Was sind Umlaute?

Fabienne

Juli 7

Dir sind bestimmt schon einmal diese zwei Punkte über manchen deutschen Buchstaben aufgefallen, oder? Diese Punkte über den Buchstaben Ä/ä, Ö/ö und Ü/ü sind eine Besonderheit der deutschen Sprache: ä, ö und ü sind Umlaute. In meinen Deutschkursen erlebe ich es immer wieder, dass die Schüler große Schwierigkeiten mit diesen Lauten haben. Vor allem die Aussprache von ä, ö und ü bereitet vielen Probleme. Und das ist auch kein Wunder! Denn in zahlreichen Sprachen kommen diese Umlaute überhaupt nicht vor. Ich glaube manchmal, dass einige Schüler in der ersten Deutschstunde hoffen, dass diese kleinen Punkte Kaffeeflecken sind, die sich doch noch irgendwie wegwischen lassen…

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Umlaute sind aber kein Grund zum Verzweifeln. Ich beantworte dir folgende Fragen: Was sind Umlaute? In welchen Wörtern kommen Umlaute vor und wie spreche ich Umlaute richtig aus?

Was sind Umlaute in der Deutschen Sprache?

Die Umlaute ä, ö und ü gehören zu den deutschen Vokalen. Du findest sie nicht im deutschen Alphabet. Trotzdem sind diese Laute eigenständige Buchstaben in der deutschen Sprache. Manchmal werden sie auch als a-Umlaut, o-Umlaut oder u-Umlaut bezeichnet. Böse Zungen1 sagen, dass diese Bezeichnung von Wissenschaftlern stammt, die Umlaute selbst nicht aussprechen können. Naja, Spaß beiseite. Diese Bezeichnung kommt in Wirklichkeit daher, dass Umlaute zwei Vokale zu einem einzigen Laut miteinander verbinden. So verbindet der Umlaut ä den Buchstaben a und e. Der Umlaut ö besteht aus den Vokalen o und e. Der Umlaut ü setzt sich wiederum aus den Vokalen u und e zusammen. Als aufmerksamer Leser wirst du jetzt festgestellt haben, dass das e jeweils bei allen drei Umlautformen vorkommt. Welche Bedeutung hat das e? Um dir das beantworten zu können, müssen wir einen kurzen Ausflug2 in die deutsche Sprachgeschichte machen.

Umlaute ä, ö und ü: Wie kam es zu den Punkten?

Im Mittelalter veränderte sich die Art und Weise, wie die Deutschen ihre Texte schrieben. Erst zu dieser Zeit begannen sie, ihre Texte auch auf Deutsch zu schreiben. Bis dahin hatten sie Texte auf Latein geschrieben. Sie nutzten dafür das lateinische Alphabet. Sie standen nun vor dem Problem, dass es für bestimmte Laute in der deutschen Sprache keine entsprechenden lateinischen Buchstaben gab. Dazu gehörten die Umlaute ä, ö und ü. Die Deutschen mussten sich also neue Buchstaben einfallen lassen, um diese Laute schreiben zu können.

Das erste Mal wurden diese Laute in der deutschen Schrift gekennzeichnet, indem einfach ein e hinter die Vokale a, o und u geschrieben wurde. Umlaute sahen damals so aus: ae, oe, ue. Später wurde dieses e dann direkt über die Vokale gesetzt. Und dann kam etwas, dass jeder von uns gut kennt: die Bequemlichkeit3. Es dauerte den Menschen einfach zu lange, dieses e über den Vokal zu schreiben. Und so entwickelten sich aus dem e zunächst zwei Striche. Und aus den zwei Strichen wurden – natürlich wieder aus Bequemlichkeit – zwei Punkte. In manchen Namen ist aber die alte Schreibweise heute noch zu finden. So zum Beispiel in manchen Ortsnamen wie bei „Oettingen“. Auch der bekannte deutsche Dichter Johann Wolfgang Goethe schreibt sich in dieser Form.

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Wenn du heute deutsche Wörter mit einem Umlaut schreibst, kannst du entweder zwei Punkte oder zwei vertikale Striche nutzen. Beides kann man in der Handschrift sehr gut als Umlaut erkennen. Möchtest du eine Email versenden, in der zum Beispiel der deutsche Nachname „Müller“ in der Adresse vorkommt, schreibst du das im Deutschen immer so: „Mueller“.

In welchen Wörtern kommen Umlaute vor?

Es gibt in der deutschen Sprache viele Wörter mit Umlauten. Vor allem in Nomen, Adjektiven und Verben findest du Umlaute. Auch in Präpositionen oder Numeralien kommen sie vor. Dabei musst du zwei Arten von Umlauten voneinander unterscheiden. Es gibt einerseits viele Wörter, die Umlaute bereits in der Grundform haben. Das sind Wörter wie zum Beispiel Bär, Tür, schön, dünn, über, für, fünf, blühen oder können. Es gibt andererseits auch Wörter, die zwar keine Umlaute in der Grundform, dafür aber Umlaute in ihrer veränderten Form haben.

Umlaute bei Adjektiven

Die meisten kurzen Adjektive bilden Steigerungsformen mit Umlauten. Der Vokal a, o oder o wird dabei durch einen Umlaut ersetzt. Du kannst Umlaute daher als eine Form des Vokalwechsels bezeichnen:

  • Das Buch ist alt. Das Buch ist älter als die Zeitung. (Ebenso: arm, hart oder kalt)
  • Der Baum ist groß. Der Baum ist größer als ich. (Ebenso: grob oder hoch)
  • Das Kind ist klug. Das Kind ist klüger als ich. (Ebenso: dumm, jung oder kurz)

Daneben gibt es aber auch kurze Adjektive, die du ohne Umlaute steigerst. Das betrifft Wörter wie blau, bunt, dunkel, froh, schlank, schlau oder sauber. Du sagst also: „Er ist schlau. Er ist schlauer als ich.“ Aber Achtung: Es gibt auch Adjektive, bei denen beide Formen – mit oder ohne Umlaut – richtig sind. Das ist zum Beispiel beim Adjektiv schmal der Fall. Du kannst sagen: „Die Straße ist schmaler als die andere[.]“ oder „Die Straße ist schmäler als die andere.“

Umlaute bei Nomen

Umlaute kommen oft in der Pluralform von Nomen vor. Dabei gibt es bestimmte Regeln, an denen du dich orientieren kannst.:

Umlaute kommen immer vor bei:

  • Substantiven mit Pluralendung -er: der Wald (Sg.) – die Wälder (Pl.), das Buch (Sg.) – die Bücher (Pl).
  • Feminina, die im Plural keine Endung haben: die Tochter (Sg.) – die Töchter (Pl.)
  • Feminina, die im Plural eine Endung mit -e haben: die Wand (Sg.) – die Wände (Pl.)

Umlaute kommen oft vor bei:

  • Maskulina, die im Plural keine Endung haben: der Nagel (Sg.) – die Nägel (Pl.)
  • Maskulina, die im Plural eine Endung mit -e haben: der Hof (Sg.) – die Höfe (Pl.) ABER: der Tag (Sg.) – die Tage (Pl.)

Bei Maskulina solltest du die Umlaute bei jedem Wort mitlernen. Es gibt leider zu viele Ausnahmen und keine einheitliche Regel, wann Umlaute genau vorkommen. Es gibt bei Maskulina immerhin eine Tendenz4, nach der du dich richten kannst. Einsilbige Wörter, die Lebewesen bezeichnen, bilden den Plural eher mit Umlaut. Bespiele hierfür sind die Wörter Koch, Wolf, Storch, Fuchs, Bock, Frosch oder Floh.

Werden Wörter in der Verkleinerungsform gebraucht, wird ebenfalls der Vokal zum Umlaut. Du benutzt diese Formen, wenn du etwas besonders niedlich findest oder sagen möchtest, dass etwas besonders klein ist:

  • die Blume – das Blümchen
  • die Katze – das Kätzchen
  • die Bohne – das Böhnchen

Wird aus Maskulina die weibliche Form gebildet, kann auch ein Umlaut vorkommen. Das kannst du erkennen bei Arzt – Ärztin oder Franzose – Französin. Wenn bereits in der Grundform ein Umlaut vorkommt, kommt kein zusätzlicher Umlaut vor, wenn das Wort in den Plural gesetzt oder gesteigert wird. Das gilt für Nomen und Adjektive: das Gefühl (Sg.) – die Gefühle (Pl.) oder schönschöneram schönsten.

Umlaute bei Verben

Bei Verben kommen Umlaute im Präsens vor. Hat das Verb ein a als Stammvokal, wird in der 2. und 3. Person im Singular oft ein Umlaut gebildet:

  • fahren – du fährst – er fährt
  • lassen – du lässt – er lässt

Eine seltene Ausnahme gibt es bei den Verben laufen und stoßen. Auch hier, obwohl kein Stammvokal a vorhanden ist, wird ein Umlaut in der 2. und 3. Person gebildet: 

  • laufen – du läufst – er läuft
  • stoßen – du stößt – er stößt

In Konjunktivformen findest du ebenfalls Umlaute: „Ich wäre gerne Millionär“, „Ich würde gerne in den Urlaub fahren“ oder „Ich hätte gerne ein Glas Wasser.“

Warum die richtige Aussprache der Umlaute so wichtig ist

Eine Schülerin in meinem Sprachkurs sagte vor Kurzem: „Ich fuhle mich heute nicht gut.“ Du weißt natürlich, dass es heißen muss: „Ich fühle mich heute nicht gut.“ Ich höre es regelmäßig, dass Deutschlerner anstelle des Umlauts einfach ein normales a, o und u aussprechen. Das passiert, weil für viele die Aussprache der Umlaute ungewohnt und fremd klingt. Viele wissen auch nicht, wie sie diese Laute überhaupt richtig aussprechen sollen. Bei manchen Wörtern – wie in dem Beispiel gerade – ist noch erkennbar, was du eigentlich damit sagen wolltest. Das klappt aber nicht immer. So ist es ein wichtiger Unterschied in der deutschen Sprache, ob du sagst: „Ich konnte zum Arzt gehen“ oder „Ich könnte zum Arzt gehen“. Der erste Satz drückt aus, dass du bereits bei einem Arzt warst. Der zweite Satz meint, dass es die Möglichkeit gibt oder du daran denkst, zum Arzt zu gehen.

Du erkennst also, dass nur durch die beiden Pünktchen auf den Umlauten eine andere Bedeutung entsteht. Es gibt viel mehr Beispiele, die diesen Unterschied in der Bedeutung deutlich machen. So bei den Wörtern zahlen – zählen, drucken – drücken oder mochte – möchte. Es ist sehr wichtig, dass du die Laute richtig aussprichst. So kannst du letztendlich Missverständnisse vermeiden. Diese Laute zu ignorieren, nur weil du vielleicht unsicher in der Aussprache bist, ist daher der schlechteste Weg. Von anderen wirst du dadurch auch eher als Anfänger beim Deutschsprechen eingeschätzt. Wir schauen uns also zusammen an, wie du die Umlaute richtig aussprechen und üben kannst.

Die richtige Aussprache der Umlaute ü und ö

Damit du ein ü sprechen kannst, konzentrieren wir uns zuerst auf Wörter, die ein langes i haben. Das sind zum Beispiel Ziege oder Liege. Mach mit! Sprich diese Wörter langsam und überdeutlich aus. Deine Mundwinkel5 sollten weit auseinander gezogen sein. Halte den Laut mit dem langen i und runde nun deine Lippen. Achte darauf, dass deine Zunge genauso bleibt, wie wenn du das i sprichst. Aus Ziege wird jetzt Züge. Und Liege entwickelt sich zu Lüge. Das ist der richtige ü-Laut. Hörst du ein normales u musst du noch ein bisschen weiter üben. Die richtige Zungenposition ist entscheidend. Beim ö funktioniert es ähnlich. Sprich zunächst ein e und runde dann die Lippen. Üben kannst du das mit dem Wort Hefe. Halte wieder den Ton mit dem langen e und runde dann die Lippen. Und? Was hörst du? Idealerweise sollte nun das Wort Höfe entstehen.

Ein wirklich oft gemachter Fehler ist, dass die langen gesprochenen Umlaute ü und ö zu kurz gesprochen werden. Hier darfst du in der Länge ruhig übertreiben. Es sollte klar erkennbar sein, dass es sich um die lange Variante der Umlaute handelt. Umlaute gibt es natürlich nicht nur in dieser langen Form. Üben solltest du daher auch kurz gesprochene Umlaute. Das geht zum Beispiel mit den Wortpaaren Kiste – Küste oder den typisch deutschen Nachnamen Beck – Böck. Möchtest du weitere Tipps, wie du die Aussprache von langen und kurzen Vokalen üben kannst, dann sieh dir die Artikel „Deutsche Vokale“ und „Aussprache“ an!

Der Umlaut ä: Vorsicht Verwechslung!

Du hast vielleicht schon festgestellt, dass bestimmte Buchstaben im Deutschen manchmal gleich und manchmal unterschiedlich klingen. Beim Schreiben kann der Umlaut ä Probleme machen. Und zwar dann, wenn du Wörter schreiben willst, aber nicht genau heraushören kannst, ob sie mit ä oder e geschrieben werden. Das liegt daran, dass manche Laute im Deutschen nicht nur durch einen einzigen Buchstaben repräsentiert werden, sondern durch verschiedene. Mehr dazu kannst du im Artikel zur Deutschen Lautschrift erfahren. Selbst deutsche Muttersprachler haben mit der Frage „ä oder e?“ manchmal Schwierigkeiten. Was denkst du, wie schreibt man das Wort richtig: „Hende“ oder „Hände„?

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Die Aussprache ist ähnlich. Werden die Vokal e und ä kurz gesprochen, in Lautschrift [ɛ], kannst du überhaupt keinen Unterschied hören. Der Buchstabe ä wird wie ein e ausgesprochen. Um die richtige Lösung zu finden, bildest du am besten die Grundform des Wortes. Das ist Hand. Im Deutschen zeigt der Umlaut an, dass Wörter miteinander verwandt sind. Das ist die Regel für die Singular- und Pluralformen eines Wortes. Wird der Singular mit a geschrieben, schreibst du den Plural an dieser Stelle im Wort mit ä. So ist deutlich, dass die Wörter zusammengehören. Das gilt auch für das Verb rächen. Bei rechnen gleicht die Aussprache von e dem ä in rächen. Das Verb rächen stammt aber vom Nomen Rache ab. Und weil die enge Verwandtschaft zwischen Rache und rächen erkennbar bleiben soll, schreiben wir rächen nicht mit e, sondern mit ä.

Besser unterscheiden kannst du die Vokale e und ä, wenn sie lang gesprochen werden. Ein Beispiel dafür sind die Wörter Bären – Beeren. Bei Bären musst du den langen Umlaut ä [ɛː] sprechen. Bei Beeren sprichst du ein normales, langes e [eː]. Du solltest aber wissen, dass sehr viele Muttersprachlicher, vor allem aus Nord- und Ostdeutschland, diese Unterscheidung nicht treffen und die Wörter Bären – Beeren komplett gleich mit einem langem e [eː] aussprechen. Es kommt darauf an, welche Varietät des Hochdeutschen gesprochen wird. Du weißt nicht, was Hochdeutsch und Sprachvarietäten sind? Schau dir mal den Artikel zu den Dialekten in Deutschland an.

Als fleißiger Deutschlerner solltest du das lange ä aber gut beherrschen: Das kannst du üben, indem du zunächst ein deutliches und langes a sprichst. Wenn du jetzt deine Zunge etwas nach vorne bewegst, hörst du schon das ä. Zu den Umlauten zählt auch äu, das genau wie eu als [⁠ɔɪ̯⁠]​ ausgesprochen wird. Ein Beispiel ist das Haus (Sg.) – die Häuser (Pl.). Der Umlaut äu ist fast immer auf die Singularform mit au bezogen. Manchmal findet man äu auch bei der Umformung von Verben zu Nomen, wie in verkaufen – der Verkäufer. Fehlt aber ein solcher Bezug, schreibst du eu. Das ist zum Beispiel bei Eule, Leute oder heulen der Fall.

Wenn du große Probleme mit den Umlauten oder auch anderen Vokalen hast, kann ich dir Marias Crashkurs sehr empfehlen. Dort kannst du die richtige Aussprache intensiv üben. Du kannst auch noch weitere spannende Artikel zur deutschen Sprache auf unserem Blog finden. Hier zum Beispiel erfährst du alles Wichtige zum Thema Phonetik und Aussprache.

Fragen & Antworten zu Umlauten:

Was sind Umlaute?

Umlaute sind die Buchstaben ä, ö und ü. Sie gehören zu den deutschen Vokalen. Umlaute zeigen einen Vokalwechsel an: zum Beispiel der Wald (Sg.) – die Wälder (Pl.), das Kloster (Sg.) – die Klöster (Pl.) oder das Buch (Sg.) – die Bücher (Pl.).

Warum sind auf den Umlauten ä, ö und ü zwei Punkte?

Die zwei Punkte über den Umlauten sind aus einem kleinen e entstanden. Im Mittelalter wurden Umlaute noch durch ae, oe und ue dargestellt. Das e wurde nach einiger Zeit direkt über den Vokal geschrieben. Um Zeit zu sparen, schrieb man zunächst anstelle des e zwei Striche und schließlich zwei Punkte.

Schreibe ich das Wort mit e oder ä?

Wenn du dir unsicher bist, ob du ein Wort mit e oder ä schreibst, bilde am besten die Grundform des Wortes. Im Deutschen zeigt der Umlaut an, dass Wörter miteinander verwandt sind. Wird der Singular eines Wortes mit a geschrieben, schreibst du den Plural an dieser Stelle im Wort mit ä: die Hand (Sg.) – die Hände (Pl.).

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Wortschatz:

  1. Böse Zungen: deutsche Redewendung für boshafte Menschen, die jemanden bewusst negativ darstellen
  2. Ausflug (der): hier: ein bestimmtes Thema genauer untersuchen
  3. Bequemlichkeit (die): die Gemütlichkeit/Faulheit
  4. Tendenz (die): eine bestimmte Richtung
  5. Mundwinkel (der): Stelle, an der Ober- und Unterlippe zusammentreffen


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Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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