Der Komparativ – alles, was du wissen musst!

Fabienne

Juni 13

Das machen wir alle: Wir vergleichen Dinge oder Personen miteinander. Manchmal bewusst1, oft auch unbewusst2. Durch solche Vergleiche entstehen deutsche Sätze wie zum Beispiel: „Deine Beine sind viel länger als meine”, „diese Schuhe sind schöner als die anderen”, „heute konnte ich besser schlafen als gestern” oder „ist sein Auto größer als meins?” Hier erfährst du, wie du diesen sogenannten Komparativ im Deutschen richtig bildest! Am Ende dieses Artikels bist du bestimmt noch ein bisschen schlauer und kennst sogar Wörter, die im Deutschen gar keinen Komparativ bilden können!

Komperativ Glücklicher
Sind Menschen, die viel reisen, glücklicher als andere? Was meinst du?

Warum vergleichen wir uns eigentlich ständig?

So unterschiedlich wir Menschen auch sind, bestimmte Dinge haben wir gemeinsam. So zum Beispiel die Gewohnheit3, alles Mögliche miteinander zu vergleichen. Das liegt sozusagen in der Natur des Menschen. Warum tun wir das? Indem wir uns mit Menschen vergleichen, die in einer bestimmten Sache etwas besser sind, können wir von ihnen lernen. Denk doch mal an deine deutsche Aussprache! Von einem Profi kannst du am meisten lernen! Eine weitere Funktion des Vergleichens ist, dass wir uns manchmal dadurch einfach besser fühlen. Wenn es uns schlecht geht, trösten4 wir uns damit, dass es anderen noch schlechter geht. Wenn wir besser sind als andere (oder wenn wir das zumindest denken), dann ist das gut für unser Selbstbewusstsein5.

Was ist ein Komparativ?

Die meisten Adjektive und einige Adverbien im Deutschen können den Komparativ bilden. Was ist das? Mit dem Komparativ vergleichst du etwas. Wenn es bei diesem Vergleich einen Unterschied von etwas gibt, dann setzt du das Adjektiv oder das Adverb in den Komparativ:

Heike ist älter als ich.

Der Komparativ in diesem Beispiel ist das Wort älter. Du vergleichst dein Alter mit dem von Heike und stellst fest, dass es einen Unterschied gibt. Daher wird der Komparativ auch oft als Vergleichsstufe bezeichnet. Merke dir: Mit dem Komparativ „steigern” wir Adjektive und Adverbien. Diese Steigerung heißt auch Komparation und wir brauchen sie, damit wir Eigenschaften von Personen oder Sachen miteinander vergleichen können. 

Die Komparation der Adjektive

Sehen wir uns zunächst den Komparativ der Adjektive an. Den Komparativ bildest du mit dem Suffix –er: kleiner, leiser, dünner, dicker… Bei einigen bestimmten Adjektiven musst du auf den Umlaut achten, wenn du den Komparativ bildest. Das sind einsilbige Adjektive mit dem Stammvokal

  • a: alt – älter, arm – ärmer, hart – härter, kalt – kälter, krank – kränker, lang – länger, nah – näher, scharf – schärfer, schwach – schwächer, schwarz – schwärzer, stark – stärker, warm – wärmer
  • o: grob – gröber, groß – größer, hoch – höher
  • u: dumm – dümmer, jung – jünger, klug – klüger, kurz – kürzer

Alle anderen Adjektive – auch die mehrsilbigen – haben keinen Umlaut. Eine Ausnahme gibt es aber: Das Adjektiv gesund steigerst du mit Umlaut: gesund – gesünder.

Zur leichteren Aussprache wird oft ein –e vor der Komparativendung ausgelassen. Das betrifft Wörter, deren Endung –el, -er oder –en unbetont ist:

Es wird dunkler (dunkel – nicht: dunkeler).

Die Lebensmittel werden immer teurer (teuer – nicht: teuerer).

Adjektive ohne Komparativ

Bei einigen deutschen Adjektiven kannst du keinen Komparativ bilden. Das sind Adjektive, deren Inhalt eindeutig ist und bei denen es somit keine Möglichkeit gibt, einen Unterschied auszudrücken. Wenn zum Beispiel etwas rund ist, dann ist es einfach rund. Ich kann nicht sagen: „Das Glas ist runder als das andere.” Beide Gläser sind nämlich rund, also genauso rund. Andere Beispiele sind:

eckig, wörtlich, schriftlich, mündlich, echt, falsch, tot, lebendig, deutsch, ledig, verheiratet, stumm6, halb, ganz, stündlich, täglich, einzig, maximal

Achtung: die unregelmäßige Steigerung und der Komparativ bei Zusammensetzungen

Einige Adjektive werden unregelmäßig gesteigert. Manchmal verändert sich das gesamte Wort: gut – besser, viel – mehr oder nur der Konsonant: hoch – höher. Bei zusammengesetzten Adjektiven steigerst du übrigens nur einen Wortteil! Wenn die Zusammensetzung einen neuen einheitlichen Begriff ergibt, steigerst du den zweiten Wortteil:

Diese Nachspeise ist sehr kalorienarm7. – Aber diese Nachspeise ist kalorienärmer als die andere.

Wenn der erste Bestandteil steigerbar ist oder die einzelnen Bestandteile für sich allein einen Sinn ergeben, dann setzt du den ersten Wortteil in den Komparativ:

Das langfristige8 Ziel ist es, mehr auf Deutsch zu lesen. – Unser längerfristiges Ziel ist es, den Wortschatz zu erweitern.

Der Komparativ-
Super! So machen wir das! Das ist die näherliegende9 Lösung!

Beim Wort schwerwiegend10 kannst du sowohl den ersten als auch den zweiten Wortbestandteil steigern:

Für diese Entscheidung gibt es schwerer wiegende ODER schwerwiegendere Gründe.

Du willst dein Deutsch verbessern?

Mit diesen 10 Methoden habe ich damals selbst Deutsch gelernt …

Die Komparation der Adverbien

Ein paar wenige Adverbien kannst du im Deutschen in den Komparativ setzen. Zu diesen Adverbien zählen sehr, bald, oft, gern und wohl in der Bedeutung von gut, angenehm. Regelmäßige Steigerungsformen bilden oft und wohl:

oft – öfter, wohl – wohler

Unregelmäßig steigerst du die Wörter

bald – eher (früher, schneller), gern(e) – lieber, sehr – mehr

Wenn du mit einem Adverb einen Vergleich ausdrücken möchtest, dieses Wort aber keine eigene Steigerungsform hat, wählst du eine Umschreibung mit weiter oder stärker:

Das Glas Marmelade steht im Regal weiter unten als die Dose Tomaten.

Die Nachfrage11 nach Zigaretten geht stärker zurück als im Jahr zuvor.

Der Kaffee steht auf dem Schreibtisch weiter rechts als der Laptop.

Hast du noch Lust auf ein paar Übungen? Komparativ für echte Profis!

Lass uns ein bisschen üben! Teste dein Wissen mit den folgenden Beispielsätzen und bilde den richtigen Komparativ:

Dieser Weg ist __________ (lang) als der andere.

Ist der Fluss __________ (nah) an der Stadt als der See?

Das __________ Buch (dick) gefällt mir _________ (gut).  

Ein __________ Buch (dick) lese ich morgen.

Und so ist es richtig:

Dieser Weg ist länger als der andere.

Ist der Fluss näher an der Stadt als der See?

Das dickere Buch gefällt mir besser.

Ein dickeres Buch lese ich morgen.

Die letzten beiden Sätze zeigen, dass du für die Bildung des richtigen Komparativs wissen solltest, wie du Adjektive stark und schwach flektierst. Zur Wiederholung: Wenn vor dem Adjektiv ein Artikelwort mit Flexionsendung steht, flektierst du das Adjektiv schwach, in den anderen Fällen nutzt du die starke Flexion! Schau dir gern den Artikel Adjektivdeklination an, wenn du dein Wissen darüber noch ein bisschen auffrischen12 möchtest!

Fragen & Antworten:

Was ist ein Komparativ?

Mit dem Komparativ „steigern” wir Adjektive und Adverbien. Diese Steigerung heißt auch Komparation und brauchen wir sie, damit wir Eigenschaften von Personen oder Sachen miteinander vergleichen können: „Deine Freundin ist älter als du.”

Wie bilde ich den Komparativ?

Den Komparativ bildest du mit dem Suffix –er. Achte auf den Umlaut bei einsilbigen Adjektiven mit dem Stammvokal a, o oder u.

Wortschatz:

  1. bewusst: absichtlich, gewollt
  2. unbewusst: automatisch, ohne Absicht, nicht bewusst
  3. Gewohnheit (die): das, was man immer wieder tut
  4. trösten: aufmuntern, den Schmerz lindern
  5. Selbstbewusstsein (das): Selbstsicherheit, von den eigenen Fähigkeiten überzeugt sein
  6. stumm: nicht sprechen können
  7. kalorienarm: Essen oder Getränke mit nur wenigen Kalorien
  8. langfristig: lange Zeit dauern, anhaltend
  9. naheliegend: einleuchtend, sich zuerst anbietend, logisch
  10. schwerwiegend: von großer Bedeutung
  11. Nachfrage (die): Bereitschaft, etwas zu kaufen
  12. Wissen auffrischen: das Wichtigste wiederholen

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Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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