Der Konjunktiv 2 – so geht’s!

Dein Sprachcoach-Blog

Juli 26

„Ach, könnte ich doch in den Urlaub fahren!” In diesem Satz steht das Verb können im Konjunktiv 2. Warum verwendest du im Deutschen manchmal den Konjunktiv 2 und was drückst du damit aus? Gibt es bestimmte Situationen im Alltag oder im Beruf, in denen ich den Konjunktiv 2 unbedingt1 brauche und wie bilde ich ihn richtig? Auf diese häufigen Fragen von Deutschlernern bekommst du hier die passenden Antworten!

Konjunktiv 2: Beispiele aus dem Alltag

Wir alle haben Wünsche und Träume im Leben. Du mit Sicherheit2 auch, oder? Manche wünschen sich, im Beruf erfolgreich zu sein. Andere möchten eine Familie gründen, ein Haus bauen oder endlich einen eigenen Hund haben. Und wieder andere wollen unbedingt die Welt entdecken und viel reisen. Jeder hat bestimmte Ziele im Leben. Um unsere Träume oder Wünsche auszudrücken, brauchen wir im Deutschen den Konjunktiv 2. Versuch mal, diese Konjunktiv 2-Beispielsätze zu vervollständigen:

  • Wenn ich eine berühmte Schauspielerin/ ein berühmter Schauspieler wäre, hätte ich…
  • Ich würde gerne mal wieder…
  • Wenn ich morgen frei hätte, würde ich…

Na? Was würdest du tun? Ich beantworte diese Fragen natürlich auch, damit du sehen kannst, ob in deinen Sätzen die grammatische Form stimmt: „Wenn ich eine berühmte Schauspielerin wäre, hätte ich viel Geld. Ich würde gerne mal wieder einen Tag in die Sauna gehen. Wenn ich morgen frei hätte, würde ich lange frühstücken. Du siehst, dass du in diesen Konjunktiv 2-Übungen die Sätze mit Verben im Infinitiv (der Grundform) ergänzt. Hast du das auch so gemacht? Super!

Realität oder Wunsch?

Es gibt im Deutschen drei Modi. Das sind laut Duden verschiedene grammatische Kategorien der Verben. Es gibt den Indikativ, das ist die Form der Wirklichkeit (Ich bin eine berühmte Schauspielerin, ich habe morgen frei, ich mache gerne mal wieder…), den Konjunktiv und den Imperativ. Der Konjunktiv drückt in den Beispielsätzen aus, dass du nicht über die Realität sprichst. Es geht um Wünsche oder Träume, die entweder erfüllt3 werden können oder leider unerfüllt4 bleiben. So bin ich mir ziemlich sicher, dass ich in meinem Leben keine berühmte Schauspielerin werde. Auch der Satz „Wenn ich morgen frei hätte, würde ich…” ist keine Aussage über die Realität. Es ist klar, dass ich morgen nicht frei habe. Der Wunsch „Ich würde gerne mal wieder…” kann sich erfüllen, hier kommt es aber auf den Inhalt an. Ich glaube zum Beispiel, dass ich in den nächsten Monaten Zeit haben werde, um in die Sauna zu gehen…

Wann benutzt man den Konjunktiv 2?

Eine typische Konjunktiv 2-Verwendung hast du soeben am Beispiel der Wünsche und Träume kennengelernt. Wo verwendest du diese Form noch? Hier kommt für dich eine praktische Übersicht mit Situationen, in denen du im Deutschen den Konjunktiv 2 brauchst:

  • höfliche Bitten: Würden Sie mich bitte zurückrufen? Könnten Sie mir bitte kurz helfen? Wären Sie so freundlich, das für mich zu erledigen5?
  • Ratschläge: Du solltest mehr Sport machen!
  • Vermutungen: Es könnte sein, dass ich mir bald eine neue Arbeit suchen muss.
  • vorsichtige Behauptung: Das wäre doch auch für dich ein gute Aufgabe!
  • Zweifel: Wäre das möglich?
  • Erstaunen6: Das hättest du wirklich für mich getan?
  • ein mühsam7 erreichtes Ergebnis ausdrücken: So, das wäre geschafft! Das hätten wir geschafft! Da wären wir endlich!

Träume und Wünsche

  • erfüllbare Wünsche und Träume: Ich würde gerne mal wieder ins Kino gehen. Ich wüsste gerne, was sie wirklich denkt.
  • unerfüllbare Wünsche und Träume: Ach, wäre doch nur schon Wochenende! (Es ist leider noch nicht Wochenende und wir können die Zeit auch nicht schneller drehen.) Wenn ich Zeit hätte, würde ich wirklich gerne zu dir kommen. (Ich habe aber keine Zeit.) Hätte Anja die B2-Prüfung doch bestanden! (Ich habe mir gewünscht, dass Anja die Prüfung besteht, aber leider ist sie durchgefallen.)

Wie bildet man den Konjunktiv 2?

Bei den Hilfsverben (sein, haben, werden), den meisten Modalverben und starken Verben bildest du den Konjunktiv 2 aus der Form des Präteritums im Indikativ. Die Konjunktiv 2-Bildung ist einfach erklärt: 

kommen: ich kam -> ich käme, du kämest, er käme, wir kämen, ihr kämet, sie kämen

Achtung Umlaut!

Wenn die Form im Präteritum ein a, o oder u enthält, verwandelt sich dieser Buchstabe in den Umlaut ä, ö und ü: nahm – nähme, konnte – könnte, wusste – wüsste.

Die Verben sollen und wollen bildest du aber ohne Umlaut: sollte – sollte, wollte – wollte.

Bei den schwachen Verben ist die Form im Präteritum und im Konjunktiv 2 gleich, da diese Verben keinen Umlaut bilden können. Die Endungen sind:

lachen: ich lachte –> ich lachte, du lachtest, er lachte, wir lachten, ihr lachtet, wir lachten

reden: ich redete -> ich redete, du redetest, er redete, wir redeten, ihr redetet, sie redeten

Die Umschreibung mit „würde

Weil die Formen im Präteritum und im Konjunktiv 2 gleich sind, verwendest du bei regelmäßigen Verben und seltener benutzten unregelmäßigen Verben meistens die Form würde + Infinitiv:

Präteritum Indikativ: Ich lachte über deinen Witz

Konjunktiv 2: Wenn er lustig wäre, lachte ich bestimmt über deinen Witz.

Umschreibung mit „würde”: Wenn er lustig wäre, würde ich bestimmt über deinen Witz lachen.

Manchmal klingt die Konjunktiv 2-Form auch für Muttersprachler so fremd, dass eine Umschreibung mit „würde“ gewählt wird. In diesen Fällen ist die Form des Konjunktivs nämlich ziemlich veraltet8. Veraltet? Ja, unsere Sprache verändert sich im Grunde ständig. Und daher kommen bestimmte Wörter aus der Mode, andere werden neu in den Wortschatz aufgenommen. Veraltet sind zum Beispiel folgende Formen:

  • Ich wüsche die Kartoffeln –> Ich würde die Kartoffeln waschen.
  • Wir blieben noch einige Tage. –> Wir würden noch einige Tage bleiben.
  • Sie büken Brot. –> Sie würden Brot backen.
  • Wenn das Eis nur schmölze! –> Wenn das Eis nur schmelzen würde!
  • Er flöge nach Thailand. –> Er würde nach Thailand fliegen.
  • Wir trügen die Einkäufe nach Hause. –> Wir würden die Einkäufe nach Hause tragen.
konjunktiv 2 beispiele

Der Konjunktiv 2: Modalverben und Hilfsverben im Überblick

Viele Deutschlerner haben zum Beispiel mit dem Verb werden, dem sein-Konjunktiv 2 oder dem können-Konjunktiv 2 Probleme. Das muss nicht sein, denn die Formen lassen sich gut voneinander unterscheiden. Zu den wenigen Verben, die im Deutschen nicht mit der Umschreibung mit „würde” genutzt werden, gehören die Hilfsverben, Modalverben und einige unregelmäßigen Verben. Falls du trotzdem Umschreibungen mit „würde” in Deutschbüchern finden solltest, dann hilft dir diese Übersicht. Du siehst hier die Verbformen in der Reihenfolge Infinitiv Indikativ Präsens, Indikativ Präteritum, Konjunktiv 2 aus der Form des Präteritums und die Umschreibung mit „würde”:

  • sein: ich bin, ich war, ich wäre, ich würde sein
  • haben: ich habe, ich hatte, ich hätte, ich würde haben
  • werden: ich werde, ich wurde, ich würde, ich würde werden
  • können: ich kann, ich konnte, ich könnte, ich würde können
  • dürfen: ich darf, ich durfte, ich dürfte, ich würde dürfen
  • mögen: ich mag, ich mochte, ich möchte, ich würde mögen
  • müssen: ich muss, ich musste, ich müsste, ich würde müssen
  • dürfen: ich darf, ich durfte, ich dürfte, ich würde dürfen
  • sollen: ich soll, ich sollte, ich sollte, ich würde sollen
  • wollen: ich will, ich wollte, ich wollte, ich würde wollen

Die Vergangenheit im Konjunktiv 2

Auf dem B2-Sprachniveau kommt die Konjunktiv 2-Vergangenheit dazu. Du musst wissen, dass der Konjunktiv 2 vier grammatische Tempora hat: er käme (Präsens), er wäre gekommen (Perfekt), er würde kommen (Futur 1) und er würde gekommen sein (Futur 2). Den Konjunktiv 2 der Vergangenheit bildest du so:

  • Hätte + Partizip II: Ich hätte sie gerne mal wieder gesehen, aber leider war es zu spät.
  • Wäre + Partizip II: Ich wäre gerne gekommen, aber ich musste arbeiten.

Mit Modalverb: hätten + Infinitiv des Vollverbs + Infinitiv des Modalverbs: Du hättest nicht kommen müssen oder wir hätten eher mit ihm sprechen sollen. Sie hätte nach Köln fahren sollen.

Der Konjunktiv 2 in der indirekten Rede

Eine andere Situation, in der du den Konjunktiv 2 im Deutschen brauchst, ist die indirekte Rede. Die indirekte Rede verwendest du im formellen schriftlichen und mündlichen Sprachgebrauch, wenn du erzählen möchtest, was eine andere Person gesagt hat. Du gibst also die Äußerungen eines anderen Sprechers wieder: Mia sagte, du kämest heute. Diese Form verwendest du, wenn der Konjunktiv 1 mit der Verbform im Präsens Indikativ identisch ist. Alternativ kannst du auf die Umschreibung mit „würde” ausweichen: Mia sagte, du würdest heute kommen.

Fragen & Antworten

Wie bilde ich den Konjunktiv 2?

Bei den Hilfsverben (sein, haben, werden), den meisten Modalverben und starken Verben bildest du den Konjunktiv 2 aus der Form des Präteritums im Indikativ: ich käme, du kämest, er käme, wir kämen, ihr kämet, sie kämen. Bei den schwachen Verben ist die Form im Präteritum und im Konjunktiv 2 gleich: ich lachte, du lachtest, er lachte, wir lachten, ihr lachtet, wir lachten.

Wann verwende ich den Konjunktiv 2?

Die wichtigsten Situationen, in denen du den Konjunktiv 2 im Deutschen brauchst, sind Träume, Wünsche, höfliche Bitten und Vermutungen.

konjunktiv 2 faq glühbirne

Wortschatz

  1. unbedingt: auf jeden Fall
  2. mit Sicherheit: bestimmt
  3. Träume erfüllen: Träume wahr werden lassen
  4. Träume bleiben unerfüllt: Träume werden nicht wahr
  5. erledigen: machen, übernehmen
  6. Erstaunen (das): in Staunen, Verwunderung geraten, überrascht sein
  7. mühsam: anstrenged
  8. veraltet: aus der Mode sein, altmodisch

Ähnliche Beiträge

Artikel von:

Fabienne

Die deutsche Sprache begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin Dozentin und liebe es zu unterrichten.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>