartikel für unzählbare Stoffe & Materialien

Wenn wir im allgemeinen Kontext von Stoffen und Materialien sprechen, die wir nicht zählen können, dann brauchen wir auch keinen Artikel. Zum Beispiel: “Die Stühle sind aus Holz, aber der Tisch ist aus Plastik.” Wir wissen nicht, welche Art oder wie viel Holz und Plastik es ist, sondern geben nur eine allgemeine Information über das Material bzw. den Stoff. Das gilt auch bei diesen Beispielen: “Zum Mittagessen gibt es immer Fleisch mit Gemüse“, “Alkohol ist ungesund”, “Morgens direkt nach dem Aufstehen brauche ich immer Wasser und frische Luft“, “Das T-Shirt ist aus Baumwolle“. All diese Beispiele sind unzählbar, wir bilden von diesen Nomen normalerweise auch keinen Plural.

Nach Maß-, Gewichts- und Mengenangaben brauchst du auch keinen Artikel: “Ich möchte 80 Zentimeter Stoff für mein Kleid kaufen”, “Er soll drei Kilo Kartoffeln kaufen”, “Sie bestellen fünf Gläser Wasser.” Das Zahlwort ersetzt sozusagen den Artikel.

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Kartoffeln sind einfach typisch deutsch. Hast du ein deutsches Lieblingsgericht, das mit Kartoffeln zubereitet wird?

Es gilt wie immer: Möchtest du etwas konkretisieren, also etwas Bestimmtes näher erläutern, brauchst du den bestimmten Artikel: “Das frische Gemüse in unserer Kantine schmeckt sehr lecker”, “Die Luft hier ist sehr schlecht”, “Die drei Kilo Kartoffeln, die er letzte Woche gekauft hat, wollen wir heute aufbrauchen”.

Nullartikel für Abstrakta richtig verwenden

Abstrakta sind Nomen, die keine Lebewesen oder Gegenstände beschreiben. Sie benennen abstrakte Dinge, Eigenschaften, Einstellungen3, Gefühle oder Sinneseindrücke4. Zum Beispiel: “Um Deutsch fließend sprechen zu lernen, braucht man Ehrgeiz5, Fleiß und Geduld“, “Es hat Lena viel Mut gekostet, ihn nach einem Date zu fragen” oder “Ich habe Lust auf Kaffee”.

Auch hier gilt, dass wir den bestimmten Artikel bei Konkretisierungen brauchen: “Der Ehrgeiz, mit dem er Deutsch lernt, ist bewundernswert”. Wie sieht es mit deinem Ehrgeiz aus? Was ist deine Motivation für das Deutschlernen? Hast du ein konkretes Ziel? Erfahre im Blogbeitrag Deutschlernen, warum Lernziele so wichtig sind!

Auch wenn bei abstrakten Nomen kein Artikel benötigt wird, musst du trotzdem darauf achten, in welchem Fall (Kasus) das Nomen steht. Das siehst du an der Adjektivdeklination nach dem Nullartikel: “Ich habe große Lust (Akkusativ) auf türkischen Kaffee (Akkusativ)”, “Mit großem Ehrgeiz (Dativ) kann man fließend Deutsch lernen“. Zur Deklination nach dem Nullartikel erfährst du bald mehr im Blogbeitrag “Adjektivdeklination”.

Nullartikel – Konkrete Fähigkeiten

Wenn du über einige konkrete Fähigkeiten sprichst, steht auch kein Artikel. Das sind zum Beispiel Sprachen: “Ich spreche Deutsch, Englisch und Russisch”, Instrumente: “Er kann ganz wundervoll Klavier spielen”, Sportarten: “Sie spielen hervorragend Fußball”, aber auch (Hoch-)Schulfächer: “Sein Lieblingsfach in der Schule war Kunst” oder “Sie studiert Ingenieurswesen”. Es gilt wieder die Artikelpflicht bei Konkretisierungen, wie etwa “Das Spanisch in Spanien ist anders als das Spanisch in Mexiko“.

Fazit & Quiz: Auch beim Nullartikel heißt es üben, üben, üben!

Wenn man zum ersten Mal das Wort “Nullartikel” hört, denkt man vielleicht, man braucht gar nicht viel zu überlegen. Leider ist im Deutschen sogar der Nullartikel ziemlich kompliziert. Wie du in diesem Blogbeitrag feststellen konntest, müssen wir 1. darauf achten, ob es sich nicht um eine Konkretisierung handelt, und 2. auf die Adjektivdeklination nach dem Nullartikel aufpassen. Aus diesem Grund solltest du auch für den Nullartikel viele Übungen machen. Solche findest du nicht nur in Grammatikübungsbüchern, sondern auch im Internet.

Nullartikel – Quiz:

Zum Abschluss habe ich noch ein kleines Quiz für dich, mit dem du überprüfen kannst, ob du die Verwendung des Nullartikels verstanden hast:

Du sollst in den fünf Sätzen überprüfen, ob der Artikel oder Nullartikel richtig verwendet wurde. Manche der Sätze sind richtig, manche falsch! Die Lösungen findest du ganz unten nach dem Wortschatz. Viel Erfolg! 🙂

  1. Ich esse gern Obst und Gemüse.
  2. Frisches Gemüse aus meinem Garten schmeckt mir am besten.
  3. Ich komme aus die Schweiz.
  4. Ich möchte gern Bäcker werden.
  5. Ich brauche die Ruhe.

Möchtest du wissen, wie du dir am besten Artikel merken kannst? Dann lies doch mal unseren Blogbeitrag “Merkregeln zum Artikellernen” und mach dir das Lernen von der, die, das ein wenig einfacher!

Nullartikel – Fragen & Antworten:

Der Nullartikel – was ist das?

Der “leere” Artikel, der sogenannte Nullartikel, gehören zur Wortart der Nomenbegleiter. Er wird in einigen unterschiedlichen Situationen verwendet, in denen wir über ein Nomen im Allgemeinen Kontext sprechen, also keine näheren Informationen geben. So steht zum Beispiel vor Namen der leere Nullartikel.

Was ist beim Nullartikel zu beachten?

Zwar fällt beim Nullartikel die Artikeldeklination weg, aber man muss trotzdem auf die Adjektivdeklination achten. Außerdem muss man nicht nur wissen, in welchen Situationen der leere Artikel steht (“Ich arbeite bei _ Starbucks”), sondern auch, wann wir doch einen Artikel brauchen. Das ist der Fall, wenn wir konkretisierende Informationen geben: “Ich arbeite bei dem Starbucks in der Friedensstraße.”

nullartikel faq

Wortschatz:

  1. jemandem brummt der Kopf: sich überlastet, überfordert fühlen oder Kopfschmerzen haben
  2. konkretisieren: näher bestimmen, eindeutiger beschreiben, verdeutlichen
  3. Einstellung (die): hier: die Geisteshaltung, das innere Verhältnis zu einer Sache, die Herangehensweise an eine Sache, Denk- oder Betrachtungsweise
  4. Sinneseindruck (der): durch die fünf Sinne (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten/Fühlen) vermittelte Wahrnehmung oder Empfindung
  5. Ehrgeiz (der): Abzielen auf Erfolg

Lösungen vom Quiz

  1. Ich esse gern Obst und Gemüse. – Das ist richtig! In diesem Satz geht es um Obst und Gemüse im Allgemeinen.
  2. *Frisches Gemüse aus meinem Garten schmeckt mir am besten. – Hier brauchen wir den bestimmten Artikel, da wir nicht über Gemüse im Allgemeinen, sondern über ein konkretes Gemüse sprechen: Das frische Gemüse aus meinem Garten schmeckt mir am besten.
  3. *Ich komme aus die Schweiz. – Achtung! Du erinnerst dich bestimmt, dass die Schweiz den Artikel ‘die’ hat. Das ist zwar richtig, aber in diesem Satz fragen wir “Woher?”, deshalb steht er im Dativ: Ich komme aus der Schweiz.
  4. Ich möchte gern Bäcker werden. – Das ist richtig! Bei Berufen steht der Nullartikel.
  5. *Ich brauche die Ruhe. – Das ist falsch! Mit diesem Satz möchtest du ausdrücken, dass du dich ausruhen oder konzentrieren musst. “Ruhe” ist hier ein Abstrakta, das du nicht weiter konkretisierst, deshalb muss der Nullartikel stehen: Ich brauche Ruhe. Wenn du aber über eine ganz spezielle Ruhe sprichst, dann steht der bestimmte Artikel: Ich liebe die Ruhe in den Bergen.

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Artikel von:

Lisa

In Süddeutschland aufgewachsen, bin ich mit 22 nach Taiwan gezogen, um Deutschlehrerin und Übersetzerin zu werden. Ich brenne für Sprachen und Outdoor-Abenteuer.

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