Reflexivpronomen – auf sich selbst bezogen!

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November 1

Sich, mich, oder mir? – Hattest du schon mal Situationen, in denen du nicht wusstest, welches Pronomen du verwenden musst? Sicherlich können ganz viele Deutschlerner dieses Problem nachvollziehen. Schluss damit! In diesem Artikel lernst du, wann welche Reflexivpronomen verwendet werden müssen.

Was sind Reflexivpronomen?

Bevor wir den Begriff „Reflexivpronomen“ klären, sollten wir uns das Wort „Pronomen“ genauer anschauen. Denn um Reflexivpronomen zu verstehen, muss man die Grundlagen dieses Thema kennen. Du hast es richtig verstanden – man muss sich mit Pronomen auskennen, um Reflexivpronomen begreifen zu können. Zur Erinnerung: Pronomen sind deklinierbare Wörter, die wir statt Nomen verwenden können. Deklinierbar bedeutet, sie können nach Genus, Kasus, Numerus und Person verändert werden. Ein paar Beispiele für Pronomen sind sie, mein, welcher, der und so weiter. Das ist einfach, oder? Im Deutschen unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten von Pronomen:

Nun kommen wir zu dem wichtigsten Teil: Was ist ein Reflexivpronomen? Kurz gesagt: Die Bedeutung versteckt sich bereits im Namen von Reflexivpronomen – es sind Wörter mit einer zurückbeziehenden Bedeutung – nämlich „sich selbst“ oder „einander“. Aber du weißt ja: Das Sprichwort „In der Kürze liegt die Würze“1 ist in der deutschen Grammatik fehl am Platz2. Denn so schnell kann man komplizierte Sachverhalte3 nicht verstehen! Deshalb werden wir jetzt die Bedeutung von Reflexivpronomen ganz genau unter die Lupe nehmen4.

Reflexivpronomen – Bedeutung

Also, Reflexivpronomen sind Wörter, mit deren Hilfe auf das Subjekt eines Satzes bezogen werden kann. Deshalb sagt man über die Reflexivpronomen auch „auf sich selbst beziehen“ – wir greifen mit ihrer Hilfe auf uns oder auf das Satzsubjekt zurück. Zur Erinnerung: Ein Subjekt ist immer ein Wort im Satz, das im Nominativ steht. Hier ist ein Beispiel: Das Auto lässt sich leicht reparieren. Das Auto ist in diesem Satz das Subjekt. Ist dir das kurze Wort „sich“ aufgefallen? Klasse! Genau das ist ein Reflexivpronomen und das bezieht sich auf das Subjekt „das Auto“.

Nun stellt sich die Frage, welche Reflexivpronomen es überhaupt gibt. Es gibt 2 Arten von Reflexivpronomen. Die ersten sind Pronomen, die man im Akkusativ verwendet. Die zweite Gruppe besteht aus Reflexivpronomen, die man nur im Dativ benutzt:

  • Akkusativ: ich-mich, du-dich, er/sie/es-sich, wir-uns, ihr-euch, sie/Sie-sich
  • Dativ: ich-mir, du-dir, er/sie/es-sich, wir-uns, ihr-euch, sie/Sie-sich

Fragst du dich gerade, wozu man Reflexivpronomen überhaupt braucht? Hier kommt die Antwort: Viele Verben im Deutschen werden ausschließlich mit Reflexivpronomen verwendet. Das müssen wir uns nun genauer anschauen.

 ichduer/sie/eswirihrSie/sie
Akkusativmichdichsichunseuchsich
Dativmirdirsichunseuchsich

Reflexivpronomen & Verben – Verwendung

Verben, die immer ein Reflexivpronomen brauchen, werden in zwei Arten unterteilt: reflexive und reziproke Verben. Bevor du den Text weiterliest, ist es empfehlenswert, sich die Bedeutung von Reflexivpronomen nochmal anzuschauen.

Reflexive Verben benötigen immer ein Reflexivpronomen, das die Bedeutung „sich selbst“ hat. Normalerweise müssen dabei Reflexivpronomen im Akkusativ stehen, zum Beispiel: Ich wasche mich; du kämmst dich. Wenn es aber in einem Satz auch ein Akkusativobjekt gibt, dann kann das Reflexivpronomen auch im Dativ stehen: Ich wasche mir das Gesicht; du kämmst dir die Haare.

Reziproke Verben werden hingegen immer mit den Reflexivpronomen verwenden, die die Bedeutung „einander“ besitzen. Das Wort „reziprok“ bedeutet „wechselseitig“. Du kannst dir merken, dass reziproke Verben immer dann verwendet werden, wenn es um mehr als zwei Personen geht. Wir benutzen sie also immer in der 1., 2. und 3. Person im Plural mit den Reflexivpronomen uns, euch und sich: Wir verstehen uns sehr gut; ihr könnt es euch gemütlich machen; sie mögen sich. Um schnell zu erkennen, ob ein Verb ein reziprokes Verb ist, gibt es einen Tipp: Die Reflexivpronomen nach solchen Verben lassen sich durch „einander“ oder „miteinander“ ersetzen. Nehmen wir mal das Beispiel mit dem reflexiven Verb „waschen“: Wir waschen uns. Hätte man das Wort uns durch die Worte einander oder miteinander ersetzt – wir waschen einander/miteinander – würde dadurch eine ganz andere Bedeutung dieser Aussage entstehen. Es gibt aber auch Ausnahmen. Manche reziproke Verben können auch im Singular verwendet werden. Ein perfektes Beispiel dafür wäre das Verb „sich einigen“: Ich einige mich mit meiner Schwester/ Wir haben uns geeinigt. Wie du siehst, kann das Verb sowohl im Singular als auch im Plural verwendet werden.

Reflexive und reziproke Verben – Beispiele

Es ist immer einfach, ein Thema zu verstehen, wenn man ein paar Beispiele kennt. Deshalb findest du unten ein paar Beispiele für die wichtigsten reflexiven und reziproken Verben:

  • reflexive Verben mit Akkusativ: sich amüsieren, sich anfühlen, sich anmelden, sich aufregen, sich auskennen, sich ausruhen, sich ausweisen, sich bedanken, sich beruhigen, sich beschäftigen (mit), sich entschuldigen, sich entwickeln, sich erkälten, sich erkundigen, sich fortbilden, sich fragen, sich langweilen, sich melden, sich scheiden lassen, sich täuschen, sich übergeben, sich verabreden, sich verändern, sich verlassen (auf), sich verstecken, sich verlieben, sich vorbereiten
  • reflexive Verben mit Dativ: sich etwas vorstellen, sich etwas wünschen, sich etwas leisten
  • reziproke Verben: sich anfreunden, sich kennen, sich lieben, sich küssen

Reflexivpronomen – Übungen

Setze das passende Reflexivpronomen ein:

  1. Die Kinder benehmen ___ gut.
  2. Ich sehe ___ den berühmten Film an.
  3. Paul zieht ___ eine neue Hose an.
  4. Ihr geht ___ aus dem Weg.
  5. Wir treffen ____ im Park.
  6. Ich habe ___ das Haus anders vorgestellt.

Lösung

  1. Die Kinder benehmen sich gut.
  2. Ich sehe mir den berühmten Film an.
  3. Paul zieht sich eine neue Hose an.
  4. Ihr geht euch aus dem Weg.
  5. Wir treffen uns im Park.
  6. Ich habe mir das Haus anders vorgestellt.

Das war’s auch schon. Hast du Fragen? Dann schreibe sie gerne in die Kommentare!

Fragen & Antworten:

Was sind Reflexivpronomen?

Reflexivpronomen sind Wörter, mit deren Hilfe auf das Subjekt eines Satzes bezogen werden kann.

Welche Pronomen sind Reflexivpronomen?

In Akkusativ gibt es folgende Reflexivpronomen: ich-mich, du-dich, er/sie/es-sich, wir-uns, ihr-euch, sie/Sie-sich
In Dativ gibt es diese Reflexivpronomen: ich-mir, du-dir, er/sie/es-sich, wir-uns, ihr-euch, sie/Sie-sich

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Wortschatz:

  1. In der Kürze liegt die Würze (Redewendung): eine kurze Beschreibung ist besser als eine lange
  2. fehl am Platz sein: sich nicht dazugehörend fühlen; unangemessen
  3. Sachverhalt (der): Kontext, Situation
  4. etwas unter die Lupe nehmen (Sprichwort): sich etwas ganz genau anschauen

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Artikel von:

Aleksandra

Hinter dem Polarkreis aufgewachsen und Lehrerin aus Leidenschaft. Ich liebe Deutsch und die Berge!

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