Nominalisierung: klingt kompliziert, ist aber einfach!

Fabienne

April 21

Was könnte eine Nominalisierung sein? Und wofür brauche ich sie im Deutschen eigentlich? Das Wort Nominalisierung klingt ziemlich kompliziert. Dahinter steckt aber etwas ganz Einfaches: Nomen! Du kannst nämlich viele deutsche Wörter in Nomen verwandeln. Wie das genau funktioniert und welche Besonderheiten du beachten musst, das erklären wir dir hier!

Was ist eine Nominalisierung?

Durch eine Nominalisierung wird ein Wort in ein Nomen umgewandelt. Diese Umwandlung nennt sich auch Substantivierung. Lass dich deshalb bitte nicht verwirren1, wenn du in deinem Deutschkurs oder in Büchern mit deutscher Grammatik beide Begriffe findest. Eine Nominalisierung und eine Substantivierung meint beides die Umwandlung von Wörtern in Nomen – oder anders ausgedrückt – in Substantive.

Nominalisierung – etwas Lustiges
Erzählst du mir etwas Lustiges?

Verben und Adjektive werden im Deutschen am häufigsten nominalisiert, also in Nomen umgewandelt. Du kannst natürlich auch die anderen deutschen Wortarten substantivieren, wie zum Beispiel Pronomen, Zahlwörter, Präpositionen oder Adverbien. Die Bedeutung von Wörtern ändert sich bei der Nominalisierung nicht, nur die Wortart verändert sich zu einem Nomen.

Nominalisierung – Verbalisierung

Werden sehr viele Nomen verwendet, dann ist das meistens ein Zeichen für einen gehobenen Sprachstil. In wissenschaftlichen oder sachlichen Texten, wie zum Beispiel Nachrichten, wird oft die Nominalisierung verwendet. In der Alltags- und Umgangssprache verwendest du die Nominalisierung eher selten.  Wenn Texte sehr viele Nominalsätze enthalten, spricht man in der Grammatik auch vom Nominalstil. Diese Texte lassen sich dann im Allgemeinen schwerer lesen und verstehen. Viele Substantivierungen wirken sehr kompliziert auf den Leser.

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Was ist eigentlich ein Nomen?

Alle Wörter, die bei der Nominalisierung (Substantivierung) entstehen, haben die gleichen Eigenschaften wie Nomen. Kennst du eigentlich die Eigenschaften von Nomen in der deutschen Grammatik? Bevor wir in die Nominalisierung einsteigen, sollten wir die wichtigsten Merkmale von Nomen im Blick haben2:

Alle Nomen werden im Deutschen großgeschrieben. Das ist die erste und wichtigste Regel, um Nomen zu erkennen. Viele Nomen haben auch einen Artikel dabei, entweder einen bestimmten oder einen unbestimmten Artikel:

der Koffer / ein Koffer

die Reise / eine Reise

das Geheimnis / ein Geheimnis

Diese Wörter kannst du natürlich nicht mehr nominalisieren, weil es bereits Nomen sind. Das klingt logisch, oder?

Schauen wir uns zunächst an, wie die Umformung von Verben in Nomen funktioniert.

Nominalisierung: Regeln zu Verben mit dem Infinitiv

Du weißt bestimmt, dass Verben im Deutschen kleingeschrieben werden. Wenn du Verben nominalisierst, dann schreibst du sie groß. Es gibt verschiedenen Möglichkeiten, wie du Verben in Nomen umformen kannst. Zuerst sehen wir uns den Infinitiv an. Infinitive sind die Grundformen von Verben (gehen, laufen, stehen…). Diese Infinitive kannst du nominalisieren:

Ich gehe gerne schwimmen. – Das Schwimmen macht mir Spaß.

Was ist hier passiert? Vor das Verb schwimmen stellst du einen bestimmen Artikel und schon erhältst du den nominalisierten Infinitiv. Der Infinitiv wird in der Form nicht verändert. Du musst nur beachten, dass du das nominalisierte Verb großschreibst.

Aber Achtung: Nicht alle deutschen Nomen musst du mit Artikeln verwenden! In diesen Fällen ist es schwieriger, Nomen eindeutig zu erkennen. In diesem Beispielsatz wird kein Artikel verwendet:

Lesen und Schwimmen machen mir Spaß.

Das Verb, das du nominalisierst, muss auch nicht immer nur im Infinitiv stehen. Den Infinitiv bildest du für die Nominalisierung manchmal selbst:

Daniela liest (Infinitiv lesen) gerne Bücher. – Das Lesen gefällt ihr.

Nominalisierung von Verben durch Präfixe (Vorsilben) und Suffixe (Nachsilben)

Verben können auch durch bestimmte Vorsilben oder Nachsilben zum Nomen werden:

Heute schreien die Kinder sehr laut. – Das Geschrei macht mir Kopfschmerzen.

Martin jammert3 über seine Kopfschmerzen. – Das Gejammer nervt mich.

Was meinst du genau? – Meiner Meinung nach ist das ein schweres Thema.

Kann bitte jemand den Text lesen? – Wer möchte der Leser sein?

An den Wortstamm (schrei-, jammer-, mein-, les-) wird eine Vor- oder Nachsilbe angehängt. In manchen Fällen fällt eine Nachsilbe sogar ganz weg:

Ich verbrauche jeden Tag viele Liter Wasser. – Der Verbrauch von Wasser ist hoch.

Substantivierung mit reflexiven Verben und dem Partizip Perfekt

Bei der Nominalisierung von reflexiven Verben entfällt meistens das Reflexivpronomen. Reflexivpronomen sind Pronomen, die sich auf das Subjekt im Satz beziehen. Schauen wir uns ein Beispiel mit dem reflexiven Verb sich erinnern an:

Ich erinnere mich nicht an die Grammatik von gestern. – An die Grammatik von gestern habe ich keine Erinnerung.

Auch das Partizip Perfekt kannst du substantivieren. Du bildest das Partizip Perfekt, indem du die Vorsilbe ge– und die Endung -t an den Stamm des Verbs anhängst:  
Ich erinnere mich nicht mehr, was gesagt wurde. – Ich erinnere mich nicht mehr an das Gesagte.

Wie funktioniert die Nominalisierung von Adjektiven?

Bei der Nominalisierung von Adjektiven gelten die gleichen Regeln zur Großschreibung wie bei der Nominalisierung von Verben. Nach der Nominalisierung schreibst du diese Adjektive groß:

Das ist ein schönes Buch, weil es bunt ist. – Das Schöne an diesem Buch ist das Bunte.

Er ist ein guter Mensch, weil er ehrlich ist. – Das Gute an ihm ist seine Ehrlichkeit.

Ich mag den blauen Himmel. – Ich mag das Blau des Himmels.  

In diesen Beispielsätzen werden die Adjektive schön, bunt, gut und blau nominalisiert, indem du einen Artikel voranstellst. Bei nominalisierten Adjektiven gibt es typische Endungen, die du kennen solltest, wie  -heit oder–keit:

frei – die Freiheit, gesund – die Gesundheit, hell – die Helligkeit

Auch gesteigerte Adjektive kannst du nominalisieren:

Zeig mir das schönste Bild, das du hast! – Das Schönste werde ich mir ansehen.

Nominalisierung – etwas Schönes
Was war das Schönste, das du jemals gesehen hast?

Die Nominalisierung von anderen Wortarten

Auch andere Wortarten kannst du substantivieren:

Pronomen: Er bietet mir das Du an. Ich habe keinen Job und stehe vor dem Nichts.

Präpositionen: Das Für und Wider deiner Argumentation hat mich überzeugt.

Adverbien: Wir leben nicht mehr im Gestern, sondern im Heute.

Zahlwörter: Ich kam als Vierte ins Ziel. Ich glaube, die Dreizehn ist keine Glückszahl.

Konjunktionen: Ohne Wenn und Aber gehe ich heute zur Arbeit, obwohl ich noch sehr müde bin.

Interjektionen: Mit Ach und Krach habe ich die Prüfung bestanden.

Wichtige Signalwörter

Es gibt im Deutschen einige Signalwörter, die dir dabei helfen, eine Nominalisierung zu erkennen. Diese Signalwörter kannst du wie Vokabeln lernen! Du könntest dir diese Signalwörter zum Beispiel auf kleine Kärtchen schreiben. Indem du diese Wörter selbst aufschreibst und vielleicht zusätzlich mit bunten Farben gestaltest, kannst du sie dir leichter merken.

Das Wichtigste beim Wörterlernen ist jedoch, dass du neue Wörter anwendest. Versuche daher eigene Sätze zu bilden und nimm dir vor, neue Wörter in Gesprächen oder eigenen Texten zu verwenden. Nur wenn du mit neuen Wörtern eigene Sätze bildest, lernst du effektiv4 und zeitsparend5.

Signalwörter sollen für dich nicht nur Wörter sein, die du auswendig lernst. Signalwörter sollst du vor allem schnell in einem Text erkennen können! Nach einiger Zeit gelingt dir das, ohne lang überlegen zu müssen: Schreibe ich das Wort groß oder klein? Ist das vielleicht eine Nominalisierung? Je öfter du diese Signalwörter in einem konkreten Kontext liest, desto leichter wirst du sie in Zukunft erkennen.

Deshalb möchte ich dir nicht einfach eine Liste mit diesen Signalwörtern geben. Ich habe einen Text für dich vorbereitet, der viele Beispielsätze mit Substantivierungen und den typischen Signalwörtern enthält:

Ein Beispieltext mit Signalwörtern

Der Einzige, der zu spät kam, warst du. Die Neuen werden von der Lehrerin begrüßt. Das Schreiben von Texten macht mir Spaß. Eine Drei will ich auf keinen Fall für meinen Text bekommen. Unter dem Tisch war ein Kratzen zu hören. (Artikel als Signalwörter)

Beim Lernen höre ich nie Musik. Im Vorbeigehen ist mir noch etwas eingefallen. Ins Schwitzen komme ich, wenn ich für eine Prüfung nicht gelernt habe. Vom Zuhören allein wirst du deine Kommunikation nicht verbessern. Zum Essen trinke ich gerne Wasser. Ans Aufstehen möchte ich nicht denken! (Präposition an und Artikel das verschmelzen5 zu ans als Signalwort)

Ohne Zögern unterschreibt sie den Vertrag. (Präposition als Signalwort)

Meine Schwester isst wenig Süßes. Mein Bruder isst viel Salziges. Ich finde, dass Urlaub etwas Tolles ist. Sie erzählt nur wenig Gutes über die deutsche Grammatik. Ich möchte dir viel Neues erzählen. Alles Wichtige habe ich dir aufgeschrieben. Das bedeutet nichts Gutes. (Mengenangaben als Signalwörter)

Ihr Lachen ist sehr laut. Mein Zögern verstehe ich nicht. Sein Blinzeln macht mich nervös. (Pronomen)

Alles Gute Nominalisierung
Ich wünsche dir alles Gute!

Nominalisierung Adjektive: Achtung Stolperfalle6!

Überprüfe immer, ob auf das Signalwort wirklich eine Substantivierung folgt! In einigen Fällen folgt nach einem Signalwort nämlich keine Großschreibung. Schauen wir uns zwei Ausnahmen an.

Ausnahme 1: Meine kleine Katze.

Das Pronomen mein bezieht sich auf die Katze und nicht das Adjektiv klein. Das Signalwort mein und das Adjektiv beziehen sich beide auf das Nomen. Das Adjektiv kann somit nicht nominalisiert werden, weil noch ein Nomen folgt.

Ausnahme 2: Mir gefällt das gelbe Kleid besser als das blaue
Das blaue ist keine Substantivierung, da es sich auf ein vorheriges Nomen bezieht. Diesen Fall kannst du immer überprüfen, indem du das fehlende Wort – hier Kleid – einsetzt: Mir gefällt das gelbe Kleid besser als das blaue (Kleid).

Fragen & Antworten:

Was ist eine Nominalisierung?

Das ist die Umwandlung von anderen Wortarten in Nomen.

Wie werden nominalisierte Wörter geschrieben?

Nominalisierte Wörter schreibst du im Deutschen groß.

Wie erkenne ich eine Nominalisierung?

Signalwörter helfen dir, Substantivierungen zu erkennen.

Wortschatz:

  1. verwirren: verunsichern
  2. etwas im Blick haben: auf etwas besonders achten
  3. jammern: seine Unzufriedenheit ausdrücken, laut klagen
  4. effektiv: wirksam, wirkungsvoll
  5. zeitsparend: für etwas nicht lange brauchen
  6. verschmelzen: sich verbinden
  7. Stolperfalle (die): ein Hindernis

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Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

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